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Seit 08:47 Uhr Sport
StartseiteWissenschaft im BrennpunktDie Kinder von Napster25.05.2006

Die Kinder von Napster

Über Tauschbörsen, Raubkopien und freie Netze

Man könnte behaupten, dass die Weitergabe von Dateien zu den ursprünglichsten Aufgaben des Internets gehört. Warum sonst sollte man Rechner miteinander vernetzen, wenn man nicht Programme, Texte oder andere Daten von einem auf den anderen Computer bewegen möchte. Was der amerikanische Student Shawn Fanning im Jahr 2000 erfand, glich dennoch einer Revolution: Mit Napster wurde das Tauschen von Dateien so einfach wie E-Mails schreiben und damit gefährlich.

Von Maximilian Schönherr

Freier Zugang zu Musik für jedermann. (Stock.XCHNG / Travis Simon)
Freier Zugang zu Musik für jedermann. (Stock.XCHNG / Travis Simon)

Wir sind jetzt bei einem Tauschbörsenprogramm namens Emule. Es gibt noch viele andere, Bearshare z.B. Emule ist gut für unbekanntere Sachen, auch Filme. Bearshare ist gut für lokale Bands. Aber ich habe hier keinen Überblick.

In dem Server, wo ich eingeloggt bin, sind 2,7 Millionen Leute eingeloggt. Die stehen in irgendwelchen Kellern, auf die kann ich zurückgreifen. Auf den kleinen sind dann vielleicht 200.000 Dateien.


Die Idee ist so alt wie das Internet selbst. Aber erst im Jahr 2000 fiel sie auf. Der amerikanische Student Shawn Fanning, dem man wegen seiner vielen Nickerchen den Spitznamen "Napster" verpasst hatte, erfand ein System, über das sich sehr bequem Musikstücke tauschen ließen, weltweit, anonym. Wer Songs hatte, kopierte sie z.B. von CD oder Schallplatte in einen Ordner auf seiner Computerfestplatte zu Hause, ging ins Internet und meldete diesen Ordner bei Napster an. Damit gab er seine Stücke für alle, die danach suchten, frei.

Kopieren tut im Zeitalter der Digitalisierung keinem weh. Die Kopie ist stets so gut wie das Original. Innerhalb weniger Monate listete Napster hunderttausende von Musikstücken auf, die zwischen hunderttausenden PCs in aller Welt hin und her kopiert wurden. Die geniale Idee von Napster sprach sich in Windeseile herum. Plötzlich spielten in den Büros die Praktikanten den Sekretärinnen ihren Hip Hop und die Mütter ihren Kindern ihre Janis Joplin vor. Die mit Napster verbundenen Festplatten füllten sich mit Musik, von Brahms bis Coltrane, von den Sex Pistols bis Abba. Kostenlos! Tausch eben, geldloser Warenverkehr.

Die Musikindustrie verschlief Napster. Dann wachte sie endlich auf, rieb sich die Augen und dachte sie, das gibt’s doch gar nicht! Im Stillen fragte sie sich: Das ist aber ein eleganter Musikvertrieb, warum sind wir da nicht selber drauf gekommen? Sie war sich sicher, die Leute werden weiterhin CDs kaufen, denn die Musik bei Napster ist komprimiert, also minderwertig; außerdem steckt sie nicht in einer schönen Hülle für 20 oder 30 Euro.

Dann aber brachen – aus vielen Gründen – die CD-Verkäufe weltweit ein; die Musikindustrie dachte, ihr wird der Boden unter den Füßen weggezogen. Sie bestellte über ihre mächtige Interessensvertretung in den USA die teuersten Anwälte und richtete innerhalb weniger Monate den kleinen Studenten Shawn "Napster" Fanning gerichtlich hin. Er ist heute für keinen mehr erreichbar. Angeblich programmiert er eine Software gegen Tauschbörsen. Die Marke "Napster" wechselte einen Besitzer nach dem anderen. Die aktuellen Besitzer nutzen das alte Logo mit der Katze und dem Kopfhörer auf dem Kopf, um T-Shirts und Musik zu verkaufen, den Song für einen Euro, im Abo billiger.

Aber eine so gute Idee stirbt natürlich nicht. Nach dem Ende von Napster schossen andere Tauschbörsen aus dem Boden, nämlich:

Die Kinder von Napster

und zwei anonymen Helfern, die während der folgenden halben Stunde mit uns eine kleine Wanderung durch die Tauschbörsen unternehmen.

Ich mache da Unterschiede. Von einer unbekannteren Band wie Blumfeld würde ich mir die CD kaufen. Selbst wenn ich mal ein Lied von Blumfeld herunterlade, kaufe ich mir trotzdem die CD, weil ich die Band unterstützen möchte, weil ich weiß, dass es für kleine Bands in Deutschland schwer ist, zu überleben. Aber von Madonna oder Robbie Williams finde ich es nicht nötig, dass auch ich mir noch eine CD kaufe. Die haben Geld genug.

"Also nach dem Urheberrechtsgesetz ist es so, dass von so genannten audiovisuellen Werken – und da fallen grundsätzlich Musik, Audio, und, visuell, Film darunter – für den so genannten privaten Gebrauch Kopien hergestellt werden dürfen, durch den Verbraucher. Das heißt, jemand, der ein Werk, also ein Musikstück oder einen Film erworben hat, auf einer CD oder DVD zum Beispiel, darf sich für den privaten Gebrauch eine Kopie von diesem Werk machen. Typischer Anwendungsfall, historisch gesehen, war die Schallplatte, da kommt die Regelung eigentlich her. Jemand kauft sich eine Schallplatte, hat im Auto einen Cassettenrecorder und überspielt diese Schallplatte auf eine Audiocassette, damit die auch im Auto hören kann. Er darf von diesen Kopien auch etwas an seine Freunde und Bekannten weitergeben. Wichtig dabei ist aber, dass er dieses keinesfalls, wie es das Gesetz sagt, entgeltlich machen darf. Das heißt, das Verkaufen von Kopien ist nicht zulässig. Das Verschenken ist zulässig."

Ronald Schäfer, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen GVU in Hamburg.

Soweit die Rechtslage aus der Zeit von Schallplatte und Cassette.

Wenn die Musikindustrie einmal an sich arbeiten würde und sich überlegen würde, ob ihr System so noch funktioniert und die CDs billiger würden, dann glaube ich, würden viel mehr CDs gekauft. Denn so eine Original-CD ist immer schöner als eine gebrannte.

"In Netzwerken, wo eine Vielzahl von Usern sich daran beteiligen, muss man davon ausgehen, dass diese enge Beziehung nicht gegeben ist und damit die Vorschrift aus dem Urheberrechtsgesetz, die die private Kopie regelt, grundsätzlich nicht anwendbar ist. Daraus folgt, dass im Internet sowohl der Upload, also das Zur-Verfügung-Stellen von Werken, also auch der Download, das Runterladen gegen das Urheberrecht verstößt, also rechtswidrig ist."

… mit dem Effekt, dass sich eine Reihe von Anwälten in den USA, Europa und auch Deutschland daran gemacht haben, Menschen anzuschreiben, die, wie die beiden bei unserer kleinen Downloadparty, Musik und Filme tauschen. Anzuschreiben heißt: abzumahnen, mit astronomisch klingenden Summen. Denn so anonym Tauschbörsen scheinen – jeder im Internet, also auch die Teilnehmer an Tauschbörsen, surfen mit einer Kennung. Diese Nummer kennt die Firma, die den Internetzugang bereitstellt, also etwa Arcor, 1&1 oder die Telekom. Und wenn ein Staatsanwalt danach fragt, muss diese Nummer herausgerückt werden. Für die Abmahnanwälte ist das ein lukratives Geschäft. Allerdings war die letzte Abmahnwelle in Deutschland so massiv, dass die Gerichte abwinkten und eine Bagatellklausel wünschten: Wer nur ein paar Songs in seinem Tauschordner hat, soll demnach keine Probleme bekommen.

Die Musikindustrie selbst ist vorsichtiger geworden, denn sie will die kleinen Kunden nicht mit martialischen Maßnahmen vom ordentlichen Kauf ihrer Musik abschrecken. Die Filmindustrie hat sich mit Filmspots in die Nesseln gesetzt, die jeden Kinobesucher als potentiellen Verbrecher abstempeln, dem 5 Jahre Knast drohen, wenn er den Film mit seinem Camcorder abfilmt, auf DVD brennt und verkauft oder tauscht.

Der Song von Madonna ist schon runtergeladen; das Album braucht noch ein bisschen. [Musik Madonna]. Da werden jetzt 192 Kilobit angezeigt, was für ein mp3 ziemlich viel ist. Allerdings hört sich der Song nicht gut an. Man hört Artefakte von der Kompression. Ich weiß nicht, wo die herkommen. Hier würde man sagen: Ja, ist schön, auf dem Computer abzuspielen, aber es hat nicht die Qualität der gekauften CD.

"Also ich kenne Leute, die behaupten, sie hätten immer wieder den Effekt gehabt, dass sie über Musik gestolpert sind, die sie nie angehört hätten, wenn sie nicht erst mal effizient und kostenlos übers Internet runtergeladen werden konnte. Auf der anderen Seite hab ich Bekannte, denen ich irgendwie eine CD empfehle, und die Reaktion darauf ist: Ja, prima, die lad ich mir gleich mal runter! Da gibt es schon überhaupt nicht mehr die Denke, dass es die ja vielleicht auch noch im Laden zu kaufen gäbe. Größtes Beispiel ist ja dieses unheimliche, ehemals unheimlich erfolgreiche mp3.com. Da gab es ja Downloads wie verrückt. Aber richtige Stars sind da trotzdem nicht daraus entstanden. Die Leute haben es also gut gefunden, wenn’s kostenlos war. Aber dann den Schritt zu gehen, wirklich die CDs in größeren Mengen zu kaufen – da scheint man ja doch lieber seine normale Chart-Musik zu kaufen. Verblüffend, eigentlich."

Martin Steinebach vom Fraunhofer-Institut IPSI in Darmstadt. Martin Steinebach ist Experte für Tauschbörsen, Kopierschutz und digitale Wasserzeichen.

Das Musikportal mp3.com, von dem Martin Steinebach spricht, machte Ende der 90er Jahre damit Forure, Musik im mp3- (also datenreduzierten) Format zum kostenlosen Herunterladen anzubieten. Es war keine Tauschbörse! Es wimmelte von unbekannten Bands, die mp3.com als Werbeplattform verwendeten. Als mp3.com einen Bezahldienst für kommerzielle Songs einführte, ging die kleine Firma aus San Diego den Bach hinunter. Heute ist sie eine der vielen amerikanischen Musik-Herunterlad-Portale.

Seinen Namen hat mp3.com von einem in Erlangen entwickelten Verfahren, mit dem man digitalisierte Töne, etwa die von CD, so komprimieren kann, dass es erstens nicht auffällt und zweitens dass die Daten leicht übers Internet übertragbar werden. Ein Song, der auf einer Audio-CD 40 Megabyte groß ist, schrumpft durch die Kompression typischer Weise auf ein Zehntel zusammen und ist dann nur noch 4 Megabyte groß. mp3 ist ein Kürzel von MPEG 1 Layer 3, wobei MPEG die internationale Standardisierungsbehörde für Bild und Ton ist.

mp3.com ist ein goldener Name für eine Internetseite, ähnlich wie mp3.de, der mehrere Besitzer hatte und jetzt einer Videoschnittfirma in Köln gehört. mp3.de ist, wie mp3.com, eine Seite, wo man Musik online kaufen kann, hat aber nichts mit mp3.com zu tun. Robert Mendez, der das Musikportal leitet, legt Wert drauf, dass mp3.de etwas ganz Besonderes sei, denn es biete neben dem Bezahlbereich auch zig Tausende kostenloser Songs, deren Autoren man schätze und pflege.

"In dem Moment, wo ich mir aus einer Tauschbörse etwas kostenlos herunterlade, betrüge ich den Künstler. In diesem Moment hat der Künstler von seiner Arbeit gar nichts, während ich mich über die Musik freue: tolles Lied, super Stimme. Ich habe mir viele CDs gekauft, einfach, weil ich die Bands und Künstler belohnen möchte."

Eigentlich geht das Argument aber so, dass du die Plattenfirma belohnst und die Künstler ausgebeutet werden!?

"Klar, in der Vergangenheit war das für den Künstler eine Gratwanderung, bei einer Plattenfirma nicht abzustürzen. Aber da hat sich der Markt etwas bereinigt. Die Verhältnisse verschieben sich, der ganze Markt verändert sich."

Robert Mendez, Leiter der Musikplattform mp3.de.

"Ist z.B. Madonna/So Sorry bei Euch? – Wüsste ich jetzt nicht. Natürlich wollen wir Madonna haben. Man sieht also in der linken Spalte die Alben aufgelistet, die zur Verfügung stehen, und darunter die Singles. Dann kann man entsprechend durchgehen."

Bei den Musikbezahldiensten verdient im Moment nur einer, und zwar hervorragend, nämlich ihr Pionier: Apple. Der Computerhersteller schaffte es, im April 2003 die Musikkataloge der größten Plattenfirmen übers Internet anzubieten, für einen Dollar pro Song, ganz legal. Der Preis war auch für viele Teilnehmer von Tauschbörsen attraktiv: Man hatte das Stück sofort und blieb schön legal.

Diese Strategie ist ein Musterbeispiel für gutes Marketing. Wer in Apples iTunes Musicstore einen Song einkauft, benötigt iTunes, ein Computerprogramm von Apple. Um die Musik unterwegs mitzunehmen, entwickelte Apple den iPod. Der war zwar deutlich teuerer als alle anderen mp3-Abspielgeräte auf dem Markt, verstand sich aber als einziger mit iTunes und sah zudem so gut aus, dass es bald zum Statussymbol gehörte, einen iPod und nicht irgend einen mp3-Player zu besitzen. Um den iPod mit Hunderten oder Tausenden von Songs zu füttern, konnten die Benutzer ihre CD-Sammlung überspielen oder eben im iTunes Music Store shoppen gehen.
So viel Musik wurde hier in den letzten Jahren verkauft, dass die Deutsche "Phonographische Industrie", wie sich nennt, dachte, sie träumt. Und schaffte sie es vor lauter Träumen nicht, rechtzeitig einen guten Deal mit den großen Plattenfirmen hierzulande abzuschließen, wie Apple in den USA das getan hatte. Und mit außergewöhnlichem Marketinggeschick ist sie auch nicht gesegnet. So krebsen die deutschen Download-Portale heute mehr oder weniger herum, ob sie nun Musicload oder mp3.de heißen.

"Es gibt noch ein spezielles Problem für die Musikshops im Internet, nämlich das Payment. In dem Moment, wo ich im Internet etwas bezahlen möchte, greift ein Unternehmen herein, das sagt: Da ist ein Inkasso dahinter, ein Risiko, ob der Kunde tatsächlich bezahlt, da ist ein Risiko dahinter, und das kostet Geld. Und das ist ganz schön teuer! Deshalb haben wir Preise für Einzeltracks um 1,99 Euro, aber wenn man eine gewisse Preisschwelle durchbricht, dann senkt sich der Preis auf 1,49 Euro. Sämtliche Musikshops haben mit diesen zu hohen Preisen sicherlich Probleme. Gerade bei Einzeltracks ist eigentlich kaum etwas einzufahren, wo man sagen könnte, es bleibt noch ein Cent im Portemonnaie."

Ich weiß nicht mehr genau, aber ich habe mal einen Film heruntergeladen, wo sich dann herausstellte, dass er zur Hälfte Deutsch war, dann aber Spanisch weiterging. Dass die Sprachspur wechselt, kann da schon mal passieren; ich konnte nichts mit dem Film anfangen. Ich habe den Film nicht in der Videothek ausgeliehen, weil’s ihn dort noch nicht gab. Und im Kino habe ich ihn mir nicht angesehen, weil ich ihn nicht interessant genug fand. Wenn es diese Runterladbörsen nicht gäbe, würde ich mir den Film dann eben gar nicht anschauen.

Hier sehen wir die ersten 19 Sekunden von Scary Movie. Das ist noch nicht so besonders viel, aber man sieht jetzt schon, dass es nach Scary Movie aussieht, was wir hier herunterladen.


In Tauschbörsen ist die Musik zwar ins mp3-Format komprimiert, eben damit sie schnell durchs Internet übertragen werden kann, aber frei. Zu frei für die Musikindustrie. Sie zwingt die Musik-Verkaufsläden im Internet dazu, jeden Song mit einem digitalen Schlüssel zu versehen. Der Schlüssel hat den Namen "Digitales Rechte-Management" oder DRM.

"Jeder Rechteinhaber, der ein DRM verlangt, setzt auch andere Grenzen. Das ist für den Kunden von Musikdateien ein kaum zu überblickendes Chaos. Wir haben gesagt: So doof es ist, wir nehmen den kleinsten gemeinsamen Nenner, allein um diese Sache einmal zu vereinfachen. Dadurch setzen wir natürlich auch die engsten Grenzen. Dem entsprechend ist es bei uns so, dass alle WMA-Dateien 5x kopiert werden können, unendlich oft gehört werden können und 5x gebrannt werden können."

"Gerade die Rechteinhaber, die größeren Labels, bestehen auf dem Einsatz von Digital Rights Management, gerade in Zeiten von Online-Downloads, einfach, weil es die Technologie ist, die es ermöglicht, Personen, die technischen Aufwand scheuen, davon abzuhalten, in irgend einer Weise mit der Musik irgendwas zu machen, was der Rechteinhaber nicht befürwortet. Ich sage bewusst, nur die Leute, die technische Maßnahmen scheuen. Denn es gibt genug Mechanismen, mit denen man das sehr effizient umgehen kann. Aber man muss das Wissen und die Bereitschaft und die Zeit haben, sich da einzuarbeiten.

Zum einen hat DRM natürlich immer den Nimbus des Misstrauens. Wenn ich jemandem nur etwas Verschlüsseltes gebe, wenn ich das ganze nur mit Restriktionen belege und sage: "Da ich davon ausgehe, dass du mit den Audiodaten irgendetwas anstellen wirst, dann habe ich hier schon mal paar Mechanismen drin, die dich dran hindern werden. Ich bin aber trotzdem großmütig und gebe dir die Möglichkeit, ein, zwei Sachen damit zu machen. Aber komm nicht auf die Idee, deine Grenzen zu überschreiten!" Das ist natürlich etwas, was im Umgang mit Kunden durchaus negative Folgen haben kann, weil viele sagen dann eben: Na, also, wenn mir mein Anbieter nicht vertraut, dann gehe ich entweder zu einem anderen Anbieter, der da kulanter ist, oder, wenn ich von vornherein weiß, dass ich mit den Audiodaten nicht das machen kann, was ich eigentlich will, dann hole ich sie mir halt kostenlos aus dem Netz, denn da finde ich sie normalerweise. Da kann man sich nicht der Illusion hingeben, dass DRM verhindern wird, dass die Daten irgendwann im Netz auftauchen."

Deswegen reist Martin Steinebach durch die Republik und wirbt für eine Alternative zur restriktiven Digitalen Rechtemangement-Verschlüsselung – nämlich für ein Wasserzeichen, was zwar immer da ist, aber keine technische Einschränkung darstellt.

"Umso mehr Freiheitsgrade, umso stärke Ungenauigkeiten in der Darstellung von einem Medium vorherrscht, umso einfacher lassen sich Wasserzeichen verstecken. Geschriebener Text hat wenig Freiheitsgrade; es ist sehr schwer, da Wasserzeichen einzubetten. Eine Audioaufzeichnung kann man sich so vorstellen, dass immer ein bisschen Hintergrundrauschen vorhanden ist, und in dem Rauschen kann man ziemlich viel verstecken."

In der TYP-Kategorie meiner Suchmaske stehen Programme, Audio, Dokumente, auch Bücher und Bilder, die lizenziert sind und die man woanders nicht so einfach bekommt.

"Man kann natürlich rechtlich gegen alle vorgehen, die diese Tauschbörsen nutzen. Ich kann ja durchaus erkennen, wer in der Tauschbörse etwas herunterlädt; bzw. ich kann zumindest erkennen, welche IP-Adresse im Augenblick Daten runterlädt. Da gibt es die Vorgehensweise, dass versucht wird, anhand der IP-Adresse über den Service Provider die realen Personen zu identifizieren und die dann eben zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist ein aufwändiger Prozess.

Wasserzeichen sind eigentlich der einzige Mechanismus, der es erlaubt, die Ursprünge von illegalen Kopien zu identifizieren, ohne dass ich mir Gedanken über die IP-Adressen und Netzwerke mache, indem ich nämlich, wenn ich einen Online-Shop betreibe, immer wenn ein Kunde Audiodateien herunterlädt, diese individuell markiere, und wenn die Audiodateien dann in einer Tauschbörse auftauchen, kann ich das Wasserzeichen wieder auslesen, und das Wasserzeichen sagt mir, welcher Kunde diese Audiodatei ursprünglich heruntergeladen hat. Dann kann ich an den Kunden herantreten und versuchen, in Erfahrung zu bringen, wie denn diese Audiodatei in diese Tauschbörse gelangen konnte."

Wasserzeichen lassen sich auch in die Tonspuren von digitalisierten Filmen einbringen. Es ist für den Filmverleih dann jederzeit nachvollziehbar, wer welchen Film gekauft hat.

Ich habe mal den letzten King Kong-Film heruntergeladen und hatte dann aber stattdessen Best of Gina Wild, also einen Porno heruntergeladen. Das hat mich ziemlich geärgert, weil es nicht zu erkennen war. Ich dachte, es ist der Film, die Datei hatte auch die richtige Größe.

Bei der Suche nach Henning Mankell, dem Krimiautor, bekommen wir in der Liste Hörbücher, also Audio angeboten, aber auch pdf-Dateien, wo das Buch gedruckt enthalten ist, auch in Deutsch. Das hier nennt sich z.B. "Ebook German – Mankell, Henning. Das Geheimnis des Feuers" oder "Der Mann am Strand"


Immer mehr Internet-Nutzer haben Surf-Pauschalen; sie zahlen ihren Internetzugang nicht pro Stunde oder pro übertragener Datenmenge, sondern eine Flatrate. Mit diesem Komfort spielt es keine finanzielle Rolle, statt einem Megabyte für einen Song 500 Megabyte für einen Film herunterzuladen. Es dauert nur länger.

Er hat jetzt von den 700 Megabyte, die der Film groß sein soll, 50 heruntergeladen.

Ronald Schäfer vertritt die Filmindustrie. Seine Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen GVU kam im letzten Jahr unter anderem deswegen in die Schlagzeilen, weil sie zum Auffliegen von Raubkopieringen beitrug, die ihr Geschäft teilweise auch im Internet abwickelten. Ziel der Ermittlungen waren unter anderem die Betreiber der Seite ftp-welt.de, wo man Filme, die oft hier zu Lande noch gar nicht im Kino erschienen waren, bezahlen und herunterladen konnte. Manche waren, wie das in der Szene heißt, bereits "gemuxxt", das heißt, sie besaßen deutsche Synchronspuren. Die GVU lieferte die Leute der Kripo ans Messer. Anfang dieses Jahres produzierte die Gesellschaft weniger heldenreiche Schlagzeilen:

an Informationen über Ersteller und Verbreiter von Raubkopien zu kommen, bezahlte die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) Informanten aus der Szene.

…schrieb die Computerfachzeitschrift c’t.

Am Dienstag, 24. Januar, hatten Ermittler des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg im Zuge einer großen Razzia gegen Raubkopierer auch die Hamburger Geschäftsräume der GVU durchsucht und Aktenmaterial beschlagnahmt.


Warum, so Ronald Schäfer, verstehe man auch nicht genau. Man sei als Zeuge, nicht als Beschuldigter durchsucht worden, erwidert die GVU auf Vorwürfe, ihren Job als Hilfssheriff übertrieben zu haben. Der Fall erweckte jedenfalls den Eindruck, dass hier zwischen Detektiven und dem eigentlichen Sumpf nicht mehr so scharf zu unterschieden war. Wie auch immer: Sicherlich kennt Roland Schäfer "die Szene":

"Es gibt innerhalb dieser Release Groups, also der Gruppen, die letztendlich die Produkte in diese Kanäle einschleusen, eine Old School und eine New School. Die Old School vertritt die Auffassung: Alles von der Szene für die Szene. Das heißt, für die ist jede Form von Gelderwerb, die damit verbunden ist, gegen den Ehrenkodex. Die Old School stammt wohl aus dem Anfang der 80er Jahre, die New School aus den 90er Jahren. Die New School sind dann diejenigen, die sagen: Wir beschränken das eben nicht auf unsere Freunde, auf unsere Szene, sondern wir sind durchaus auch bereit, A) das frei zugänglich zu machen und B) damit Geld zu verdienen. Durchschnittsalter dürfte so um die 25 liegen. Hier gibt es innerhalb der Szene einen Disput zwischen der Old School und der New School. Die hohen Schadensverursacher sind natürlich die Anhänger der New School."

Das ist eine Band aus Hamburg [Musik Blumfeld]. Die Qualität ist besser als die von Madonna vorhin.

Matthew Neco von Streamcast Networks, dem Hersteller des Tauschbörsenprogramms Morpheus.

Das Internet, sagt Matt Neco, ist zu dem Zweck entstanden, dass Informationen frei fließen können, ohne dass jemand diesen freien Fluss unterbrechen kann. Wie es nun kam, sind die Inhalte der Unterhaltungsindustrie digitalisierbar geworden und können damit ebenfalls frei durchs Internet übertragen werden. Das ist ein Nebeneffekt der technischen Entwicklung. Und er ergänzt, dass er keinesfalls der Meinung ist, dass Filme und Musikstücke, an denen Autoren und Produzenten Rechte besitzen, kostenlos übertragen werden sollten. Aber was gehe ihn das an, er biete ja nur das Werkzeug, das Tool.

Napster fing im Juni 1999 bei Null an und hatte zur Zeit seines erzwungenen Endes im Juli 2001 zwanzig Millionen registrierte Nutzer. Die kleine Idee des Studenten Shawn "Napster" Fanning war eine der ganz großen Ideen der Geschichte des Internet. Heute sind Tauschbörsen besser und klüger geworden, sammeln nicht mehr zentral alle Daten, sondern arbeiten dezentral, wie Vermittlungsstellen. Trotz mehrerer Gerichtsverfahren gegen die Betreiber und Abmahnwellen gegen die Benutzer, schießen immer wieder neue Tauschbörsen aus dem Boden, und die Mitgliederzahlen nehmen zumindest nicht ab.

Ohne Tauschbörsen wären Musik- und Filmindustrie nie aus ihrem selbstzufriedenen Schlaf aufgewacht. Ohne Napster gäbe es nicht diese Diskussion über die Macht des Kapitals, die Rechte von Künstlern und die Freiheit von Informationen.

Jetzt das Madonna-Album angekommen. Confessions on a Dancefloor mit 12 Liedern. Hören wir mal rein.

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