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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im April12.05.2009

Die lyrix-Gewinner im April

"Hör zu! Jetzt rede ich!"

Im April haben wir euch gefragt: "Stell dir vor, dein Gegenüber MUSS dir zuhören. Was würdest du ihm sagen?" Hier sind die Monatsgewinner zum April-Leitmotiv "Hör zu!"

Reden (AP)
Reden (AP)

Viele lyrix-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer haben die Aufforderung "Hör zu! Jetzt rede ich!" beherzt aufgegriffen. Die Gedichte handelten von der Einsamkeit und von Rufen, die Keiner beachtet. Von unerhörter Liebe, aber auch von Anklagen und Sorgen. Manche haben das Thema "Hör zu!" aus der natürlichen Perspektive betrachtet und über die fliegenden Schmetterlinge und die raschelnden Bäume im Wind geschrieben. Alles Geräusche, die es gibt - wenn man nur hinhört.

Hier sind die lyrix-Gewinnerinnen und –Gewinner, deren Gedicht die Jury im April am meisten überzeugt hat. Wir danken und gratulieren euch herzlich!

Das Mai-Leitmotiv lautet übrigens Irren ist menschlich.


Die lyrix-Gewinner aus dem Inland

Stumm

Wenn ich stumm bin
Fragst du nicht.
Frag ich dich
- schweigst du.

Wenn ich blind bin,
Führst du mich?
Siehst mich nicht.
Wenn ich auch
Taumle, falle
Spürst du nicht
Schall noch Rauch.

Wenn ich schreie,
Stutzt du dann?
Sieh mich an.
Ich bin nicht
Mehr bereit
Auf dich zu warten.
Es ist Zeit.

Wenn du stumm bleibst
Mich nicht fängst,
Mich verdrängst
Dich weiter weigerst
Mich zu sehen,
Werd ich gehen.


Josefine Berkholz aus Berlin, Romain Rolland Oberschule, Klasse 9, Muttersprache Deutsch


Werde lauter

Ich flüstere,
Flüstere dir zu was mich vorhin an dir gestört hat,
Sehr unsicher!

Werde lauter!

Ich sage,
Sage dir was mich in den letzten Stunden an dir gestört hat,
unsicher!

Werde lauter!

Ich schreie,
Schreie dir zu was mich in den letzten Tagen an dir gestört hat,
Selbstbewusst!

Werde lauter!

Ich brülle,
Brülle dir zu was mich in den letzten Wochen an dir gestört hat,
Sehr selbstbewusst!

Werde lauter!

Ich kreische,
Kreische dir zu was mich schon immer an dir gestört hat,
Wütend!

Und merke erst jetzt,
Das du traurig in der Ecke stehst,
Verletzt bist,
Und ich streichele dir über den Rücken!

Ich flüstere,
Flüstere dir zu was ich schon immer gut an dir fand,
Entschuldigend!


Johanna Fugmann aus Memmelsdorf, Dientzenhofer-Gymnasium, Klasse 6, Muttersprache Deutsch


Über die Liebe

Liebe fasst man nicht in Worte,
Worte, die sind kühl und leer,
Denn in Worte einzudämmen,
Was ich fühle, fällt mir schwer!

Worte führen in die Irre,
Worte lügen und sind starr,
Doch der Glanz in deinen Augen,
Deine Sehnsucht, die ist wahr!

Und ein Blick in deine Augen,
Alles zu verzeihen reicht,
Nicht die Logik deiner Worte,
Nur dein Blick hat mich erweicht!

Also rede nicht so ewig,
Reden hat nur Zeit vertan,
Nimm mich schweigend in die Arme,
Sei nur da und schau mich an!


Felicitas Gondesen aus Sörup, Bernstorff- Gymnasium Satrup, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache Deutsch


Begegnungen mit Lyrik

Hör zu
Geh unter in meinen Worten und
Lass das Morgengrauen ruhig den Laternenschein durchkreuzen

Zergehe im
Zerrenden Rausch meiner Sätze und
Kümmere dich nicht um die chemietrunkenen Milliliter des Mittagsgusses

Ergib dich
Der bedeutungsvollen Bedeutungslosigkeit der Laute und Lass dich in den gehörlosen wortdurchwirkten Schlaf treiben


Letztendlich entscheidest du ob
Du vor der aufgezogenen Herztapete aus Text Unsere zweite Realität erschaffen willst


Jonas Kohnen aus Ludwigshafen, Heinrich Böll Gymnasium Ludwigshafen, Klasse 10, Muttersprache Deutsch


Müllers Leben

So nehm ich stets den Hörer ab
und lausche, was da kommt.
"Seelsorgetelefon! Müller heiße ich!
Was ist denn los? Erzähln Sie mal!"
Und sie erzählen, Klos für Klos,
von Pickelchen zu Herzschmerznummer,
Jobverlust und Todesstoß.
Die Angst vor dies und dem und Leben selbst krieg ich da stets beschrieben.
Hör zu und frage. Geb Rat und Trost zugleich.
Und Menschen lächeln mir durch Telefon zurück.

So ist mein Leben erster Teil
zwar schwierig und doch: bin zufrieden.

Zweiter Teil:
Geh ich dann heim des Nachtes spät,
kauf ich mir von mei´m Gelde
zwei, drei Scheiben Brot.
Die ess ich beim Laufen durch die große Stadt zur winz´gen Wohnung Müller, wo ich auf die Matratze fall,
sag: "Andre haben´s schlimmer."


Laura Sophie Luge aus Leipzig, Humboldt-Schule, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache Deutsch


Die lyrix-Gewinner aus dem Ausland

Hör zu!

Hör zu!
Sei still.
Hör die Melodie der tanzenden Blätter in den Bäumen,
das Atmen der Erde, lebendig unter dir.
Hör das Murmeln des Windes neben deinem Ohr,
die Musik des Berges,
das Gelächter des Wassers,
das zwischen den Steinen läuft.
Hör zu...
Die Stille, immer mehr...
Tauch tiefer in die Stille...
Die Ruhe spricht leise:
Was hörst du?
Mein Herz.
Es sagt:
"Für dich".


Beatriz Albuquerque aus Amadora, Portugal, Deutsche Schule Lissabon, Jahrgang 1994, Muttersprache Portugiesisch


Ohne Titel

Schließe die Augen zu!
Hörst du ? - Ruhe...
Nur Herzklopfen
schaltet die Minuten der Zeit durch,
schlägt seinen ungehemmten Schritt
auf dem schonungslosen Platz des Lebens.
Hörst du ? Lausche seinen leisen Schritten,
spüre den stockenden Atem des Herzens
höre den Frühlingsrhytmus seiner Gangart.
Hast du gehört ? Dann halte den Atem
für einen Augenblick an
und versuche die Unaufhaltsamkeit
seiner Schritte zu verstehen,
denen dein Leben Spur in Spur folgt.
Hör zu! - Herzklopfen... Herzklopfen...


Olexander Holovko aus Tscherkassy, Ukraine, Gymnasium № 31, Jahrgang 1992, Muttersprache Ukrainisch


Ohne Titel

"Hör zu, mein Kind,"
Sagt der Vater ernst,
Und oben die Sonne scheint,
"Mach es nicht,
Mach es auch nicht,
Tue das nicht,
Tue das auch nicht,"
Das Kind nickt, und heller Sonnenschein glänzt in seinen Augen.

Zeit vergeht, Kind ist Vater geworden,

"Hör zu, mein Kind,"
Eines Tages sagt er seinem Kleinen,
Und oben die Sterne sich sammeln,
Aber dann kommt der Vater zurück zu den alten Zeiten.

Er hat das gemacht, was verboten ist,
Er hat das getan, was unnütz ist,
Vater überlegt, lächelt und endlich spricht:
Mach nur, was du willst.
Kind nickt, und ruhiger Sternenschein blitzt in seinen Augen.


Guo Jia (m) aus Jin Shan Bezirk, Shanghai, China, Shanghaier Fremdsprachen Schule, Jahrgang 1992, Muttersprache Chinesisch


Hör zu

Ich will keine Schuluniform tragen,
keine Gymnastik
mit komischer Gestik,
weniger Schulaufgaben machen.

Liebe Klassenleiterin,
lieber Physiklehrer,
lieber Chemielehrer,
liebe Schulleiterin.

Hör zu.

Sie unterrichten uns.
Sie lassen uns ruhig sitzen bleiben.
Sie lassen uns weniger Sport treiben.
Sie schimpfen mit uns.

Alle Kinder möchten spielen.
Schule bedeutet keine Leistung,
Erziehung bedeutet keine Übung.
Wir sind keine Maschinen.

Scheiße.


Chen Lou (w) aus Shanghai, China, Shanghaier Fremdsprachen Schule, Jahrgang 1991, Muttersprache Chinesisch


Hör zu

Hör zu...

Die Welt spricht mit dir.
Sie erzählt dir ein Geheimnis,
Willst du sie nicht hören?
Die Blumen wachsen
Die Sonne scheint
Alles wird schöner
Verstehst du das nicht?
Sie erzählt dir etwas:
Die Liebeszeit ist da!

Hör zu...


Felícia Marques aus Odivelas, Portugal, Deutsche Schule Lissabon, Jahrgang 1994, Muttersprache Portugiesisch

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