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Die Kommunikation der Zukunft

Serie: Sommer 2032

Von Jens Rosbach

Wie stehen wir in Verbindung in 20 Jahren.
Wie stehen wir in Verbindung in 20 Jahren. (dapd)

Vom Frühstück bis zum Sonnenuntergang, nonstop mit Hightechgeräten vor der Nase: Der Mensch wird in 20 Jahren pausenlos online sein - und kommunizieren. Wie aber verändert sich unser Leben dadurch und wovon können wir profitieren?

"Wenn wir jetzt die entfesselte Kreativität versuchen fortzuschreiben, die wir gesehen haben in den letzten 15 Jahren, dann kommen wir an in einer Welt, wo uns digitale Informationen permanent zur Verfügung stehen. Dieser Markt und diese Produkte werden quasi euphorisch genutzt."

Opaschowski: "Also da stehen wir am Anfang einer Entwicklung, die uns ein wenig Angst und Bange machen muss. Ich natürlich jetzt von technologischen Entwicklungen über ... überrollt werde."

Joost: "Ich kann mir vorstellen, dass das so eine Sehnsucht auch nach dem Analogen und nach dem Sichbegegnen, dass die dadurch stärker wird. Und das ist dann vielleicht der Start für eine Rückbesinnung: Was verliere ich eigentlich dadurch im analogen Leben."

Berlin, Universität der Künste, im Fachbereich Designforschung: Ein Labor mit Dutzenden grauen Kisten – vollgestopft mit auseinandergeschraubten Handys und Minimotoren, mit LED-Lampen, Platinen und Widerständen. Dazu: ein Basteltisch mit Schraubstock, Lötkolben und Bandsäge. Eine Zukunftswerkstatt. Hier wird die Kommunikationstechnik von morgen entwickelt. Wie sehen die Geräte im Jahr 2032 aus?

Florian Hemmert, 30 Jahre und Designdoktorand, tüftelt am Prototypen eines wundersamen Mobiltelefons. Es ist aus weichem Kunststoff und mit einer gallertartigen Masse gefüllt. Das Handy wird regelmäßig größer und kleiner – und gibt dabei schnarchende Geräusche von sich.

"In diesem Projekt geht es um die Metapher eines lebendigen Handys. Wir erforschen also, wie man mit Technik umgehen würde, wenn sie so anmuten würde, als wäre sie lebendig. Das heißt, dieses Gerät hat eine Atmung und einen Pulsschlag und ist momentan ganz entspannt. Mir als Nutzer sagt das: Ich habe keinen Anruf verpasst. Keine SMS verpasst. Wenn ich aber einen verpasst habe, dann wird das Handy aufgeregt."

"Und wenn man es einmal streichelt, dann beruhigt es sich wieder."

"Wir haben das Leuten mal mit nach Hause gegeben. Und am Anfang haben die gesagt: Da habe ich so ein atmendes Ding in der Hosentasche, total nervig. Nach so einer Stunde kriegt man das gar nicht mehr so mit. Das ist dann sehr subtil. Und abends, wenn man es aus der Hosentasche raus nimmt, dann fehlt einem was. Das ist wirklich wie so ein Hamster in der Hosentasche eigentlich (lächelt)."

Gesche Joost, die Chefin des Labors, hat eine Stiftungsprofessur für Designforschung – gesponsert von einem deutschen Telekommunikations-Unternehmen. Die 37-Jährige weiß: Die Technik wird die zwischenmenschliche Interaktion weiter verändern. Und zwar schnell.

"Wir sprechen da von Mikrokommunikation. Das heißt, ich rufe nicht einmal die Woche meine Freundin für zwei Stunden lang an und schnacke. Sondern man ist ständig präsent, ständig vernetzt und tauscht nur so Mikro-Botschaften aus: Wie geht's mir gerade, was ist hier gerade so los? Ich kann mir vorstellen, dass das noch verstärkt wird, dass man eigentlich ständig an diesen Kommunikationsstrom angeschlossen sein wird."

Für die Kommunikationsforscher zeichnen sich folgende Trends ab: Handys, Smartphones und Tablets werden immer minimalistischer. Sie werden intuitiv zu bedienen und erlebbar, fühlbar sein – etwa durch Pulsieren, Erwärmen und durch flexible Gewichte. Der Mensch wird nicht nur über diese Geräte, sondern auch über Schnittstellen am Körper, in der Kleidung, in Möbeln, Autos und Haushaltsgeräten vernetzt sein. Wir sind dann pausenlos online.

"Ich kann mir vorstellen, dass man sich explizit solche Schutzzonen suchen muss, wo man vielleicht mal nicht kommunizieren muss."

"Das Werkzeug, das man in 20 Jahren ganz selbstverständlich nutzt, sieht man als eine der ersten Instanzen jetzt in diesem Google-Glass-Projekt. Das muss man sich vorstellen wie eine Brille. Ähnlich wie ein Brillengestell hat man dann eine Kamera, Mikrofone – das heißt, man guckt in die Welt. Und wenn man möchte, sieht man auch gleichzeitig eingespiegelte digitale Informationen, die mir in dieser Situation hilfreich sein können."

Reinhard Karger ist Sprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Der Wirtschafts- und Wissenschaftsverbund geht davon aus, dass Google die ersten Vorserienmodelle seiner Datenbrille bereits in einigen Monaten ausliefern wird. Der US-Kommunikationskonzern hat dazu ein PR-Video auf Youtube platziert. Es zeigt einen Menschen vom Frühstück bis zum Sonnenuntergang – nonstop mit Hightechgerät der Nase.

"Etwas, was wirklich jetzt schon funktioniert, wäre, dass man jemanden trifft – und es wird eingespielt in den kleinen Monitor: Der Name, wann man die Person das letzte Mal gesehen hat. Und vielleicht hat diese Person mir eine E-Mail geschrieben und mir eine Frage gestellt. Aber in dem Moment wird mir dann gesagt: Übrigens, die Frage war soundso. Und deine Antwort könnte sein: Ja, ich bringe Vanilleeis mit."

"Wenn wir darüber hinaus gehen, dann werden wir möglicherweise in einen Themenbereich hineinkommen, wo neben der Sprache auch die Gedanken eine große Rolle spielen werden."

Prophezeit Professor Helge Cohausz, Ingenieur und Patentanwalt aus Düsseldorf.

"Im Grunde ist das nichts anderes als Ausstrahlungen des Hirns. Und das beginnt ja auch in diesem Moment schon, wenn wir eben sehen, dass Querschnittsgelähmte heutzutage schon durch Gedanken den Cursor eines Computers steuern, sodass also Gedankenübertragung von Mensch zu Mensch mit Zwischenschaltung eines Computers kommen werden – wenn der Mensch das überhaupt will."

Patentanwalt Cohausz erhält von seinen Mandanten ständig die neuesten Forschungsergebnisse; so weiß er bereits jetzt viel über die Kommunikation von morgen. Der Experte rechnet damit, dass Handys bald jede beliebige Sprache simultan übersetzen können. Die Geräte werden über Schweiß-Sensoren den emotionalen Zustand des Besitzers erkennen und – bei Bedarf - unerwünschte Anrufer abblitzen lassen. In zwanzig Jahren soll es auch Technik geben, die den Nutzer an seine persönliche to-do-Liste erinnert und bei seiner Ernährung hilft.

"Und hier erwarte ich eben, dass es Rechner und Programme – genauso genommen – geben wird, die eben auch coachen können. Der Rechner wird zu meinem persönlichen Freund. Der Coach versucht durch Fragen den Beratenden dazu zu bringen, selber die Lösungen zu finden. Und das kann ein Rechner eben auch."

Helge Cohausz lehrt an der Ruhr-Universität Bochum und berät außerdem Wirtschaftsunternehmen. Seinen Kunden beschreibt er zum Beispiel, wie der Mensch in einigen Jahrzehnten mit Avataren sprechen wird, mit digitalen Kunstwesen.

"Ich erwarte ja, dass man da in Zukunft Konferenzen und Sitzungen hat, an denen die Personen virtuell anwesend sind. Das heißt, sie sitzen an einem Tisch. Und an dem Tisch sitzen fünf weitere Personen, die in Wirklichkeit da gar nicht sitzen. Sie sehen sie nur. Und sie sprechen mit Ihnen auch. Aber in Wirklichkeit sind sie dort nur virtuell hingesetzt, aber mit dem Riesenvorteil: Sie können die Mimik dieser Menschen sehen, Sie können sehen, wie sie ihre Hände bewegen, den Körper bewegen – sie haben also eine Menge zusätzlicher Informationen."

Zurück zur Gegenwart, zum Designlabor an der Berliner Universität der Künste. Obwohl die Forschungsgruppe eifrig an atmenden Handys bastelt, an ertastbarer Navigationstechnik und an Radios in Kleidung – dennoch wird hier die Zukunft der Kommunikation etwas anders gesehen. Skeptischer. Professorin Gesche Joost glaubt nicht an eine mögliche Gedankenübertragung. Sie hält auch eine Datenbrille für überflüssig. Die Wissenschaftlerin warnt vielmehr vor einer Kommunikations-Sucht.

"Wir haben Frauen gebeten, auch Teenager, Mädchen, einen Tag lang – einen Samstag – nicht zu kommunizieren, offline zu sein. Keine Email, keine SMS, kein Social Media. Die Hälfte hat das Experiment abgebrochen. Die haben gesagt: Es ist unmöglich, es geht nicht. Und ein junges Mädchen ist im Bett geblieben, weil sie gesagt hat: Ich kann mich nicht verabreden! Was soll ich eigentlich machen an diesem Samstag?"

113 Millionen Mobiltelefone sind heute in Deutschland im Einsatz – pro Bürger 1,38 Geräte. Laut US-Studien werden amerikanische Teenager mittlerweile von einer gewaltigen Informationsflut überrollt: Sie erhalten durchschnittlich 3417 Textnachrichten im Monat. Das digitale Dauerfeuer überreizt die Sinne: Fast 60 Prozent aller Handynutzer bilden sich einmal pro Woche ein, einen Vibrationsalarm zu erleben.

"Also für viele es ja schon so ein Punkt, dass sie dann auch nicht mehr wirklich abschalten können. Und ich glaube, dass solche Burnout-Formen, die wir jetzt häufiger antreffen, dass die damit zu tun haben. Man sieht ja die Konsequenzen – dass die Leute dann in der Klinik landen."

Marina Hennig ist Professorin an der Universität Mainz. Die Soziologin sorgt sich, dass die Kommunikationstechnik bald schon den Menschen beherrscht – anstatt der Mensch die Technik.

"Wenn ich durch Berlin laufe und will etwas übers Brandenburger Tor wissen, dann muss ich nicht die Information sofort verfügbar über die Handybrille haben. Und für mich sind diese technischen Geräte, die als Erleichterung gelten, sind eigentlich eher Instrumente, die den Menschen von dieser Technik auf der einen Seite abhängig machen, ihn aber auch sein Gehirn verkümmern lassen und auch bestimmte Fähigkeiten verkümmern lassen. Also zum Beispiel ne Karte lesen zu können, sich selbst zu navigieren, von solchen Dingen unabhängig zu sein."

"Ich glaube, im Moment wird – von der Technologieentwicklung her – sehr stark gepusht, dass man ständig erreichbar ist, ständig vernetzt ist, immer mehr Daten konsumieren soll. Ich glaube, dass dieses Paradigma zu einem Ende kommen wird."

So die Bilanz der Berliner Designforschungsgruppe.

"Man möchte auch mal nicht kommunizieren, und man möchte nicht vernetzt sein. Die Sehnsucht wird, glaube ich, immer größer. Und vielleicht wird es so Schutzzonen geben, die einen vor Vernetzung endlich mal (lacht) abschirmen."

Die Technologiewirtschaft, die die Vernetzung vorantreibt, kann einer "Kommunikationsdiät" nichts abgewinnen. Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, einer GmbH aus Technik-Konzernen und Wissenschaftseinrichtungen, gibt sich optimistisch. Nach Kargers Ansicht wird der Mensch durchaus mit einem pausenlosen Nachrichtenaustausch klarkommen. Es gebe keinen "Kommunikations-Overkill" und auch keinen Qualitätsverlust in der Interaktion, meint der Verbandsvertreter.

"Ich glaube, dass das Telefon nicht zur Verflachung, nicht zur Verflachung der Kommunikation beigetragen hat im Vergleich zu Postkarte und Brief. Ich glaube, dass E-Mail dazu geführt hat, dass sehr viel mehr Text produziert wird heutzutage als ever in der ganzen Menschheitsgeschichte. Das mit dem Overkill – es sieht mir nicht so aus, weil wir uns bisher auch an alles gewöhnt haben!"

Und wenn sich der Nutzer nicht gewöhnen will? Wenn sich – vor allem ältere Generationen - mit herkömmlichen SMS, Emails und sozialen Netzwerken zufriedengeben? Wenn sie sich Datenbrillen, Nonstop-Interaktion und Totalvernetzung verweigern?

"Das Risiko, was ich sehe, ist, dass wir tatsächlich eine digitale Spaltung bekommen, wo die heute 45-Jährigen jetzt schon quasi in eine Art von kommunikativer Frühverrentung verfallen."

Wird die Zukunftstechnik zum Glaubenskrieg? Befürworter wie auch Skeptiker des Kommunikationsbooms sind sich zumindest in einem Punkt einig: Unabhängig vom Ausmaß der Kommunikation wird bald schon die Sinnfrage eine zentrale Rolle spielen.

"Ich glaube, Werbebotschaften werden in Zukunft zu Wertebotschaften."

Professor Horst Opaschowski gilt als Zukunftspapst. Der Publizist, Wirtschafts- und Politikberater aus Börnsen bei Hamburg geht davon aus, dass die globale Vernetzung letztlich zu einer Rückbesinnung führen wird.

"Insofern wird die Suche und Sehnsucht nach Nähe, nach Heim, nach Heimat, nach Verlässlichkeit, nach Ehrlichkeit – die wird gewaltig zunehmen. Gewaltig zunehmen!"

Auch Wirtschaftsvertreter schließen sich dieser Prognose an. Wem kann ich online vertrauen? Wer ist authentisch? Und wer darf über meine Kommunikationsdaten verfügen? – Fragen, die auch Reinhard Karger beschäftigen. Sein Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz rechnet damit, dass die Zeit der großen "Datenkraken" wie Google und Facebook bald zu Ende geht. Die Zukunft gehöre werbefreien Netz- und Netzwerkanbietern, die garantieren: Bei uns bist du sicher.

"Und du kannst dann zu Hause, natürlich über einen sicheren mobilen Zugang, zu deinen Freunden Verbindung aufbauen, die natürlich auch über Server gehen. Aber wir garantieren, die Daten, die zwischen diesen Servern fließen, werden nicht weiter analysiert. Diese Services, die es dann geben wird, sind dann nicht mehr umsonst. Und dann zahlt man 3,50 Euro – und wenn das drei Milliarden machen, dann ist das viel Geld."

Sicherheit und Vertrauen. Im Kommunikationslabor an der Berliner Universität der Künste prognostiziert man zudem, dass der Bürger sich wieder mehr für reale Gruppen interessiert - als für rein virtuelle Gruppen. Professorin Gesche Joost plant ein Kiez-Projekt in Berlin-Mitte, in dem sich Nachbarn online austauschen - als Alltagshilfe.

"Das heißt ganz einfach: Wie können wir gemeinsam uns unterstützen. Du holst morgen die Kinder ab, ich gehe übermorgen zum Supermarkt und bringe für alle noch mal einen Liter Milch mit. Weil ich glaube, dass durch die globalisierten Communities plötzlich wieder das Lokale im Fokus stehen wird. Da fängt politisches Engagement an, dass wir gemeinsam in unserer Nachbarschaft entscheiden, was für uns gut ist, was vielleicht für die Stadt gut ist."

"Und was die Menschen im Moment merken ist, dass man über die Netze mächtig werden kann, die Menschen schließen sich zu Bewegungen zusammen."

Peter Kruse ist Psychologe und Honorarprofessor an der Universität Bremen. Außerdem arbeitet er als Berater für Unternehmen sowie als Experte für die Bundestags-Enquetekommission "Internet und digitale Gesellschaft". Hier schockte er bereits vor zwei Jahren die Politiker, indem er einflussreiche Online-Aktionen und Protestwellen voraussagte.

"Wir müssen uns begreifbar machen, dass Macht sich neu definiert. Macht sitzt beim Nachfrager und nicht beim Anbieter. Das heißt, wir bekommen einen extrem starken Kunden, wir bekommen einen extrem starken Mitarbeiter, und wir bekommen einen extrem starken Bürger. Und wenn es uns an dem Punkt nicht gelingt, an dem Punkt empathisch genug zu sein zu wissen, wo diese Art von Aufschaukelung stattfindet, dann kriegen wir in den nächsten Jahren gravierende Probleme."

Tatsächlich gab es in der jüngsten Zeit zahlreiche, spontane Aufschaukelungen im Internet. So twitterten während des arabischen Frühlings Demonstranten politische Nachrichten und verabredeten sich über die sozialen Netzwerke, um auf die Straße zu gehen. Ihre Online-Bilder und Videos ermutigten Hunderttausende, ihre Diktatoren zu stürzen. In Deutschland nahmen Plagiatsjäger Doktorarbeiten online unter die Lupe, was unter anderem zum Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg führte. Zudem wurden Internet-Petitionen initiiert – wie jüngst gegen Zusatz-Zwangsrenten für Selbständige. Neue digitale Mitbestimmung auch durch die Foren der Piratenpartei. Allerdings kam es im Internet jüngst auch immer wieder zu unkontrollierten Wutwellen, zu Shitstorms. Diese richteten sich nicht nur gegen Unternehmen, wie die Schufa, sondern selbst gegen Funktionäre der Netzpartei. Einige von ihnen traten später – auch wegen der Online-Lawinen - frustriert zurück. Wer garantiert nun, dass die Kommunikation in Zukunft nicht außer Rand und Band gerät? Viele Fachleute, wie die Berliner Professorin Gesche Joost, geben sich hoffnungsvoll.

"Ich glaube, dass sich in den nächsten Jahren sehr viel stärker eine Etikette für den Umgang in sozialen Netzwerken herausbilden wird. Und dass die Community-getrieben sein wird. Das heißt, ich glaube nicht, dass wir irgendeine Art von äußerer Redaktion oder gar Zensur brauchen, sondern dass sich eine Community darauf einigt, was sozial tolerierbar ist, was akzeptabel ist, was angemessen ist – und das ist seine sehr sympathische Form der Selbstregulierung."

Forscher aller Couleur räumen allerdings ein, dass viele Frage offen bleiben. Etwa: Wird mehr Transparenz auch dazu führen, dass der Bürger im Jahre 2032 mündiger ist? Oder wird die Informationsflut zu neuer Politikverdrossenheit führen? Zentral auch die Frage der Netzkontrollen: Wird der Staat etwa anonymen Meinungsäußerungen Grenzen setzen? Und werden Diktaturen, wie China, die Informationsfreiheit ihrer Bürger weiter einschränken? Der Düsseldorfer Anwalt und Professor Helge Cohausz jedenfalls ist überzeugt, dass mehr Kommunikation auch zu besseren Lebensbedingungen führt. Für den Experten ist klar: Es gibt einfach kein Zurück mehr.

"Immer wurde es eigentlich für den Menschen besser. Als die Sprache aufkam in der Steinzeit, war das schon ganz wesentlich, um eben Wissen festzuhalten. Und wenn das gedruckte Buch herauskam, welch unglaublicher Fortschritt für die Menschheit. Die Zeitungen, das Telefon. Immer wurde es eigentlich besser mit der Kommunikation. Und dem Menschen ging es auch besser – das macht die Information."


Serie: 2032 - Dialog mit der Zukunft



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