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StartseiteInterview"Die Israelis wollen Frieden, Punkt"30.07.2013

"Die Israelis wollen Frieden, Punkt"

Israelischer Botschafter in Deutschland bekräftigt Willen zur Lösung des Nahost-Konflikts

Es gebe derzeit in der Bevölkerung nicht viel Vertrauen in die Palästinenser, sagt Yakov Hadas-Handelsman. Der israelische Botschafter in Deutschland erwartet schwierige Verhandlungen, bekräftigt aber den Willen Israels, eine Zwei-Staaten-Lösung zu schaffen: "Es ist möglich!"

Yakov Hadas-Handelsman im Gespräch mit Silvia Engels

Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, hält Frieden in Nahost für möglich. (picture alliance / dpa / Markus Scholz)
Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, hält Frieden in Nahost für möglich. (picture alliance / dpa / Markus Scholz)

Silvia Engels: Es sind nur Vorgespräche von Unterhändlern, die da gestern in Washington begonnen haben. Anschließend äußerten sich beide Seiten nicht, aber die Gespräche werden mit einiger Hoffnung beobachtet, denn erstmals seit drei Jahren setzen sich Israelis und Palästinenser überhaupt wieder an einen Tisch. Sie sprechen, um die Voraussetzungen für Verhandlungen über einen Friedensvertrag zu schaffen. Am Telefon ist der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman. Guten Morgen!

Yakov Hadas-Handelsman: Guten Morgen, Frau Engels!

Engels: Erkennen Sie den Einigungswillen auf beiden Seiten bei diesen Gesprächen?

Hadas-Handelsman: Das wird die Zukunft uns beweisen. Wir wollen diesen Konflikt auflösen. Ich hoffe, dass es dieses Mal funktioniert, die Chancen sind nicht so gut, aber auch nicht so schlecht. Es hängt davon ab vor allem, ob die beiden Seiten wirklich Frieden erreichen wollen.

Engels: Israel hält ja am Siedlungsbau stärker fest als in früheren Jahren, und das palästinensische Lager ist stärker politisch zersplittert als in früheren Jahren. Sind die Voraussetzungen also so schwer wie nie, Frieden zu finden?

Hadas-Handelsman: Nein, meiner Meinung nach ist es noch immer am besten, Frieden zu erreichen. Das heißt, wenn wir verhandeln und eine Lösung erreichen können, dann werden diese Themen wie Siedlungsbau oder diese Zersplitterungen in der palästinensischen Gesellschaft aufgelöst werden, zumindest diese Siedlungsbaufrage. Für die Palästinenser, die, falls es ein Friedensabkommen gibt, die Entscheidung treffen müssen, ob sie wirklich einen unabhängigen palästinensischen Staat, der die nationale Heimat für das palästinensische Volk ist, haben wollen, die neben Israel in Frieden und in guter Nachbarschaft zusammenleben oder nicht. Ich hoffe, dass es dieses Mal funktioniert, aber ich muss dazu sagen, das heißt, erstens wird es nicht leicht sein, zweitens, die israelische Bevölkerung ist im Zweifel heutzutage, es gibt nicht zu viel Vertrauen in die Palästinenser, was sie wollen zu erreichen oder was sie nicht wollen zu erreichen und so weiter und so fort. Schwer ist es – ist es unmöglich? Meiner Meinung nach, nein. Es ist möglich!

Engels: In welchem Bereich könnten Sie denn als Erstes Fortschritte erwarten? Sie deuteten an, möglicherweise beim Stichwort israelischer Siedlungsbau?

Hadas-Handelsman: Nein, der Siedlungsbau – vielleicht für Sie ist das ein Stichwort. Es ist eines der Stichwörter, aber es ist nicht das Hauptstichwort. Also, das ist ein Pauschal, es gibt viele Komponenten. Wenn wir über die Grenzen einverstanden sein könnten, dann wird dieses Problem automatisch aufgelöst und die Grenzen, die hängen davon ab, was für Sicherheitsanlagen oder Sicherheitsschritte es geben wird. Und wenn diese Fragen oder diese Themen aufgelöst sind, dann kann man Fortschritte machen und weiter gehen. Es gibt andere Fragen. Flüchtlinge. Es gibt eine Frage, welche Stadt, das heißt, diese Zwei-Stadt-Lösung oder Zwei-Nationalstaaten-Lösung. Und so weiter und so fort. Also alles beginnt und endet nicht mit den Siedlungen.

Engels: Aber es hängt alles mit allem zusammen. Da ist zum einen der Siedlungsbau, dann verlangt Israel aber im Vorfeld, Sie deuten es an, die Garantie der Grenzen und der Existenz Israels. Die Palästinenser umgekehrt verlangen, dass über die Grenzen auf Grundlage von 1967 verhandelt wird. Dann gibt es die Problematik der Flüchtlingsrückkehrer von palästinensischer Seite aus und dann noch den Streit um die Jerusalemfrage. So kann man es zusammenfassen, aber an irgendeinem Punkt muss man doch einmal anfangen. Welches ist dieser erste Punkt?

Hadas-Handelsman: Erstens man kann es nicht Schritt für Schritt machen, das heißt, so wie Sie das referiert haben. Alles ist verbunden mit dem Zweiten. Meiner Meinung nach: das Erste ist Vertrauen. Das Vertrauen neuerlich zu gewinnen, weil dieses Vertrauen ist weggegangen, und ich kann nicht die Palästinenser vertreten, aber für die Israelis gibt es kein Vertrauen. Wir haben eine sehr, sehr schwere Entscheidung getroffen vorgestern, und zwar diese 104 Terroristen zu begnadigen. Das heißt, es hängt davon ab, ob es Fortschritte in den Verhandlungen gibt, das ist ein Zeichen, dass wir ernst sind, dass wir seriös sind, dass wir wirklich dieses Mal eine gute Chance geben wollen, um diesen Konflikt aufzulösen.

Engels: Sie sagen, der Vertrauensvorschuss auf beiden Seiten muss letztendlich gegeben sein, damit man vorankommt. Nun hat sich Palästinenserpräsident Abbas gerade in Kairo mit markigen Tönen zu Wort gemeldet, Zitat: "In einer endgültigen Resolution wollen wir keinen einzigen Israeli, ob Zivilist oder Soldat, auf unserem Land sehen." Wie passt das zu Vertrauensaufbau?

Hadas-Handelsman: Es passt nicht. Das ist genau, was ich meine. Ich habe es heute früh leider gelesen. Was will er damit erreichen? Vertrauen? Um nicht zu sagen, dass nochmals jemand diese Versprechung verletzt, dass dieses Mal keine Einzelheiten aus diesen Gesprächen in die Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Das ist genau, was ich meine. Wenn es kein Vertrauen gibt, dann wird es nicht funktionieren, und wenn jemand über Vertrauen spricht, dann kann man das nicht aus Israel nur fordern, und die Palästinenser: Ah, okay, es ist egal, kein Problem. Man kann sie verstehen, die Frustration und so weiter und so fort. Wie man das auf Englisch sagt, it takes two to tango. Man kann nicht immer Israel immer als die grundsätzliche Ursache darstellen, warum heute kein Frieden zwischen Israel und den Palästinensern gibt. Es ist sehr, sehr entfernt von dieser Vermutung.

Engels: Können denn dann Verhandlungen überhaupt zu etwas führen, die ja letztlich nur nach langem Drängen durch die USA, also von außen zustande gekommen sind?

Hadas-Handelsman: Kennen Sie diesen Ausdruck: When there is a will, there is a way. Also wir sind bereit. Wir sind bereit, weil für uns es wichtig ist, diesen Konflikt aufzulösen. Es ist wichtig wegen all dem, was in unserer Nachbarschaft heute passiert, und es wird nicht besser sein, leider, in Zukunft oder in der nahen Zukunft. Unserer Meinung nach ist es für die Palästinenser dasselbe. Die Frage ist nur, ob die das verstehen oder realisieren oder ob – und ich hoffe, dass die Antwort positiv ist –

Engels: Wo ein Wille ist, ist ein Weg, sagen Sie also. Aber falls am Ende der Verhandlungen tatsächlich ein israelischer Rückzug von besetzten Gebieten stehen soll, hat sich ja Ministerpräsident Netanjahu zu einem Referendum darüber verpflichtet. Würden die Israelis einem Rückzug mehrheitlich zustimmen?

Hadas-Handelsman: Ich bin kein Prophet und ich bin kein politischer Science-Rechercheur, aber eines kann ich sagen: Ich kann vermuten, dass, wenn wir Vertrauen erneut gewinnen werden und wenn es eine Lösung gibt, die Mehrheit der Bevölkerung wird dem zustimmen. Weil die Israelis wollen Frieden, Punkt.

Engels: Das war der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, zum Auftakt der Gespräche zwischen israelischen und palästinensischen Unterhändlern in Washington. Vielen Dank für das Gespräch!

Hadas-Handelsman: Danke!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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