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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie Lage der Windindustrie27.01.2010

Die Lage der Windindustrie

Bilanz und Ausblick

Den größten Anteil bei den erneuerbaren Energien hat die Windkraft. Der Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer hat nun seine Jahresbilanz 2009 und den Ausblick auf 2010 vorgestellt. Dabei ging es auch um die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Von Dieter Nürnberger

Windkraftanlagen hinter einem Rapsfeld bei Rendsburg. (AP)
Windkraftanlagen hinter einem Rapsfeld bei Rendsburg. (AP)

Die am Vormittag vorgelegten Zahlen zeigen vor allem, dass es nach zwei Jahren mit stagnierenden Ergebnissen, 2009 wieder einen ordentlichen Schub für die Windkraftbranche gegeben hat. Es gingen fast 950 neue Windenergieanlagen ans Netz. Diese produzieren rund 1900 Megawatt Strom – und das ist ein Zuwachs zum Vorjahr um 15 Prozent. Die neu installierte Leistung entspräche übrigens – so die Angaben des Bundesverbandes Windenergie – der Leistung von zwei Atomkraftwerken. Infolge der Wirtschaftskrise hatte man eigentlich mit größeren Problemen gerechnet, deswegen sei die Bilanz 2009 überraschend gut, sagt Hermann Albers, der Präsident des Bundesverbandes Windenergie. Als Gründe führt er unter anderem ein Umdenken in Deutschland an.

"Wir erleben in den Gesprächen immer deutlicher, dass selbst bisher relativ verhalten agierende Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg sich mehr und mehr der Windkraftnutzung öffnen. Das wird für die kommenden Jahre eine wichtige Grundlage sein, über alle Länder hinweg die Windkraft auszubauen. Aufgrund der vorhandenen Flächen bleiben aber die nord- und ostdeutschen Bundesländer in führender Position."

Die Nutzung der Windkraft in Deutschland umfasst somit eine Gesamtleistung von 25.800 Megawatt. Damit ist die Windkraftbranche eine der wenigen in Deutschland, die im Krisenjahr 2009 überhaupt wachsen konnte. Im Maschinenbau ging es bekanntlich generell zweistellig bergab beim Umsatz. Deshalb ist Thorsten Herdan, Geschäftsführer beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau auch mehr als zufrieden – über die Entwicklung des deutschen und auch des internationalen Marktes.

"Das Wachstum der Branche, weltweit um 22 Prozent, konnte im Maschinenbau nur von einer Branche getoppt werden, das ist der Wasserkraftbereich. Die Wasserturbinenhersteller haben 2009 um 30 Prozent zugelegt. Die sind von der Konjunktur aber auch vollständig unbeeindruckt, Projekte, die hier letztes Jahr ans Netz gegangen sind, wurden schon vor und acht Jahren geplant. Da kann man nicht von Konjunkturzyklen reden."

Bei der Bilanz für 2009 konnte der Verband auch erstmals erbrachte Leistungen aus der Nutzung der Windkraft auf dem offenen Meer präsentieren, das ist die sogenannte Offshore-Technik. Hier wurde jahrelang immer nur angekündigt, aber 2009 ging mit der Anlage "Alpha Ventus" in der Nordsee erstmals ein solches Großprojekt in Betrieb, 60 Megawatt wurden erbracht. Thorsten Herdan.

"Der Prozess hat aber auch gezeigt, wie schwer es ist, bei uns Offshore zu realisieren. Wenn Sie dazu Kabel verlegen wollen, müssen sie mit Gemeinden über Ausgleichsmaßnahmen diskutieren. Immerhin: Der Startschuss ist gefallen und wir werden nächstes Jahr wahrscheinlich auf rund 300 Megawatt Offshore-Leistung kommen."

Und auch ein anderes oft verwendetes Stichwort der Branche füllt sich langsam mit Leben. Von Repowering spricht man, wenn alte und kleinere Windkraftanlagen durch große neue ersetzt werden. Auch dieses Geschäft hat 2009 an Dynamik gewonnen. Hermann Albers, der Verbandspräsident.

"Anhand der Zahlen wird deutlich: Rückbau bedeutet ein Minus von circa 36 Megawatt, der Zubau beträgt dann allerdings rund 137 Megawatt. Es ist also möglich, hier den Faktor 4 zu errechnen. Diese neu installierten Anlagen sind effizienter. Das kann bei den Erträgen auch noch deutlich über den Faktor vier gehen."

Weltmarktführer bei der Nutzung der Windenergie ist Deutschland aber schon länger nicht mehr. Die Nummer eins ist China, gefolgt von den USA. Auch diese Märkte haben zum deutschen Wachstum 2009 beigetragen. Deutschland habe an der weltweiten Nutzung einen Marktanteil von derzeit rund sechs Prozent.

Die generelle Prognose für 2010 ist nicht zuletzt aufgrund der Erfolgszahlen 2009 positiv: Der Bundesverband Windenergie erwartet einen weiteren Zubau um 2300 Megawatt in Deutschland. Das wäre dann sogar besser als das gute Ergebnis für 2009.

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