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StartseiteLyrixDie Jahresgewinner des lyrix-Wettbewerbs 200818.02.2009

Die Jahresgewinner des lyrix-Wettbewerbs 2008

13 Schülerinnen und Schüler fahren im März 2009 zum Lyrikworkshop nach Berlin

Zufrieden blicken die Initiatoren von »lyrix« auf das Jahr 2008 zurück: In der ersten Wettbewerbsrunde haben uns mehr als 1200 Gedichte erreicht. Die positive Resonanz auf »lyrix« hat uns überwältigt und wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Teilnehmern sehr herzlich für die eindrucksvollen und spannenden Beiträge bedanken.

Die "lyrix"-Preisgewinner 2008 bei der feierlichen Preisverleihung im Literarischen Colloquium Berlin (Deutschlandradio/Tobias Bohm)
Die "lyrix"-Preisgewinner 2008 bei der feierlichen Preisverleihung im Literarischen Colloquium Berlin (Deutschlandradio/Tobias Bohm)
<p>Angesichts der zahlreichen Gedichte ist der Jury die Wahl der Jahresgewinner nicht leicht gefallen. Auf zwölf Preisträger wollte man sich einigen, letztendlich konnten dreizehn Schülerinnen und Schüler die besten Wertungen der Juroren auf sich vereinigen. Um nicht per Los entscheiden zu müssen, haben sich die Initiatoren des Wettbewerbs darauf geeinigt, dreizehn Jahresgewinner auszuzeichnen. Diese dreizehn Schülerinnen und Schüler fahren vom 05. bis 08. März 2009 nach Berlin und werden dort unter anderem an einem Lyrikworkshop mit den Autoren Norbert Hummelt und Dirk von Petersdorff im Literarischen Colloquium Berlin teilnehmen.<br /><br />Übrigens: Auch in der zweiten Runde von »lyrix« ist der Preis für die Jahresgewinner wieder ein verlängertes Wochenende in Berlin. Mitmachen lohnt sich!<br /><br /><br /><strong>Die »lyrix«-Preisträger 2008 in alphabetischer Reihenfolge:</strong><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Sophia Barthelmes </strong> aus Eckersdorf<br />Markgräfin-Wilhelmine Gymnasium Bayreuth, Jahrgangsstufe 13<br />»lyrix«-Monat: Juni<br />Leitmotiv: Ich sehe was, was Du nicht siehst...<br /><br /><strong>philosophie</strong><br /><br /><em>so traurig macht<br />es mich dass<br />ich sie niemals<br />werde betrachten können<br />die gesamte schönheit der sonne<br />denn<br />sie würde mich<br />blind machen<br /><br />lieber gott<br />ist dies auch<br />bei dir<br />bedingung?</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Josefine Berkholz </strong> aus Berlin<br />Jugendkunstschule Atrium, Klasse 8<br />»lyrix«-Monat: Februar<br />Leitmotiv: Schöne Kinderzeit?<br /><br /><strong>Kinderworte </strong><br /><br /><em>Leise Gedanken,<br />Zu schüchtern für den Augenblick, <br />schicken scheu die ersten Ranken,<br />An des Tages klares Licht.<br /><br />In einem Kleid aus handgenähten Worten,<br />Suchen sie sich ungeschmückt,<br />den Weg zu des Ohres Pforten,<br />Für den Augenblick beglückt.<br /><br />Junge Stimmen suchen sacht,<br />einen Menschen der sie hört,<br />Doch sie bleiben ohne Acht,<br />weil man sich an ihnen stört.<br /><br />Jugendwahrheiten verblassen,<br />Niemand der sie an sich bindet,<br />Sterben auf dem Boden, still, verlassen,<br />bis sie später jemand findet. <br /><br />Warum will sie niemand wissen,<br />weggewischt an jedem Orte<br />muss die Welt sie lange missen<br />niemand hört auf Kinderworte.</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Julia Frick </strong> aus Lambsheim<br />Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium, Jahrgangsstufe 12<br />»lyrix«-Monat: Februar<br />Leitmotiv: Schöne Kinderzeit?<br /><br /><strong>Kindheit</strong><br /><br /><em>Kindheit ist, wie Süßes naschen,<br />Gummibärchen, Colaflaschen,<br />Toben schmeckt nach Quark-Nachtisch,<br />in die Schule geh'n nach Fisch.<br /><br />Verstecken schmeckt nach Schokolade,<br />Blinde Kuh nach Marmelade,<br />Fernseh’n schmeckt nach Erdbeereis,<br />Pflichten nach Gemüsereis.<br /><br />Spielzeug schmeckt nach Himbeersahne,<br />"Schlaf-schön-Küsse" nach Banane,<br />Lachen schmeckt nach Obstsalat,<br />erwachsen werden - nach Spinat!</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Johanna Fugmann</strong> aus Memmelsdorf<br />Dientzenhofer Gymnasium, Klasse 6<br />»lyrix«-Monat: April<br />Leitmotiv: Ist es Liebe?<br /><br /><strong>Lauch</strong><br /><br /><em>Deine Augen, deine Lippen, dein Kinn,<br />Ich bin ganz weg und hin,<br />Ich verwechsel jeden Satz in jedem Wort,<br />Nein das war anders aber auch so was von der Sort,<br />Ich verbuchsel alle Wechselstaben,<br />Ach wie gern würd ich deine Liebe haben,<br />Ich weis nur nicht, liebst du mich auch?<br />Magst du auch so gerne Lauch?<br />Ich hab nämlich gehört: <br />ein Paar muss zusammen passen,<br />Man muss die selben Sachen hassen,<br />Dasselbe lieben muss man auch,<br />Und ich mag eben Lauch.</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Judith Gerten</strong> aus Pulheim<br /> Geschwister-Scholl-Gymnasium, Klasse 10<br />»lyrix«-Monat: Oktober<br />Leitmotiv: Mein Land!?<br /><br /><strong>Deutsch-Land</strong><br /><br /><em>Schwarzrotgolden weht die Fahne<br />Himmel über Deutschland? blau<br />Wege aschig, ockerfarben<br />Alte Menschen, weiß und grau<br /><br />Kleine Kinder? rosa Finger<br />Fahren durch den Lockenschopf<br />Helle Fasern, schwarze Strähnen<br />Lichtermeer auf deutschem Kopf<br /><br />Blasse Haut ziert grüne Augen<br />Dunkle Iris, braungebrannt<br />Afrikanisch, völkerfarben<br />Reicht sich eine Welt die Hand<br /><br />Helle Finger, beige Kuppen<br />Falten, tief, geschichtenreich<br />Bahnen sich den Pfad des Lebens<br />Durch Gesichter, dunkel, bleich<br /><br />Land der Deutschen, deutsche Lande<br />Banner der Vielfältigkeit<br />Spannen unsre Landesgrenzen<br />Von Monotonie befreit<br /><br />Laute voller Farbenfreude<br />Schwingen sich von Mund zu Mund<br />Malen uns Momentaufnahmen<br />Fotoalbum Deutschland? bunt.</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Julia Große</strong> aus Stendal<br />Winckelmann-Gymnasium Stendal, Klasse 8<br />»lyrix«-Monat: Juni<br />Leitmotiv: Ich sehe was, was Du nicht siehst...<br /><br /><strong>Ich sehe was, was du nicht siehst</strong><br /><br /><em>Was du nicht siehst, das sehe ich.<br />Nein, ein Schläger bist du nicht!<br />Zieh deine Springerstiefel aus,<br />den Baseballschläger lass zu Haus!<br /><br />Was du nicht siehst, das sehe ich.<br />Nein, ein Fascho bist du nicht!<br />Gib deinem Nachbarn mal die Hand,<br />kommt er auch aus einem anderen Land.<br /><br />Was du nicht siehst, das sehe ich.<br />Er ist ein Mensch, wie du und ich.<br />Gewalt und Grausamkeit sind out,<br />es steckt ein Mensch in jeder Haut.<br /><br />Was du nicht siehst, das sehe ich:<br />Du bist o.k. - versteck es nicht!</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Kai-Oliver Gutacker</strong> aus Niddatal<br />Sankt Lioba Schule, Jahrgangsstufe 12<br />»lyrix«-Monat: Oktober<br />Leitmotiv: Mein Land!?<br /><br /><strong>Ins Kristall</strong><br /><br /><em>Wie einen grauen Mantel<br />Leg ich mein Tagwerk ab<br />Im stillen Weltenwandel<br />Senkt sich die Nacht herab<br /><br />Es regen sich die Träume<br />Geflüster steigt ins All<br />Und formt die engen Räume<br />Zu atmendem Kristall<br /><br />Kristall'ne Zaubergründe -<br />Die Lande kristallin<br />Kristalldunst netzt die Winde<br />Die seicht durchs Nachtreich zieh'n<br /><br />Durch schattenlose Wälder<br />Bedeckt mit klarem Schnee<br />Durch bunte Spiegelfelder<br />Bis in die weite See<br /><br />Sich mit dem Mondlicht einend<br />Zieh'n Geisterschar'n umher<br />Und ihre Blicke scheinen<br />Aufs silberblaue Meer<br /><br />Als wollten sie mich leiten<br />Entdecken sie sich mir<br />Durchströmen rasch die Weiten<br />Und bringen mich zu dir</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Jonas Kohnen</strong> aus Ludwigshafen<br />Heinrich-Böll-Gymnasium, Klasse 10<br />»lyrix«-Monat: Oktober<br />Leitmotiv: Mein Land!?<br /><br /><strong>Landflucht</strong><br /><br /><em>Vermatscht grüne Grasstücke, im Sommer waren hier Gänseblümchen stationiert Nachts lichterlose, blättergeflutete, verdächtig stille Stadtteilparks Schrumpfende Tierwelt, nur noch ein paar zwitschernde Vögel auf den kargen Ästen Igel und Mäuse, verstecktes Wimmeln im Unterholz, jährlich leiser werdend<br /><br />Wege in meinem Land sind holprige Reifenqual, wenig befahren Baustellen überall, wandern ganz langsam die Straßen entlang Straßenbahnrillen werden von Zeit zu Zeit zur Fahrradfalle Weltoffene, verschlossene, glückliche oder traurige Individuen leben hier<br /><br />Häuser, mal hoch mal niedrig, nur zum Teil bewohnt Der zentrale Ort für vollkommen isolierte Menschen Ihr Anteil erkennbar an der traurigen Leere der Geschäfte Einsame Seen, verpasste Spiegelungen der Sonnenuntergänge<br /><br />Glücklos umherstreifende Verlassene suchen die traute Zweisamkeit Beleuchtete Springbrunnen sind Ausdruck illusionärer Verschönerungsversuche Industrieschornsteine sorgen für schleichend ansteigende Luftverschmutzung Muss noch hier bleiben, dann abwägen, wahrscheinlich wohl wegziehen</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Theresa Pleitner</strong> aus Blaubeuren<br />Evangelisches Seminar Kloster Blaubeuren, Jahrgangsstufe 12<br />»lyrix«-Monat: September<br />Leitmotiv: Spiel des Lebens<br /><br /><strong>Spielen und gespielt werden</strong><br /><br /><em>Gib mir deine Hand<br />lass uns auf den Gräbern tanzen<br />wenn wir auch<br />die Blumen zu Dreck zertrampeln<br />die Toten in den kahlen Ästen der Bäume<br />empört die Finger heben<br />wenn auch in mir<br />die Wut der Ohnmacht schreit<br />das was ich liebte hier zu Staub zerfiel <br />beiße ich dich doch zärtlich in die Wange <br />ein Halt von nackter Haut inmitten der Willkür <br />eines Gottes dessen Marionetten wir sind<br /><br />sein grausames Spiel spielt er mit uns<br />und wir, gutgläubigen Kindern gleich,<br />suchen verzweifelt den Sinn<br />in den Launen des Schicksals<br />basteln aus dem flüchtigen Material unserer Gedankengänge Sinnmasken <br />ein verbitterter Maskenball von Marionetten<br /><br />Doch mein Spiel soll ehrlich sein<br />wie nackte Haut<br />bloßgelegt die Adern des Herzens<br />verfolgt von euren starren Blicken<br />strömt doch das Blut meines<br />zerrissenen Herzens fort<br />wenn ich<br />einsam<br />tanze<br />ohne sinn<br />von Sinnen</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Naomi Shamban </strong> aus Quickborn<br />Elsensee-Gymnasium Quickborn, Jahrgangsstufe 12<br /><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Andreas Thamm </strong> aus Bamberg<br />Dientzenhofer Gymnasium, Jahrgangsstufe 12<br />»lyrix«-Monat: April<br />Leitmotiv: Ist es Liebe?<br /><br /><strong>Mein Lied</strong><br /><br /><em>Ich lege meinen Kopf<br />In ihren Schoß.<br />Vergesse mich,<br />falle ins Nichts,<br />gestoßen vom Brummen der Lampe.<br /><br />In der Luft,<br />zittern ihre Worte nach.<br />Ich wiege mich<br />In Erinnerung.<br />Das Bild vor meinen Augen<br />vergilbt,<br />der Putz in ihrem Gesicht<br />bröckelt<br /><br />Eine Zigarette für den Nichtraucher.<br />Die Raucherin sieht zu.<br />Kalter Qualm<br />Trägt Moral und Sehnsucht<br />An die Decke.<br />Leidenschaftlich huste ich mir<br />Die Leidenschaft aus der Lunge-<br />Oder war es Teer?<br /><br />Im Radio spielen sie unser Lied.<br />Wie kitschig das doch ist.<br />Aber es weiß ja sonst niemand.<br />Unnötig es zu erwähnen,<br />vielleicht hört sie gar nicht zu,<br />vielleicht ist es ja auch nur<br />mein Lied<br /><br />Meine Lippen an ihren.<br />Keine Regung mehr<br />In ihrem Gesicht<br />Oder in meinem Herzen<br />Sie sieht mich nicht mehr an<br />Ihre Lippen sind bleich<br />Ihr Schoß schon <br />Kalt.</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>André Thyroff </strong> aus Heinersreuth<br />Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth, Jahrgangsstufe 11<br />»lyrix«-Monat: Juli<br />Leitmotiv: Magische Ferienzeit<br /><br /><strong>Fernweh</strong><br /><br /><em>Der Hafen liegt verlassen da<br />Boote, notdürftig vertäut, neigen ihr Deck In stummer Verbeugung Gen Grund, senken entblößt die Masten Nussschalen gleich, achtlos fallen Gelassen.<br /><br />Die Ebbe zwang die Boote in die<br />Knie, griff gierig nach ihren<br />Körpern, lockte<br />Sie auf See.<br /><br />Ermattete schließlich doch<br />Stumm liegen sie jetzt<br />In bewundernder<br />Geste.<br /><br />Ruhelos ergriffen sitze<br />Ich am Kai, wäre<br />Gern mit geschwommen doch<br />Auch ich bin notdürftig vertäut.<br />In den Pfützen am Grund<br />Tummeln sich Krebse.</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Lou Zucker</strong> aus Hamburg<br />Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium, Jahrgangsstufe 12<br />»lyrix«-Monat: Oktober<br />Leitmotiv: Mein Land!?<br /><br /><strong>Salzwind und Andennebel</strong><br /><br /><em>Ich bin das unaufhaltsame, nasskalte Grau,<br />das unter die Kleider dringt und in die Gemüter,<br />die sich nicht zur Wehr zu setzen wissen.<br /><br />Ich bin der Dönergeruch in den U-Bahn-Schächten<br />und das Abendgold in den Hafenkränen <br />wo mich nach langer Reise<br />der Salzwind hin zurück trug.<br /><br />Mit Eukalyptusduft<br />und Andennebel im Herzen<br />sah ich mich zum ersten Mal im Spiegel.<br />Mit Sommersprossen<br />und ungekämmten Haaren<br />und lächelte mir zu</em><br /><br /><br /><hr size="1"><br /><strong>Die »lyrix«-Jury 2008:</strong><br />In der Jury saßen neben den beiden Lyrikern Norbert Hummelt und Dirk von Petersdorff auch der Hauptabteilungsleiter Kultur des Deutschlandfunks, Dr. Matthias Sträßner, der Literaturkritiker Michael Braun, der Verleger Manfred Metzner (Das Wunderhorn) sowie Malte Blümke für den Deutschen Philologenverband.</p>

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