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Seit 02:07 Uhr Kulturfragen
StartseiteEuropa heuteDie Griechen zahlen einen hohen Preis21.02.2012

Die Griechen zahlen einen hohen Preis

Europa-Kolumne: Nach der Entscheidung über ein weiteres Rettungspaket

Die Pleite Griechenlands ist durch den Schuldenschnitt in letzter Minute abgewendet. Die Erleichterung bei der griechischen Regierung ist groß - doch wie hoch ist der Preis, den Griechenland für diese Rückendeckung zahlen muss?

Von Jannis Papadimitriuo

(dradio.de)
(dradio.de)

Hilflosigkeit macht sich breit in Griechenland. Die Menschen wissen einfach nicht, ob die neu auferlegten Sparmaßnahmen das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels andeuten oder der Anfang vom Ende Griechenlands sind.

Fest steht: Schon wieder müssen erst einmal Rentner und Kleinverdiener bluten, damit möglichst schnell möglichst viel Geld für die Staatskasse eingenommen wird. Mit den viel beschworenen Strukturreformen wird sich die griechische Regierung trotz gegenteiliger Zusage vermutlich noch etwas Zeit lassen, zumal spätestens im Mai Neuwahlen anstehen in Hellas.

Für viele Griechen wäre dies eigentlich eine gute Gelegenheit, den altgedienten Politikern, die für die heutige Wirtschaftsmisere des Landes verantwortlich sind, einen Denkzettel zu verpassen - doch was wäre die Alternative? Laut Umfragen sind nur die linken und ultralinken Parteien im Aufwind. Wenn am kommenden Sonntag Parlamentswahlen in Griechenland wären, würden sie insgesamt über 40 Prozent der Stimmen und somit möglicherweise auch die absolute Mehrheit der Parlamentssitze bekommen. Damit ginge der Parteienzank erst recht wieder von vorne los, zumal die Linke tief zerstritten ist: Während etwa die orthodoxen Kommunisten für den Austritt Griechenlands aus der EU plädieren, warnen die gemäßigten Sozialisten der "Demokratischen Linke" vor einem Euro-Austritt des Landes, der "einem ökonomischen und politischen Selbstmord" gleichkäme.

In ihrer Verzweiflung suchen viele Menschen nach einfachen Lösungen. Spätestens seit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Griechen Unzuverlässigkeit vorgeworfen und eine Verschiebung des Wahltermins gefordert hat, dient auch Deutschland als Sündenbock. Dabei bleibt es nicht nur bei den üblichen, auf den Zweiten Weltkrieg zurückgehenden Klischees. Da in den letzten Jahren mehrere deutsche Firmen, allen voran "Siemens" verdächtigt wurden, in Bestechungsaffären direkt beteiligt gewesen zu sein, wird Deutschland in der Athener Presse auch der Korruption beschuldigt.

Aus historischen Gründen reagieren die Griechen sehr empfindlich, wenn ihre nationale Souveränität eingeschränkt oder in Frage gestellt wird. Aber im Moment scheint es keinen anderen Weg zu geben. Nur wenige Kommentatoren in Athen sind mutig genug, um darauf hinzuweisen, dass die nationale Souveränität eines Landes nicht nur durch Hinweise aus Berlin oder Brüssel, sondern auch - und vor allem- durch wachsende Verschuldung in Gefahr gerät.

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