Kommentar /

Die komfortable Situation deutscher Autobauer währt nicht ewig

Absatz bei Daimler und VW stabil

Von Günter Hetzke, Deutschlandfunk

Gute Zahlen: VW erhöhte seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2012 um rund 36 Prozent auf mehr als 8,8 Milliarden Euro.
Gute Zahlen: VW erhöhte seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2012 um rund 36 Prozent auf mehr als 8,8 Milliarden Euro. (AP)

Monat für Monat melden die deutschen Autokonzerne neue Absatzrekorde. Die Schuldenkrise bleibt in ihren Bilanzen weitgehend eine Randnotiz. Wichtig ist aber, wie die Autobauer die guten Geschäftsjahre jetzt nutzen, um langfristig ihre Position zu behaupten, kommentiert Günter Hetzke.

Die Autokonzerne bilden den wichtigsten Industriezweig Deutschlands. In keiner Branche wird ein größerer Umsatz erwirtschaftet. Und wenn das Statistische Bundesamt neue Zahlen zum Außenhandelsüberschuss bekannt gibt, dann hat die Autoindustrie daran einen erheblichen Anteil von gut 30 Prozent.

Während die Konkurrenz aus Frankreich oder Italien leidet und auch die europäischen Tochterunternehmen US-amerikanischer Autokonzerne Verluste einfahren, melden die deutschen Autobauer Monat für Monat neue Absatzrekorde. Die Gewinne sprudeln, die Verkaufszahlen sind beachtlich. Die Schuldenkrise in vielen Euro-Ländern, sie bleibt in den Bilanzen weitgehend eine Randnotiz.

Und dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen haben sich die deutschen Autobauer rechtzeitig auf den beiden Wachstumsmärkten China und USA positioniert. Sie haben sich unabhängiger vom europäischen Markt gemacht als zum Beispiel der französische Peugeot-Hersteller PSA, dessen Umsatz im schuldengeplagten Südeuropa regelrecht einbricht.

Zum anderen haben sich die deutschen Autokonzerne auf den Premiumbereich konzentriert, auf teure, komfortable Qualitäts-Pkw, die gerade bei den Gutverdienenden in den industriellen Schwellenländern als Statussymbol gelten. Made in Germany – ich kann es mir leisten. Und Menschen mit Geld gibt es gerade in den Boomregionen der Welt reichlich, während es an Konkurrenzprodukten mangelt. Noch gibt es nur wenige Hersteller, die mit Oberklasse-Limousinen den Rahm abschöpfen und Gewinne einstreichen. Es sind überwiegend Konzerne aus Japan, den USA und eben Deutschland. Und diese komfortable Situation, sie dürfte noch einige Zeit andauern.

Aber: Sie währt nicht ewig. Bereits jetzt sind die Schwellenländer dabei, selbst eine leistungsfähige Autoindustrie aufzubauen – noch nicht immer erfolgreich, noch überwiegend für den Massenmarkt, aber ansatzweise auch schon mit ersten Versuchen im Premiumsegment. Hier lauert die künftige Gefahr, dass diese Länder langfristig nicht nur als sichere Absatzmärkte wegfallen, sondern auch als Konkurrent antreten – und das, aufgrund des Kostenniveaus – zu günstigen Preisen.

Wenn Europas Marktführer VW versucht, Toyota als Nummer Eins in der Welt vom Thron zu stoßen, dann mag das ein mit Spaß und Spannung zu beobachtender Machtkampf in den nächsten zwei Jahren werden.

Viel spannender und auch viel wichtiger aber ist die Frage, wie die Autokonzerne die guten Geschäftsjahre jetzt nutzen, um langfristig ihre Position zu behaupten - mit verbrauchsarmen Motoren, modernen Antriebstechniken und neuen Absatzmärkten zum Beispiel.

Erfolg hat bekanntlich zwei Seiten: Man kann sich darin sonnen, nur macht er leider oft auch träge. Nicht, dass dieser Industriezweig, wie im Nachbarland Frankreich, irgendwann wieder als Bittsteller beim Staat vorsprechen muss und nach Steuergeldern ruft.

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