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StartseiteBüchermarktDie Jugend eines Träumers18.05.2003

Die Jugend eines Träumers

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hanno Loewy

Béla Balázs charakterisierte sich selbst als einen "ungarischen Dichter, deutschen Schriftsteller und europäischen Juden." Bekannt jedoch ist er als einer der frühesten Filmkritiker und - theoretiker, der mit seinen bahnbrechenden Werken "Der sichtbare Mensch" und "Der Geist des Films" Weltruhm erlangte. Seit nunmehr zwei Jahren kann der interessierte Leser Béla Balázs literarisches Werk neu entdecken. Und es sind wirkliche Entdeckungen, die der <em>Arsenal</em> Verlag in Berlin mit den ersten beiden der auf fünf Bände angelegten Werkausgabe, vorlegt. Der Herausgeber Hanno Loewy trägt in seinen aufschlussreichen Nachwörtern wesentlich dazu bei, dass wir Béla Balázs als einen der Großen der europäischen Literatur neben Joseph Roth, Robert Musil und Sándor Márai wahrnehmen.

Arnold Thünker

Der autobiographische Roman Die Jugend eines Träumers ist der erste Band einer Werkausgabe. Béla Balázs schrieb den Roman 1940 im Moskauer Exil auf Deutsch. 1947 wurde er erstmals in Wien verlegt. Der Autor legt Wert darauf, dass es sich nicht um ein Memoirenband oder gar Tagebuch handelt, sondern um einen autobiographischen Roman; einen Roman – aber keine Fiktion. Die Jugend eines Träumers entführt den Leser in die Zeit der k. und k. Monarchie. Im ersten Teil berichtet Balázs von der Geburt bis zum Jahr der Reifeprüfung. Bei dem Erzählten handelt es sich nicht alleine um Tatsachen, sondern um Gefühle, Träume und schicksalhafte Zusammenhänge, die zwischen den täglichen Ereignissen stehen. Die Stimmung ist die des Abstandes, keine pure Bestandsaufnahme der Kindheit und Jugend.

Man lebt vor sich hin und merkt plötzlich, dass das Ganze eine deutliches und sinnvolles Gebilde werden will, wie eine Melodie. Dann hält man inne und sieht sich nach dem Anfang um. Und längst Vergessenes steigt aus dem Nebel, heraufgeholt durch das Gesetz der Melodie, die, als ein Ganzes gegenwärtig, sich im letzten Ton auf den ersten bezieht. Längst Verklungenes wird wach kraft der folgerichtigen Zugehörigkeit zu den organisch sinnvollen Gebilde: dem Lied des Lebens.

Dieses Lied erklingt wie eine Fabel, ein Märchen und liefert doch wunderbare realistische Vignetten einer untergegangenen Zeit. In der jüdischen Familie Bauer – Béla Balázs ist das Pseudonym für: Herbert Bauer - spricht man weitgehend Deutsch. Die Mutter, Lehrerin wie der Vater, stammt aus Ostpreußen. Der Vater lehrt am örtlich Gymnasium Literatur und Philosophie. Er ist korrespondierendes Mitglied der Akademie in Budapest und sehnt sich nach einer akademischen Karriere. Seine aufrechte Haltung und humanistischen Ideale werden ihm zu Verhängnis. Weil er mit der schlechten Beurteilung einer seiner Schüler durch die Schulkommission nicht einverstanden ist, wird er strafversetzt. Sein Kommentar: "Dann muss ich meine Menschenwürde wahren." Die Familie verlässt die südungarische Stadt Szeged, am Rande der Puszta, wo Béla Balázs im August 1884 geboren wurde. Mit dem Umzug in das kleine Provinzstädtchen Lötsche, heute Levoca in der Slowakei, rückt die akademische Karriere des Vaters in unerreichbare Ferne.

Im Ort leben Ungarn, Sachsen und Slowaken noch friedlich nebeneinander. Katholiken, Protestanten und Juden. Dem heranwachsenden Kind begegnet die Welt im Kaleidoskop der ungarisch, österreichischen Doppelmonarchie. Auch wenn die wachsenden sozialen und politischen Konflikte des Vielvölkerstaats längst ihre Schatten auf das Provinznest werfen, erlebt der Junge eine ruhige, geborgene und kleinbürgerliche Kindheit. Béla Balázs betont jedoch, immer mit dem Gefühl, dass jeden Tag etwas Besonderes geschehen kann.

Dieses Besondere sind die Kämpfe, die das behütete Kind kämpft. Genährt mit den unheimlichen Geschichten des slowenischen Dorfmädchens Marinka, das den Haushalt der Familie besorgt, lebt der Junge in der festen Überzeugung, dass ein großer Feind ihn bedrohe. Mit magischen Ritualen versucht er der Gefahr, die seiner Überzeugung nach von weither kommt, Herr zu werden. Ohne Wehmut, beherrscht und liebevoll erzählt der Schriftsteller Balázs von diesen Irrungen und Wirrungen seiner Kindheit. Von Freundschaft, Schule und Katastrophen. Er will weder urteilen, noch die Rätsel seiner Herkunft lösen. Dies gelingt ihm, indem er die Sprache zum Träumen bringt.

Es lohnt sich nicht, alles zu erzählen, woran man sich aus seiner Kindheit erinnert. Es gibt nichts Banaleres als nette Kinderanekdoten, die naturgemäß bei allen Kindern unseres Kulturkreis gleich sind. Darum will ich versuchen, nur jene Erlebnisse darzustellen, die wohl weniger entzücken, dafür aber nicht spurlos verschwanden. Sie gaben meinem ersten Weltbild die Grundfarben, sie woben mein erstes Lebensgefühl aus Traum und Angst, aus Geheimnisvollem und Erotischem. Diese Jahre der Frühdämmerung haben in meiner Erinnerung nicht das kausale Nebeneinander einer Geschichte. Ich sehe sie als Zustand. In einem farbig wogenden, von seltsamen Lichtern durchflackerten Nebel ist dort noch alles beisammen.

Mit diesem Credo verbindet Balázs Sprache und Orte. Erzeugt die Stimmung, die seinen Erinnerungen eigen ist, klare Aussagen in einem sanften Ton. Keine abrechnende Moral, sondern das Staunen über die eigene Entwicklung aus der späten Sicht eines gelebten Lebens.

Wenn ich zurückblicke, so sehe ich in diesen ersten Jahren meines Erwachens keinen konkreten, ständigen Schauplatz der Begebenheiten und Dinge. Nicht als ob ich mich an die Stuben, Höfe, Gassen aus dieser Zeit nicht erinnerte. Aber ich erinnere mich an sie nicht anders als an Orte, die ich in Träumen und Phantasien gesehen habe. Es ist, als hätten Traum und Wirklichkeit aufeinander abgefärbt, weil sie zu nahe beisammen gelegen waren. Innere und äußere Bilder scheinen aus derselben Substanz zu sein.

Gewiss konnte ich Märchenphantasien und selbst Gesehenes auseinanderhalten, aber einen Gültigkeitsunterschied gab es nicht für mich. Halluzinationen stellten sich wie Dinge unter die Dinge, und Wirkliches schaute ich mit dem Schauer des Traums. Es wäre schwer gewesen, eine genaue Grenze zwischen innen und außen zu ziehen.

Der zweite Teil der Erinnerungen führt den Leser, nach dem Tod des Vaters, zurück nach Szeged. Selbst ein so schwerwiegendes Ereignis, wie der Tod des geliebten und verehrten Vaters wird in einem gleichmäßigen, ruhigen Ton berichtet, als sei die Sprache ein Teil der Landschaft, in der der nun dreizehnjährige Herbert die Liebe zu seiner Heimat Ungarn entdeckt. Der Vater hatte auf dem Sterbebett die Mutter gebeten:

Du sollst mit den Kindern ein neues Leben beginnen und nicht ewig im Schatten des Gewesenen geistern (...) Herbert soll in einer echten ungarischen Stadt aufwachsen, wo er seine Muttersprache wirklich lernen und Wurzeln in der ungarischen Erde fassen kann.

Herbert ist überzeugt, dass sein Vater nicht tot ist. Als guter Erzieher hat er lediglich den Platz geräumt, damit sein Sohn sich frei entwickeln kann. Herbert träumt davon sein Ungarn zu entdecken. Das Leben in der Heimatstadt seines Vaters enttäuscht den pubertierenden Jungen. Es zieht ihn in die Puszta, in die Weiten der ungarischen Tiefebene, der Landschaft des ungarischen Nationaldichters Sándor Petöfi. Doch die Freundschaft zu dem eigenwilligen und häßlichen Laci, dem Sohn eines Salamifabirkanten, halten ihn vorerst zurück. Laci nimmt ihn unter seine Fittiche und isoliert ihn von den Mitschülern. Ein gewaltiger Druck, dem sich Herbert nur langsam entziehen kann. Seine Angebetete in dieser Zeit ist Agathe. Um sie zu gewinnen hat er ihr vorgelogen, dass er Gedichte schreibt. Agathe fordert sie. Letztendlich muß ein selbst geschriebenes Gedichte abliefern, will er Agathe nicht enttäuschen. So unbeholfen nimmt das Dichterleben seinen Anfang.

Als er endlich zu seinen Wanderungen aufs Land aufbricht und in Gasthäusern und Spelunken nach dem wahren Ungarn sucht, enttäuscht ihn die Realität. Vielerorts wird seine Suche nach dem unverfälschten Volkston von Bauern und Tagelöhnern nur belächelt. Herbert aber will nicht ablassen von seiner Idee der reinen ungarischen Folklore. Er will, dass die Landschaft zu ihm spricht. Seine Hartnäckigkeit zahlt sich aus, erste Gedichte erscheinen im "Szegeder Boten". Doch ein deutscher Name paßt nicht zum ungarischen Dichter:

Ich war einverstanden, konnte aber keinen Namen vorschlagen. `Béla Balázs` sagte gähnend der junge Mann auf der Bank. `Gut. Ist doch dazu eine Alliteration und steht ziemlich weit vorne im Alphabet. Hat auch seine Vorteile.´

Die Stimmung dieser Kindheits – und Jugenderinnerungen wird in einer bildhaften Sprache voller symbolischer Szenen mit einer Ruhe und Kraft vorgetragen, die beim Leser Gerüche und Phantasie freisetzt. Vielleicht liegt es daran, dass Balázs sich äußerste Mühe beim Schreiben seiner Erinnerungen gab, wie einer, der in der deutschen Sprache nicht ganz zu Haus ist und sich deshalb bei der Wahl der Worte besonders bemüht.

Im zweiten Band der Werkausgabe Ein Baedeker der Seele Und andere Feuilletons begegnen wir dem räsonierenden Kosmopoliten Béla Balázs. Eine Auswahl der zwischen 1920 und 1926 für die Tageszeitung "Der Tag" geschriebene Feuilletons bilden den ersten Teil. Der erstmals 1925 im Zsolnay Verlag Wien erschienene "Phantasie – Reiseführer" den zweiten. 1920 flüchtete Balázs, der als gläubiger Kommunist ein Anhänger der Räterepublik war, vor dem weißen Terror des Horthy – Regimes von Budapest nach Wien. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt als freier Journalist. Die Niederschlagung der Räterepublik war ein schwerer Schlag für den Kommunisten Balázs, für den die rote Ideologie eine metaphysische Mission war.

Es ist wahr, dass ich mich niemals wieder an Politik beteiligen will, wie ich es auch bisher nicht tat, weil es nicht meine Sache ist. Für mich ist der Kommunismus Glaube und nicht Politik.

Dieser Glaube soll nach Ansicht Balázs das profane Leben und die Kunst miteinander verbinden. In den kurzen pointierten Beiträgen fürs Feuilleton, die wie kleine Spots Momente des Alltags und Neuheiten im Leben der Menschen beleuchten, beweist dieser ungarische Dichter seine Weitsicht, die ihn später als Filmkritiker auszeichnen wird. Er stellt Fragen wie: "Brauchen Engel Flügel?" und fabuliert über "Kurbelendes Bewußtsein". "Die Geheimnisse des Weihnachtsbaum" oder "Juden unterwegs" sind unter anderen seine Themen. Die Vielfalt der Genre in denen er bisher gearbeitet hatte, Gedichte und Märchen, Novellen, Mysterien und Opernlibretti, Schattenspiele und Tanzdramen fließen ein in die Feuilletons, die im "Der Tag" neben denen des führenden Wiener Theaterkritikers Alfred Polgar erscheinen. Es finden sich deutliche Hinweise auf den künftigen Filmtheoretiker.

Kurbelndes Bewußtsein

Der posthume Film des Südpolarforschers Kapitän Scott, der sein eigenes Sterben kurbelte, gleichsam als hätte er noch seinen Todesschrei in einen Photographen hineingeschrieen, ist schon der zweite Film dieser Art. Im vorigen Jahr war der Film von Shackletons Südpolfahrt zu sehen, der die Kämpfe des Menschen, der in seinem Eroberungsfeldzug seine Lebensgrenzen überschritten hat, noch viel dramatischer zeigte, obwohl Shackleton mit dem Leben davonkam.

Das besonders Bemerkenswerte bei diesen Filmen sind nicht die Bilder des Nahkampfes, des Handgemenges mit der tödlichen Natur, nicht die Darstellung der Kühnheit, Entschlossenheit und der heroischen Solidarität. Denn das alles könnte ja erdichtet und von einem guten Regisseur noch viel wirksamer inszeniert sein. Auch die Wirklichkeit dieser Begebenheiten ist es nicht. Denn wir kennen viele Berichte von Männern, die schon vor diesen englischen Seeleuten und Geographen dem Todes fest und ruhig ins Auge sehen konnten. Das Besondere und Neue in diesem Falle ist, dass diese Männer dem Tode durch das Objektiv des Kurbelkastens ins Auge schauten.

Das ist die neue, objektivierte Form des menschlichen Bewusstseins. So lange diese Männer das Bewusstsein nicht verlieren, so lange lässt ihre Hand vom Griff des Kurbelkastens nicht locker. Shackletons Schiff wird von den Eismassen zertrümmert. Es wird gekurbelt. Ihr letzter Hund krepiert. Es wird gekurbelt.

Der Weg zurück ins Leben ist verrammt, keine Hoffnung mehr. Es wird gekurbelt. (...)

Dabei hat die Maschine noch den Vorteil, dass sie keine Nerven hat und schwerer zu verwirren ist als das Bewußtsein. Und der psychologische Prozeß kehrt sich um. Man kurbelt nicht so lange, als man bei Bewußtsein ist, sondern man ist so lange bei Bewußtsein, so lange man kurbelt. Die Geistesgegenwart wird von außen gleichsam mechanisch gestützt. Die Gegenwart des Geistes, das ist hier die Gegenwart des Kurbelkastens. Und in der Gegenwart des Geistes benimmt man sich wir in der Gegenwart irgendeines Fremden, beherrschter, als wenn man allein ist.

Balázs ist fasziniert von den damaligen neuen Medien und gleichzeitig warnt er davor, die "Wahrheiten" des Kinos und des Radios kritiklos hinzunehmen. Eine Meinung, die in Zeiten virtueller Kriege nichts an Aktualität verloren hat.

In den Beiträgen zum Phantasie - Reiseführer mit dem herzerfrischenden Titel Ein Baedeker der Seele streift Béla Balázs mit dem Leser durch ein weiteres Gebiet, das ähnlich wie der Film, unser Leben heute wesentlich prägt – das Reisen. Mit Ironie zeichnet er die Feinheiten auf, die Spaziergänger von einem Wanderer unterscheiden. Der Spaziergänger "macht nur Körperbewegung der besseren Verdauung wegen". Der Wanderer jedoch ist ein anderer, heimatlos schweift er umher in der Welt.

Der Wanderer ist einer, der nie fertig ist. Er wird selbst anders und verläßt seine Umgebung, um nicht innerlich im Geheimen treulos zu werden. Damit sein Verhältnis zu den Dingen bleibe, muß er gehen. Ihr könnt ihn entwickeln in eure wärmste, weichste Liebe. Er wird sich entwickeln.

Kein Sein hat der Wanderer, nur ein Werden, seine Seele ist wie das freie Rad, das wankt und fällt, wenn es nicht rollt. Vielleicht sind solche Wanderseelen die Räder, auf denen die Welt, die auch schon lange nicht fertig ist, weiterkommt.

Spöttisch bemerkt er, dass der Tourist nur einen Ausflug macht, damit er nach Hause zurückkehren kann. Urlaub ist für Balázs unerbitterlich. Man wird auf sich selbst zurückgeworfen, die Arbeit, die man verlässt, um endlich auszuspannen, wandelt sich in eine innere Arbeit. Nur wer es versteht, dem JETZT zu frönen, der macht Urlaub, der ist wirklich von allem und jedem abgeschnitten. "Das schmeckt freilich nach Langeweile. Aber im Schatten, dieser Langeweile schläft irgendwo unsere Seele." Und um die geht es ja vorrangig in einem Urlaub.

Auch einer Einrichtung wie der Schwimmschule widmet sich der Autor, der freilich weit mehr darin sieht als eine Anstalt, wo man nur das Schwimmen erlernt. Für ihn ist es "ein Traum vom Urzustand". Dem will er sogar ein ganzes Buch widmen. Seine Skizzen verraten schon, welch wunderbares Beispiel er gewählt hat. Das erste Kapitel soll den Titel "Nirwana" tragen. Nackt auf Brettern in der Sonne liegen, ausruhen von der Hast des Lebens. Im zweiten Kapitel gäbe es eine Abhandlung über die "Charakterologie der Nacktheit", in der er empfiehlt, man solle nur Bekanntschaften in einer Schwimmschule schließen, weil wir dort, von Kleidern frei, den ganzen Körper sprechen sehen. Neben allerlei weiteren Betrachtungen gibt es noch hundert Dinge, die im Buch der Schwimmschule niedergeschrieben werden müssen.

Der Duft des Frauenhaares, das an der Sonne trocknet, und der Bademantel, der als Monna Vanna –Gewand mehr Nackheit fühlen läßt als ein durchsichtiges Trikot. Und warum schmeckt die Zigarette im Bade so ganz anders? Warum ist das Knackwurst – und Salzstangerlessen ein uralter Schwimmschulritus, in dem eine besondere Schwimmschulwollust liegt? Das Salzstangerl hat etwas naß zu werden. Warum tanzen die Leute auf einem Bein, wenn ihnen Wasser in die Ohren gelaufen ist? Warum macht man die Kabinen immer auf, bevor man noch ganz angekleidet ist? Und warum ist es eine so unerhörte Niedertracht und Charakterlosigkeit, einen anzuspritzen, der noch ganz trocken ist?

Und überhaupt. Man kann nicht umhin: Darüber muss ein Buch geschrieben werden.

Dieser eigenartige und amüsante Baedeker birgt noch einige Überraschungen, die die ganze Vitalität des Autors zeigen. Ob er über den Sturm berichtet, der uns Menschen ins Haus schickt, damit sich die Natur ungestört fühlt. Oder Wolken, die wie ein "Schleichpatrouille" nähern. Oder der Herbst, der nicht traurig ist, wenn das Leben stirbt. Die letzte Prosaskizze "Zu Fuß" beginnt mit der Aufforderung weiterzugehen. Dieser Aufforderung folgt der Arsenal Verlag, der bald Band Drei der literarischen Werkausgabe vorlegt, damit die Leser weiterhin dem ungarischen Schriftsteller Béla Balázs auf seinen literarischen Wanderungen folgen können. Und über den Robert Musil schreibt: "Die Fähigkeit aber, das Erlebnis nicht nur scharf, sondern auch zärtlich zu beobachten, die geistreiche Darstellung, welche als gut leitende Atmosphäre sofort jeden Eindruck in Beziehung zu vielen anderen setzt, vor allem aber die klare, tiefe, geordnete Schichtung dieser Atmosphäre sind persönliche Eigenschaften des Dichters Balázs."

Béla Balázs, der bis an sein Lebensende die kunstvoll ausgewogene Balance zwischen Intellekt und Gefühl lebte, starb im Mai 1949 in Budapest.

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