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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im August 201325.10.2013

Die »lyrix«-Gewinner im August 2013

Inwieweit prägt das Meer die Mentalität der Seeleute, der Hafen- und Küstenbewohner? Wo lauern die Gefahren auf hoher See? Welche Geschichten hält der "Tod und das Meer" für euch verborgen?

Wellen auf dem Atlantik (picture-alliance/ dpa)
Wellen auf dem Atlantik (picture-alliance/ dpa)

Im August 2013 besuchte »lyrix« das Altonaer Museum in Hamburg und die Sonderausstellung "Der Tod und das Meer". Diese zeigt das Wechselspiel zwischen Kultur und Gesellschaft vor dem Hintergrund von Tod und Trauer rund um die Seefahrt.

Eure Gedichte handeln von der Faszination des Meeres, aber vor allem auch von den Gefahren, die es birgt. Von Schiffen bei Sturm und Gewitter, die Seemänner mit sich in die Tiefe des Meeres reißen oder auch vom Leben der wartenden und hoffenden Frauen an Land.
Andere wiederum schrieben vom Meer als Zufluchtsort, der Trost spendet. In allen Gedichten wird jedoch deutlich, dass das Meer ungeheure Kräfte bereithält, denen die Menschen unterlegen sind.

Wir haben uns über alle Einsendungen sehr gefreut. Hier kommen die Top 5 eurer Gedichte



Ohne Titel

Und er sagte:
Spring nicht!
Und Gänsehaut
kroch
über Deine Arme.

Sanfter Nebel sprühte
vom Oster heran.
Dunkle Wolken
zerstoben Wellen
in brodelnden Tiefen.

Wind zerzauste
Dein Haar.
Aus den Ohrsteckern
tropfte
schwere Musik.

Direkt in Dein Herz.

Und er sagte:
Spring nicht!
Doch tollkühn
und taub
warfst Du Dich ins Meer.

(Elisabeth Fleck aus Jena, CZG Jena, Klasse 12, Muttersprache deutsch)



Schiffsbruch

Es war ein grauer Nachmittag,
als er stach in See,
seine Frau, die weinte nicht,
obwohl es tat so weh.

Er liebte mich, das wilde Meer,
sie sah nur die Gefahr,
er mocht´ die neuen Zeiten,
sie das, was einmal war.

Da ließ ich meine Tröpfchen los,
ließ Wellenspritzer fliegen,
ich lachte auf vor Übermut
und tat das Schiffsholz biegen.

Die Schiffsglocke, sie bimmelte
in ihrem tiefen Ton
und Seeleute starrten mich an
ängstlich und voll Argwohn.

Da türmte ich die Wellen auf
und ließ sie etwas kreisen,
sie alle würden früh genug
zum Abendessen speisen.

Und plötzlich schrien alle auf
und sie drückt´ ihre Ketten
irgendwo in weiter Fern´,
als könnt´ sie ihn dadurch retten.

Das Segeltuch beugt´ sich im Wind,
fast kenterte das Boot,
er fragte sich zum ersten Mal
was er war- der Tod.

Mit Leichtigkeit hob ich es an,
das Menschen-Glocke-Schiff
und warf´s vielleicht aus Zufall
auf das Korallenriff.

Ich flüsterte: ,,Komm mit mir!´´,
und nahm ihn bei der Hand
und alles, was noch übrig war,
spülte ich an den Strand.

Nur sie sitzt stundenlang nur da
und schaut zu mir hinaus
und redet sich immer noch ein,
er käme bald nach Haus.
(Katinka Kultscher aus Hamburg, Helene-Lange-Gymnasium, Klasse 9, Muttersprache deutsch)



Rettungsschwimmer

Unter mir waren wogende Wellenfluten
vergängliche Berge des Sturms
steigen aus den Tiefen des Meeres
dem rotschimmernden Himmel
entgegen. Rotorenlärm des Helikopters
verschmolzen im Lied der gepeitschten See
einzig das Licht der Suchenden
erhält die Hoffnung nach Leben. Ich springe
der dunklen Hölle entgegen die Gefahr
vergessen gibt es nur ein Ziel:
die Menschen retten während die Zeit
steht still. Jeder Gedanke
quälende Entscheidung im Kopf "Ich kann
nur ein Leben fangen." Tödlich
reißen die Wogen am Schiff
vor mir zwei Männer verloren. Ich
packe beide. Meine Flossen tragen uns
die Hoffnung vor Augen verliere ich
meine Kräfte doch immer weiter
und weiter: zwei Leben in der Hand "Ich darf
sie nicht verlieren." Aber tödlich
erhebt sich die Gewalt des Ozeans
vor mir versinkt die blutrote Sonne
im Schatten unendlicher Wassermassen
greift die Hand des Todes nach mir
in der Tiefe kämpfe ich für das Leben
der zwei. Doch mir blieb keine Wahl
umklammert vom Meer mich verlässt
was ich war in jener Nacht
bei wogenden Wellenfluten
unter blutrotschimmerndem Himmel.

Anmerkung: Dieses Gedicht ist den Rettungsschwimmern der U.S. Coast Guard und vergleichbaren Organisationen gewidmet, die auch bei Sturm aufs Meer hinausfliegen, um die Vermissten zu suchen und Menschenleben zu retten, auch wenn sie dabei ihr eigenes Leben in Gefahr bringen.

(Kathrin Moll aus Altdorf, Gymnasium Neckartenzlingen, Klasse 11, Muttersprache deutsch)



Die Wartende

Ihr Blick ertrank in schwarzer Nacht
Sehnt‘ sich nach weißen Segeln.
Ihr Aug‘ blickt‘ weit in stummer Wacht;
Hoffnung und Furcht – in Pegeln

Erwachen und versinken sie.
Man hört sie leis sich fragen,
Ob er nur je gedacht an sie
An diesen letzten Tagen

Und ob der Liebe heiße Hand
Ihn zieht zurück zum Hafen.
Der Wellen weiches blaues Band
hält ihn seit sie sich trafen.

Schon rollt die schwarze Wasserwand
Zur Wartenden zurück zum Land
Die Angst in ihrem Herz sich wand

vom meer geküsst entschlafen

(Karen Schmitt aus Weinheim, Werner-Heisenberg-Gymnasium, Klasse 11, Muttersprache deutsch)



Ertrunken

Der Fluss fließt
im Rhythmus,
unwissend
Richtung Meer.

Der Anblick des flachen
über die Steine plätschernden,
ja spielenden Wassers -
Er ist friedlich,
ruhig und
schön.

Der Fluss fließt
im Rhythmus,
unwissend
Richtung Meer.

kaum zu glauben
dass du darin einst mitgerissen wurdest
wehrlos und schwach im tosenden gewässer -
weggeschwemmt und nie
gefunden

Der Fluss fließt
im Rhythmus,
unwissend
Richtung Meer.
Dort, wo du Ruhe fandest.

(Aaron Schmidt-Riese aus Freiburg i.B., FWS Freiburg-St. Georgen, Klasse 13, Muttersprache deutsch)



Und hier die Gewinner "außer Konkurrenz"

(Jeder Teilnehmer kann maximal zweimal Leitmotivrundengewinner werden. Weitere eingesandte Gedichte werden trotzdem von der Jury bewertet. Sollte ein Gedicht nach Punkten unter den besten sein, wird es "außer Konkurrenz" veröffentlicht.)


Maskerade (2013)

Kristallen ist die Morgenflut,
ich rief dich heut' zu mir,
in engelsgleicher Grazie,
im Tanz vergehen wir.
Ich reiche meine alte Hand,
im Wasser dich zu seh’n,
um mit dir nun in weißer Gicht
der Weite
zu vergeh’n.

Ich singe dir all meine Lieder,
'drum bleib nicht länger mehr fort,
dein Blick ist fern, doch siehst du mich,
an kühlem, fernen Ort,
Ophelia, reiche mir den Arm!
Ich will dich immer tragen,
in jeder Faser, jeder Naht,
den Schritt nur musst du wagen,
ich brauche deine Jugend, deine Wärme
halt' ich nah,
der Tod, der Wassers Maske trägt,
sag', wird er dir gewahr?

(Julia Fourate aus Nordhofen, Mons-Tabor-Gymnasium, Klasse 13, Muttersprache deutsch)


o.T.

Sinken
Sie steht auf der Klippe
Lässt den Wind ihre Ohren streicheln
Ein letztes Mal noch verliebt sie sich
In die Farben, sie
Strahlen so schön
Und als sie fällt, da

Breitet sie die Arme aus
Um zu wissen wie es ist, zu fliegen
Und dann
Taucht sie
Ein und Unter
Die blaue Materie dröhnt in ihrem Kopf
Alles ist dumpf und unwirklich wie
Die Nacht
Ein letztes Wort will sie noch sprechen
Doch ihre Worte Versinken
Im Blau
Weiter
Weiter und weiter in die Tiefe

Sinkt sie
Bis schwärzeste Nacht sie umfängt
Doch
Bevor sie am Boden ist
Tanzt noch ein letzter
Lichtstrahl
Auf ihrer
Haut

(Lena Hinrichs aus Wentorf, Hansa-Gymnasium Bergedorf, Klasse 8, Muttersprache deutsch)

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