Das Feature / Archiv /

 

Die "Linde" heißt jetzt "Uferlos"

Ein Haus in Berlin-Wedding erzählt

Von Regina Kusch und Andreas Beckmann

U-Bahnhof Wedding in Berlin
U-Bahnhof Wedding in Berlin (picture alliance / dpa/Florian Schuh)

Der "rote Wedding" wurde der Berliner Stadtteil einst wegen seiner aufrührerischen Arbeiterschaft genannt. Heute ziehen junge Menschen hierher, die lieber in einem rauhen Kiez wohnen als am Prenzlauer Berg.

Als das Eckhaus an der Panke, Uferstraße 13, Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, blühte im Berliner Wedding gerade die Industrie auf. Unten in der Kneipe Zur Linde tranken Mannsbilder mit Kaiserbart ihr Feierabendbier. Bald zogen draußen die aufrührerischen Arbeiter des "roten Wedding" vorüber, bis nur noch die Nationalsozialisten marschierten. Da verlangten einige Mieter, dass ihre jüdischen Nachbarn ausziehen sollten. Von den Bomben des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus nicht direkt getroffen, aber nach einem Einschlag auf dem Nachbargrundstück war seine Statik stark beschädigt. Doch die Besitzerfamilie blieb ihm immer treu, auch als nach dem Mauerbau die Immobilienwerte abstürzten und sich fast ausschließlich "Gastarbeiter" für die Wohnungen interessierten. Die Erben spendierten dem Haus trotzdem eine anständige Sanierung. Heute freuen sie sich über eine bunte Mieterschaft. Und unten in der Kneipe, die ein neuer Wirt "Uferlos" taufte, trifft sich ein junges Publikum, das lieber in einem rauen Kiez lebt als am schicken Prenzlauer Berg.

Regie: Susanne Krings
DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Das Feature

Ortserkundungen"Hello, Chinaman"

Eine Frau sitzt vor einem Kleinwarenladen.

Als Investor ist China in Ghana hochwillkommen. Das Land gibt Kredit, baut Straßen, Schienen, Staudämme, Häfen und Flughäfen. Der Handel wächst gigantisch. Scharen afrikanischer Händler reisen nach China, um sich mit riesigen Schiffsladungen billiger Waren einzudecken: Schuhe und Zahnbürsten, Motorräder und Medizin.

OrtserkundungenLeben unter der Tuffsteinburg

Der Burgfelsen von Uchisar, südwestlich von Kayseri im Bergland von Kappadokien in der Türkei.

Die alte Festung auf dem Hügel ist geborsten, aber noch immer überragt sie die Tufflandschaft Kappadokiens. Seit vorchristlicher Zeit bauen sich die Menschen hier Häuser, indem sie Felsen aushöhlen. Evelyn Kopp und Almut Wegner leben seit über zehn Jahren im Dorf Uchisar.

TierschutzDer Stör-Fall

Zwei Fischer ziehen einen Belugastör aus dem Fischernetz.

Schwarzes Gold wird der Rogen des Beluga-Störs genannt. Damit ist nicht nur der metallische Glanz der Fischeier gemeint, sondern auch die Begehrlichkeiten, die sie wecken. Mit einem Warenwert von bis zu 600 Euro pro 125 Gramm zählt Schwarzer Kaviar zu den teuersten Delikatessen überhaupt.