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StartseiteInterview"Die Linke hat überhaupt nichts gegen Sankt-Martins-Umzüge"06.11.2013

"Die Linke hat überhaupt nichts gegen Sankt-Martins-Umzüge"

NRW-Geschäftsführer der Linken für Beibehaltung der Tradition

Der NRW- Vorsitzende der Linken, Rüdiger Sagel, fordert die Änderung des Martinumzugs in ein konfessionsübergreifendes Fest. Das sei eine Einzelmeinung, sagt der Landesgeschäftsführer der Partei, Sascha Wagner. "Wenn Sankt Martin heute noch leben würde, wäre er eigentlich Mitglied der Linken."

Sascha Wagner im Gespräch mit Friedbert Meurer

Kinder ziehen in Berlin beim Sankt-Martins-Umzug mit Laternen durch die Straßen. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Kinder ziehen in Berlin beim Sankt-Martins-Umzug mit Laternen durch die Straßen. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Friedbert Meurer: Diese und nächste Woche noch finden überall in Deutschland die Sankt-Martins-Züge wieder statt: Lieder singen, Sankt Martin sitzt vorne auf dem Pferd, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt, leuchtende Kinderaugen am Martinsfeuer. Für viele ist das eine schöne alte Tradition. Die Partei Die Linke in Nordrhein-Westfalen fordert jetzt: Zug ja, aber er soll nicht mehr Sankt-Martins-Zug heißen. Wenn man statt Sankt Martin zum Beispiel eine Sonne, Mond und Sterne Fest feiern würde, fühlten sich mehr Kinder angesprochen und mitgenommen. Kaum war die Idee lanciert, hob ein bundesweiter Proteststurm an, sozusagen nach dem Motto: Rettet den Sankt Martin. – Sascha Wagner ist Landesgeschäftsführer der Linken in Nordrhein-Westfalen. Guten Tag, Herr Wagner!

Sascha Wagner: Guten Tag!

Meurer: Wollen Sie wirklich Sankt Martin abschaffen?

Wagner: Nein, möchte die Landespartei natürlich nicht.

Meurer: Was wollen Sie dann?

Wagner: Es hat eine Pressemitteilung nach einem Pressegespräch mit der "Rheinischen Post" des Landessprechers gegeben zu dieser Frage. Aufhänger war wohl eine Entwicklung in Hessen, wo die Kommune einer Kindertagesstätte entsprechende Vorschriften gemacht hat. Das ist der ganze Hintergrund. Und dann kommt hinzu, dass natürlich entsprechend manche Äußerungen und so weiter halt immer dann etwas ausufern, sage ich mal.

Meurer: Aber wir halten fest: Sie wollen, dass es diesen Umzug gibt, mit Laternenstäben, Laternen und so weiter, aber Sie wollen nicht mehr, dass er Sankt-Martins-Zug heißt. Korrekt?

Wagner: Nein, das ist nicht korrekt. Das ist eine Einzelmeinung vom Landessprecher Rüdiger Sagel. Es gibt dazu aber keinerlei Beschlusslage in der Landespartei als auch nicht im Bund und auch eigentlich gar keine inhaltliche Debatte zu diesem Thema. Die Linke hat überhaupt nichts gegen Sankt-Martins-Umzüge in den Einrichtungen oder in den Stadtteilen, ganz im Gegenteil. Viele Ortsverbände …

Meurer: Mit Ausnahme des Parteivorsitzenden?

Wagner: Das mag so sein.

Meurer: …, der ja nicht irgendwer ist bei Ihnen?

Wagner: Das ist richtig, aber dennoch sind wir ja eine freiheitlich, demokratisch orientierte Partei und dort kann natürlich auch jeder mal eine Einzelmeinung kundtun.

Meurer: Was ist denn Ihre Meinung, Herr Wagner, als Geschäftsführer der Partei?

Wagner: Ja wie ich schon sagte: Wir sind nicht gegen Sankt-Martins-Umzüge. Ich bin da auch gegen eine Umbenennung oder so etwas. Das ist ein sehr breit in der Gesellschaft verankertes Brauchtumsfest, was sich großer Beliebtheit durch alle Schichten, durch alle Nationen im Grunde genommen auch tief verankert großer Beliebtheit erfreut. Und das ist, glaube ich, eine Geschichte, die man auch durchaus weiterführen sollte und unsere Partei in den Gliederungen, in den Ortsverbänden, in den Stadtteilen beteiligt sich da auch immer gerne mit Aktionen und so weiter.

Meurer: Darf der Sankt Martin weiter auf dem Pferd mitreiten beim Martinszug?

Wagner: Der soll in jedem Fall vorneweg reiten und weiterhin symbolträchtig agieren, ist da meine Meinung. Ganz im Gegenteil, ich würde sogar sagen: Wenn Sankt Martin heute noch leben würde, reell, wäre er eigentlich Mitglied der Linken. Ich finde es auch viel wichtiger, diese ganze Debatte gar nicht allzu sehr hochzuhängen, sondern sich vielmehr mal die Frage zu stellen, wie es denn wirklich armen Menschen in unserer Gesellschaft geht. Ich will ein ganz kleines Beispiel nur nennen: Wir hatten jetzt am 1. November Allerheiligen, einen gesetzlichen Feiertag hier in Nordrhein-Westfalen. Das hatte zur Folge, dass viele Hartz-IV-Empfängerinnen und Empfänger zum Beispiel nicht ihr Arbeitslosengeld ausgezahlt bekommen haben und somit erst am 4. oder am 5. November da ihr Geld hatten. Und ich glaube, wenn Sankt Martin heute noch leben würde, wäre er Mitglied der Linken.

Meurer: Ich lese in Ihrem Lebenslauf, Herr Wagner, dass Sie früher Jugendarbeit gemacht haben, in Wandergruppen selbst zur Gitarre auch gegriffen haben. Werden Sie Ihrem Parteivorsitzenden mal ein Sankt-Martins-Lied vorspielen, damit er sich es anders überlegt?

Wagner: Das vielleicht nicht gerade. Auf so einer Landesvorstandssitzung geht es ja durchaus ernsthafter zu. Aber ich überlege, ob ich ihm vielleicht einen Weckmann schenke.

Meurer: Das ist das Gebäck, das hier im Rheinland an die Kinder verteilt wird nach Sankt Martin. – Sascha Wagner, Landesgeschäftsführer der Linken in Nordrhein-Westfalen, ist anderer Meinung als sein Parteivorsitzender, der gefordert hat, Sankt-Martins-Züge umzubenennen in Sonne, Mond und Sterne Umzüge. Herr Wagner, danke nach Düsseldorf, einen schönen Sankt-Martins-Zug heute Abend, falls einer stattfindet.

Wagner: Vielen Dank!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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