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StartseiteTag für TagDie Kreuzung der Welt15.08.2013

Die Kreuzung der Welt

Der nordisraelische Berg Megiddo ist Ursprungsort des mythischen Armageddon

Armageddon ist der Bibel zufolge der Ort, an dem die Endschlacht zwischen Gut und Böse stattfinden wird. Es gibt den Ort wirklich: Der Berg Megiddo im Norden Israels war strategisch bedeutsam und Austragungsort zahlreicher historischer Schlachten. Heute zählt er zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Von Wolfram Nagel

Die finale Schlacht der Apokalypse, hier in einem Holzstich Albrecht Dürers, erwartete die Johannes-Offenbarung am Berg Meggido (picture alliance / dpa)
Die finale Schlacht der Apokalypse, hier in einem Holzstich Albrecht Dürers, erwartete die Johannes-Offenbarung am Berg Meggido (picture alliance / dpa)

"Die historische Bedeutung von Megiddo ist die, dass es eben an den großen Hauptverkehrsstraßen in Palästina liegt. Da musste alles durch und zwar über die Jahrtausende. Auf der einen Seite ist das Mittelmeer und auf der anderen Seite ist die syrisch-arabische Wüste, also musste alles durch. Und die einzige große Kreuzung, die es gibt, das ist Megiddo. Also das ist genau die Kreuzung der Welt."

So Professor Dieter Vieweger. Mehrmals taucht Megiddo in der Bibel als Ort entscheidender Schlachten auf, nicht erst in der Apokalypse sondern bereits im Buch der Richter oder im Buch der Könige.

"Und wenn man sich davor fürchtet, dass am Ende der Tage die Feinde kommen und Jerusalem bestürmen wollen, sie kommen nach Jerusalem über Megiddo. Und da ist die Idee vom eschatologischen Endkampf vor dem Untergang der Welt geboren worden. Und da das in griechischer Zeit geschehen ist, spricht man da nicht mehr von Megiddo sondern von Armageddon."

Seit über hundert Jahren wird auf dem Tell gegraben. Der Hügel mit Mauern aus sechstausend Jahren Kulturgeschichte befindet sich zwischen dem Karmelgebirge und der fruchtbaren Jesreel-Ebene. In Richtung Norden auf den Bergen Galiläas liegt Nazareth. Auch der Berg Tabor ist zu sehen, der Berg der Verklärung. Und in Richtung Tiberias schweift der Blick an den Hörnern von Hattin vorbei, wo die Muslime 1187 unter Saladin die Kreuzritter schlugen. 1919 brachte der britische General Allenby den osmanischen Truppen in der sogenannten Palästinaschlacht bei Megiddo eine schwere Niederlage bei. Doch legendär ist der Ort durch Pharao Thutmosis III. geworden. Die Ägypter besiegten 1457 vor Chr. hier die Kanaanäer.

"Die fallen den Feinden im Süden und Norden in den Rücken, machen so viel Beute, dass sie sich besaufen und so sehr voll Kleptomanie sind, dass sie gar nicht merken, dass die Kanaanäer sich in die Stadt Megiddo retten können, die Tore zu machen und nun liegt der Pharao davor und muss neun Monate lang belagern, bis er sie endlich einnimmt."

Das heißt, Megiddo war gut befestigt. Hier gab es ausreichend Wasser und Lebensmittel, um einer Belagerung längere Zeit standzuhalten – ein bronzezeitliches und später auch eisenzeitliches Zentrum, mit dem größten Kornspeicher Palästinas und einem in den Fels gehauenen Wasserkanal.

Bereits König David soll die Stadt erobert haben, nachdem er König Shaul besiegt hatte. So zumindest erzählen es die Königsbücher. König Salomo, Davids Sohn, soll nach biblischer Überlieferung einen prächtigen Palast in Megiddo gebaut haben, mit allem, was dazugehört.

"Wo wir jetzt sind, das ist sehr umstritten. Ich würde sagen, wir sind wieder in einem Vorratshaus, und zwar so einem, wie wir eben gesehen haben."

Ein lang gezogenes Gebäude mit Säulen, gepflastertem Boden, steinernen Behältern, typisch für einen Speicher. Frühere Ausgräber glaubten jedoch, hier den Pferdestall Salomos entdeckt zu haben. Eine Pferdeattrappe aus Stahlblech illustriert diese Annahme.

"Die Idee vom Pferdestall stammt einfach aus dem Alten Testament. Wenn im Alten Testament steht, dass der Salomo in Megiddo einen Pferdestall gebaut hat, dann muss man bei Ausgrabungen auch einen Pferdestall finden. Die armen Pferde, wie wollen die hier rein kommen? Das sind Vorratsräume, die sind für Pferdehaltung völlig ungeeignet."

Dieses bis heute hervorragend erhaltene unterirdische Bauwerk zeuge von Reichtum und Macht Megiddos als wirtschaftliches und politisches Zentrum, so Dieter Vieweger:

"Wenn ein Staat wie Israel mit Hauptstadt Samaria oder Sichem, je nach der Zeit, eine große Provinzstadt hat, dann ist das Megiddo. Und in diesem Megiddo wird Geld umgesetzt, das heißt, es werden die landwirtschaftlichen Produkte umgesetzt, also Gerste und Weizen, die in der Ebene angebaut werden – und dann nach Galiläa hoch das viele Öl, der viele Wein. Genau das sind die Exportprodukte, die Israel hat, und das geht über Megiddo. Das macht die Bedeutung von Megiddo aus."

Nach Eroberung des israelitischen Nordreichs durch die Assyrer verloren Städte wie Megiddo oder Hazor ihre Bedeutung. Im Jahre 587 wurde Jerusalems durch Nebukatnezar II. zerstört. Megiddo geriet offenbar völlig in Vergessenheit. Doch als magischer Ort blieb Megiddo im Gedächtnis.

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