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Die Geschichte der europäischen Einigung

Von der Idee bis zum Friedensnobelpreis

Von Andreas Noll

Die Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 in Rom. (AP Archiv)
Die Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 in Rom. (AP Archiv)

Schon der Weg von der Idee bis zum europäischen Gründungsdokument, den Römischen Verträgen im Jahr 1957, war steinig. Der friedliche Zusammenschluss der Europäer galt jedoch als einzig gangbarer Weg nach den Weltkriegen.

"Die Europäische Gemeinschaft verfolgt nur friedliche Zwecke. Sie richtet sich gegen niemand. Der Beitritt steht allen europäischen Staaten offen." (Konrad Adenauer)

25. März 1957 - im Konservatorenpalast des Kapitols in Rom unterzeichnen Bundeskanzler Konrad Adenauer und die Vertreter Frankreichs, Italiens, der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs die Römischen Verträge.

"All zu viel Aufgaben liegen noch vor uns. Aber der Freude darüber, dass es uns vergönnt ist, den großen Schritt zur Einigung Europas zu tun, dieser Freude möchte ich doch Ausdruck geben, denn diese Freude wird von Millionen und Abermillionen unserer Völker geteilt." (Konrad Adenauer)

Der Weg zu diesem europäischen Gründungsdokument ist steinig. Dabei ist der Befund für den in Trümmern liegenden Kontinent eindeutig: Der friedliche Zusammenschluss der Europäer gilt als einzig gangbarer Weg nach Weltkriegen. Winston Churchill – ein Brite – liefert dafür bereits 1946 in seiner Zürcher Rede die Blaupause:

"Unter dem Dach dieser Weltorganisation müssen wir die europäische Familie gruppieren, nennen wir es die Vereinigten Staaten von Europa. In all diesen notwendigen Aufbauschritten müssen Frankreich und Deutschland die gemeinsame Führung übernehmen."

Die Idee eines geeinten Europas fällt auf fruchtbaren Boden – vor allem bei der jüngeren Generation, die 1950 an der deutsch-französischen Grenze die Schlagbäume symbolisch niederreißt:

"Wir kommen aus Heidelberg in Europa, wir kommen von Bonn in Europa, wir kommen von Mainz in Europa, wir kommen aus Amsterdam in Europa, Rom in Europa, Bern in Europa."

Es ist dann am 9. Mai 1950 – dem bis heute gefeierten Europatag – als der französische Außenminister Robert Schuman den ersten großen Integrationsschritt vorschlägt:

"Die gesamte deutsch-französische Kohle- und Stahlproduktion ist einer hohen Behörde zu unterstellen. Damit sollen die echten Grundlagen einer wirtschaftlichen Vereinheitlichung dieser Nationen geschaffen und konkrete Fundamente einer europäischen Föderation gelegt werden."

Gut ein Jahr später wird die Montanunion besiegelt. Schuman, wie Monnet ein Kenner Deutschlands und der deutschen Sprache, sagt an diesem 18. April 1951:

"Kohle, Eisen und Stahl sind nunmehr Gemeingut geworden einer europäischen Bevölkerung von 156 Millionen Einwohnern."

Ideen, die Montanunion auf andere Wirtschaftsbereiche zu übertragen, gibt es viele. Meist scheitern sie an Bedenken Großbritanniens oder der skandinavischen Staaten. Den Aufbau einer europäischen Armee verhindert 1954 die französische Nationalversammlung.

Nach diesem Schock besinnen sich die Europäer auf eine Idee, die in den Wirren um die Europäische Verteidigungsgemeinschaft untergegangen war: die Bildung eines gemeinsamen Marktes und einer Zollunion. Am 25. März 1957 vereinbaren sechs westeuropäische Staaten in den Römischen Verträgen den Aufbau eines gemeinsamen Marktes in drei Stufen. Sie nehmen sich die Abschaffung der Zölle vor und wollen den Personen- Dienstleistungs- und Kapitalverkehr erleichtern.

Die Europäische Atomgemeinschaft, der zweite zentrale Teil der Römischen Verträge, verpflichtet die Unterzeichner zu gemeinsamer Forschung und einheitlichen Sicherheitsnormen. Die historische Übereinkunft wird europaweit gefeiert:

"Alle Schüler haben heute frei in Rom und ganz Italien, aber in den höheren Schulen haben heute Morgen europäische Feierstunden stattgefunden, die Direktoren und Professoren haben die italienische Schuljugend über die historische Bedeutung und die Tragweite des heutigen Tages aufgeklärt."

Die Römischen Verträgen bilden den institutionellen Rahmen für das geeinte Europa, bewahren die Gemeinschaft aber nicht vor Rückschlägen. Das Beitrittsgesuch Londons scheitert am Widerstand Frankreichs. Erst nach dem Tod Präsident de Gaulles werden Großbritannien, Dänemark und Irland 1973 in die Gemeinschaft aufgenommen.

Agrarsubventionen, babylonische Sprachverwirrung, Kompetenzenwirrwarr und fehlender politischer Fortschritt nähren immer wieder die Skepsis an der Integrationsfähigkeit des alten Kontinents und lassen etwa Franz Josef Strauß in den 70er-Jahren fragen:

"Ob es überhaupt noch in den 70er- oder 80-Jahren oder in diesem Jahrhundert zu einer funktionierenden politischen Gemeinschaft der Europäer kommt? Mein Gott, was soll aus Europa werden, wenn es so weiter?"

Europaskepsis ist verbreitet und steigert sich in den frühen 80er-Jahren in das Schlagwort Eurosklerose. Daran ändert auch die Direktwahl des Europäischen Parlaments und die zwischenzeitliche Erweiterung um Spanien und Griechenland nichts.

Erst unter Kommissionspräsident Jacques Delors entwickelt Europa neuen Elan. Am 7. Februar 1992 einigt sich die Gemeinschaft im Maastrichtvertrag auf eine große EU-Reform und die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro, mit dem die Europäer nun schon seit zehn Jahren bezahlen:

"Die Währungsunion ist in ihren Konsequenzen die tief greifendste Veränderung auf unserem Kontinent seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums." (Helmut Kohl)

Diese Europäische Union ist ein Magnet für neue Mitglieder. Österreich, Schweden und Finnland stoßen 1995 dazu. 2004 folgen die jungen Demokratien in Mittel- und Südosteuropa. Auf beiden Seiten sind damit große Hoffnungen verbunden:

"Die Erweiterung wird uns nicht ärmer machen, sie wird uns in der Perspektive reicher machen." (Gerhard Schröder)

Institutionell vorbereitet ist die EU auf diese neue Größe aber nicht. Das Projekt einer Europäischen Verfassung scheitert aber am Widerstand der Bevölkerung. Und so macht zur bislang letzten Beitrittsrunde von Rumänien und Bulgarien 2007 wieder das Wort von der EU-Verdrossenheit die Runde. Die Beitrittskandidaten schreckt das allerdings nicht ab. Am 1. Juli 2013 wird die EU mit Kroatien ihren 28. Mitgliedsstaat begrüßen.

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