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Die "Kleine Hexe" ohne "Neger" und "Negerlein"

Zum Austausch diskriminierender Sprache in Kinderbüchern

Von Ute Wegmann

Der Thienemann Verlag streicht aus künftigen Auflagen der „Kleinen Hexe“ die Worte "Neger" und "Negerlein". Das Bild zeigt den Autor des Buches, Otfried Preußler
Der Thienemann Verlag streicht aus künftigen Auflagen der „Kleinen Hexe“ die Worte "Neger" und "Negerlein". Das Bild zeigt den Autor des Buches, Otfried Preußler (AP)

Wie oft benutzen wir Begriffe und Bilder mit denen wir groß geworden sind. Um so wichtiger ist die Korrektur von außen, der Blick, der entlarvt und gleichzeitig eine Möglichkeit zur Veränderung bietet.

Aber was machen wir mit unseren Kinderbuch-Klassikern? Geschrieben in den 50er- oder 60er-Jahren, zu einer Zeit als der Eiweißschaum mit Schokoladenüberzug noch Mohrenkopf oder Negerkuss hieß, bevor er zum heutigen Schoko- oder Schaumkuss wurde?

War nicht Pippi Langstrumpfs Vater ein toller Negerkönig und heißt es nicht ganz ohne Arg in der "Kleinen Hexe" von Otfried Preußler bei einer Faschingsszene: "Wie kamen die beiden Negerlein auf die verschneite Dorfstraße?"

Weder Otfried Preußler noch Astrid Lindgren kann man Rassismus unterstellen. Ist dann eine Veränderung der Begrifflichkeiten tatsächlich notwendig? Ist der Eingriff in ein Originalwerk gerechtfertigt, um rassistisch konnotiertes Vokabular zu entfernen?

Bleiben wir beim Begriff des "Negers", abgeleitet vom lat. Niger = schwarz, der einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe bezeichnete, jedoch seit den 70er-Jahren im Sprachgebrauch vermieden wird. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil Schwarze durch den Begriff diskriminiert wurden und werden. So war es auch ein afrikanischer Vater, der sich bei der Lektüre des Preußler Buches über die Begrifflichkeiten wunderte und den Verlag darauf aufmerksam machte. Allein das ist Grund genug auch in den Kinderbuchklassikern das Vokabular zu korrigieren. Denn Kinder lesen oft alleine und nicht immer sind Erwachsene zur Stelle, die den Begriff in den richtigen Zusammenhang setzen können.

Es tut der Pippi Langstrumpf-Geschichte keinen Abbruch, dass aus dem Negerkönig ein Südseekönig wurde.

Aber was wird aus den Negerlein auf Preußlers verschneiter Dorfstraße? Handelt es sich hier doch um ein Karnevalskostüm, um Weiße, verkleidet als Schwarze.

Auf Nachfrage teilt der Verlag mit, dass man in Absprache mit der Familie Preußler ein anderes Karnevalskostüm wählen würde. Vielleicht Bäcker. Das verändert den Inhalt, das befremdet. Am Ende der 50er-Jahre war es üblich als Indianer oder Cowboy oder Schwarzer zu gehen. Aber als Bäcker? Warum werden nicht aus den "Negern" Schwarze?

Liest man das Faschingskapitel weiter, so trifft man auf Türken in weiten Pluderhosen und auf greulich bemalte Indianer. Auch das Bilder der Fünfziger und Sechziger Jahre. Was sagen die türkischen Mitbewohner und die indianischen?

Hier ist nun Vorsicht geboten, denn immerhin soll doch die "Kleine Hexe" - und die sei hier nur exemplarisch genannt - ein Werk ihrer Zeit bleiben.

Man darf nicht vergessen, bei allen Korrekturen unserer Klassiker, wie viel auch an Sprachgut und Zeitkolorit verloren geht. Auch Grimms Märchen in all ihrer Brutalität, eine Lektüre für Jung und Alt, sollten uns als Grimms Märchen erhalten bleiben.



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