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StartseiteWirtschaft am Mittag"Die Kunden haben offensichtlich Vertrauen zu unserer Marke"25.06.2013

"Die Kunden haben offensichtlich Vertrauen zu unserer Marke"

Der Germanwings-Chef blickt optimistisch in die Zukunft

Ab 2015 will die Billig-Airline Germanwings schwarze Zahlen schreiben, so der Plan von Airline-Chef Thomas Winkelmann. Sein Erfolgsrezept: Wenn der Kunde bereit ist "für mehr Qualität auch mehr zu bezahlen", wolle man diese Qualität liefern.

Thomas Winkelmann im Gespräch mit Benjamin Hammer

Germanwings - die Lufthansa-Tochter wird für den Konzern offenbar immer wichtiger (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
Germanwings - die Lufthansa-Tochter wird für den Konzern offenbar immer wichtiger (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Benjamin Hammer: "Nonstop you" – das ist der aktuelle Werbeslogan der Lufthansa. Und wie das bei Werbesprüchen manchmal so ist: Oft halten sie der Realität nicht so richtig Stand. Die Lufthansa wird in Europa bald jedenfalls immer weniger Nonstop you fliegen, sondern sich einzig auf die Verbindungen von und nach Frankfurt und München beschränken. Strecken wie Düsseldorf-Stuttgart übernimmt bald die Tochter Germanwings. Damit sollen die deutlichen Verluste im Europageschäft reduziert werden. Der Umstieg ist in vollem Gange, nächsten Montag tritt die neue Version der Germanwings ganz offiziell in Erscheinung.

Wir haben mit Thomas Winkelmann vor der Sendung gesprochen. Winkelmann ist seit zehn Jahren [Anmerkung der Redaktion: seit sieben Jahren] Chef der Billig-Airline, oder, wie er sagen würde, der Günstig-Airline. Was will er mit seinen Fliegern anders machen als die gute alte Lufthansa?

Thomas Winkelmann: Wir gehören ja zu einer Familie. Wir gehören zur Lufthansa-Gruppe und sind auch stolz darauf, eine stolze Mutter zu haben. Wir wollen allerdings auch eine stolze Tochter sein. Was wir etwas anders machen, ist diese Aufspreizung des Preisgefüges. Wir gehen ganz bewusst auch dahin, wo ein Gast sagt, ich möchte sehr preiswert fliegen und ich möchte auf keinen Fall irgendetwas anderes haben. Das bieten wir, bieten dann dafür allerdings auch keine Extras. Und im anderen Extrem bieten wir, denken Sie an die Vielflieger, es gibt sogenannte Frequent Traveller, es gibt Senatoren, und denen bieten wir mehr als alle Wettbewerber, allerdings zu niedrigeren Kosten. Das heißt, die Germanwings fliegt günstiger mit ähnlichen Qualitätsstandards.

Hammer: Ähnliche Qualitätsstandards. Es gab aber, wenn man in Vielflieger-Foren zum Beispiel im Netz schaut, doch einige Sorgen und Irritationen von diesen, für die Lufthansa wichtigen Kunden, dass die jetzt mit einem, wie Sie sagen, Günstigflieger, aber aus deren Sicht Billigflieger unterwegs sind. Da war lange Zeit unklar, wie das mit den Lounges aussieht, da gab es manche Buchungen auf ein Lufthansa-Ticket, wo man auf einmal in eine recht billige Klasse bei der Germanwings umgebucht wurde. Hat man das unterschätzt, hat man da Fehler gemacht?

Winkelmann: Wir haben in den letzten Monaten tatsächlich eine Sache gehabt, die den Kunden irritiert hat. Wir können nämlich das neue Produkt, auch diese freien Mittelsitze in den ersten Reihen, den Lounge-Zugang für die Frequent Traveller, erst zum 1. Juli einführen. Hintergrund dessen sind relativ komplizierte IT-Systeme, die erst mal angepasst werden müssen. Sie haben recht: In diesen ersten sechs Monaten haben wir dort manchmal für Irritationen gesorgt. Was uns beruhigt hat, ist, dass unsere Buchungslage auf den Flügen ausgesprochen gut war. Die Kunden haben offensichtlich Vertrauen zu unserer Marke. Die Irritationen sind jetzt zum 1. Juli vorbei.

Hammer: Der Europaverkehr schreibt im Moment tief rote Zahlen. Wie soll sich das entwickeln, wann soll das Geschäft besser laufen mit Ihrer Hilfe?

Winkelmann: Sie haben völlig recht: Der Europaverkehr insgesamt ist von hoher Wettbewerbsintensität. Kunden haben überall eine Auswahl, es gibt keine Strecke oder kaum eine Strecke, die eine Fluggesellschaft ganz alleine fliegt. Was ist unsere Chance? – Unsere Chance ist, unsere Kostenstruktur günstig zu halten und dem Kunden immer dann, wenn er bereit ist, für mehr Qualität auch mehr zu bezahlen, diese Qualität zu liefern. Wir glauben nicht daran, dass in einer Flugzeugröhre alle das Gleiche bekommen. Das machen unsere Wettbewerber und das machen wir nicht.

Hammer: Können Sie denn sagen, wann schwarze Zahlen geschrieben werden sollen?

Winkelmann: Wir haben ganz klar verkündet, dass wir den Turnaround jetzt einleiten, und die ersten sechs Monate stimmen uns ausgesprochen optimistisch, dass wir diesen Turnaround hinkriegen. Unser Ziel ist, im Jahre 2015 die Null-Linie erreicht zu haben und danach nachhaltig profitabel zu sein.

Hammer: Ich habe gerade mal, bevor ich hier hingekommen bin, im Internet geschaut, Köln-Mallorca am Freitag: Ryanair 96 Euro, bei Ihnen 129 Euro. Kann Michael O’Leary besser billig als Sie?

Winkelmann: Michael O’Leary ist offensichtlich leer an diesem Tag, denn auch die Ryanair hat ein ausgeklügeltes Yield-Management-System. Das ist im Prinzip der Computer, der ausrechnet, wie viele Gäste sind auf welchem Flug gebucht. Und wenn der Flug leer ist, ist man eher preiswerter; wenn der Flug voll ist, dann wird man etwas teuerer. Das ist wie in jeder anderen Dienstleistung. Ich kenne seine Buchungslage nicht, aber die scheint, nicht so gut zu sein.

Hammer: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO, die hat die Germanwings-Mitarbeiter zu einer Urabstimmung über Streikmaßnahmen aufgefordert. Moniert werden zu geringe Gehälter und zu kurze Arbeitsverträge. Das könnte Ihnen den Markenstart im Sommer doch ganz schön verhageln?

Winkelmann: Ich glaube es nicht. Uns hat das überrascht, diese Aufforderung, weil wir sind in der Mitte von Gesprächen. Normalerweise macht man eine Urabstimmung dann, wenn Gespräche am Ende sind. Ich glaube aber, dass wir in guten Gesprächen sind. Allen Tarifpartnern, übrigens auch allen Leistungsträgern am Boden, Flughäfen beispielsweise, ist klar, wenn man in Deutschland weiter nachhaltig fliegen will, mit deutschen Fluggesellschaften, dann muss man vielleicht den einen oder anderen Zopf abschneiden, der in der Vergangenheit ein bisschen zu lang geworden ist. Gleichzeitig hat aber auch das Unternehmen wie die Germanwings großes Interesse an motivierten Mitarbeitern und wir haben in der Crew ein ausgesprochen motiviertes Team in unserer Kabine und sehen eigentlich diesen Gesprächen sehr optimistisch entgegen.

Hammer: Im letzten Herbst, da gab es eine Nachricht, die viele Germanwings-Kunden beunruhigt haben dürfte. Zwei Piloten sollen bei einem Landeanflug auf Köln fast ohnmächtig geworden sein wegen giftiger Dämpfe im Cockpit. Und in diesem Jahr wurden Flüge wegen Gerüchen im Cockpit abgebrochen. Gibt es da ernste Probleme?

Winkelmann: Die Germanwings hat exakt die gleichen Sicherheitsstandards, die gleichen Trainingsstandards wie die Deutsche Lufthansa. Unser Hersteller Airbus, der unsere Flugzeuge herstellt, ist weltweit einer der beiden renommiertesten Hersteller. Da gibt es überhaupt keine Probleme. Im Gegenteil! Wenn zum Beispiel eine Geruchsentwicklung an Bord eines Flugzeuges stattgefunden hat, dann melden wir das. Wir geben auch sofort eine Pressemitteilung raus. Das ist in der Branche nicht üblich, das machen die meisten Fluggesellschaften nicht. Wir machen das, wir stehen zu unserem Sicherheitskonzept und Probleme gibt es dort überhaupt keine.

Hammer: Der Chef von Germanwings, Thomas Winkelmann, im Deutschlandfunk kurz vor dem offiziellen Neustart der Marke.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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