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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im Januar und Februar 201125.07.2011

Die lyrix-Gewinner im Januar und Februar 2011

Alles über den Künstler – wie das gleichnamige Gedicht von Robert Gernhardt lautete auch unser Leitmotiv im Januar und Februar. Gemeinsam mit Carl Spitzwegs Bild "Der arme Poet" aus der Neuen Pinakothek in München diente es euch als Inspirationsquelle zu Texten über Künstler und ihre Kunst. Hier sind die Gewinner der ersten Leitmotivrunde 2011.

Die Neue Pinakothek (Bayerische Staatsgemälde- sammlungen)
Die Neue Pinakothek (Bayerische Staatsgemälde- sammlungen)
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lyrix-Januar-Februar11-Deutsch als Fremdsprache

Die von euch eingesendeten Gedichte setzen sich nicht nur mit dem Bild des Künstlers, sondern auch mit dem Begriff Kunst und der Wahrnehmung von Kunst auseinander. Dabei haben die meisten von euch besonders die Malerei, die Musik und natürlich die Dichtung ausgewählt, um sie als Kunstform in euren Texten zu thematisieren. Die Ambivalenz der Kunst genauso wie ihr Zauber sind zentrale Aspekte vieler Gedichte.

Hier sind die Gedichte aus dem In- und Ausland, die die lyrix-Jury ausgewählt hat. Wir gratulieren allen Gewinnern ganz herzlich!


An der Straßenecke
Der Mann an der Straßenecke.
Du hast ihm einen Mitleidseuro
In sein Leben geschmissen
Und nicht verstanden,
Dass er dich
Angelächelt hat.

Der Alte an der Straßenecke.
Du hast im Vorbeigehen
Den Kopf geschüttelt
Und nicht verstanden,
Dass er sich von da unten
Die Schönheit der Welt ansieht.

Der Penner an der Straßenecke.
Du hast sein Fleckchen Welt
Mit Blicken beschmiert
Und nicht verstanden,
Dass er dort
Alltagswunder aufbewahrt.

Der Künstler an der Straßenecke.
Du hast ihn mit Gedanken
Bespuckt
Und nichts verstanden.


(Anna Neocleous aus Rietberg, Deutschland, Gymnasium Nepomucenum Rietberg, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


Des Dichters Wahn

Tinte entströmt meinem Denken
Wie Blut zu Blütenblattpapier
Sinne lassen sich kaum lenken
In mir tobt die Schattengier

Die Unschuldstage sind vorbei
Der wilde Hunger ist erwacht
Die Sehnsucht nach Phantasterei
Hat mich um den Schlaf gebracht

Stück für Stück zerfließe ich
Auf das Weiß werd‘ ich gebannt
Denn so bin ich ewiglich
In den Saum der Zeit gebrannt

Nur ein Platz am Himmelszelt
Jenes sei mir wohl gewährt
Wenn in den Klauen dieser Welt
Doch mein Name schon verjährt

In meinem Federspurenland
Hat Erfolg Verrat geboren
Als ich sie blind zusammen fand
Hab ich einzig mich verloren


(Sophie Garbe aus Tübingen, Deutschland, Uhlandgymnasium, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch)


Ich fragt mich, warum ich nicht rede
Ich kann - nicht, will - nicht, werd' - nicht, nein!
Mein Kopf ist voll von Formen, Farben
Wenn ihr könnt, seht einmal hinein:

Leuchtend rinnt die rote Farbe
Auf der Leinwand, wie mein Blut.
Ohne Rücksicht, jede Vorsicht
Fing ich jene Feuersglut.

Hastig zucken meine Finger,
Es ist dunkel um mich, Nacht.
Doch ich erzeuge hier, jetzt Feuer -
Noch ein Strich, es ist vollbracht!

Denn ich bin ein Zaubr'r, Magier,
Kann erschaffen, was ich will:
Innen bin ich der Reichste aller
Nur außen bin ich arm und still.


(Stephanie Klusekemper aus Rheine, Deutschland, Arnold-Janssen-Gymnasium, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch)


Geschichten

Ich hauche Papier
wieder Leben ein.
Erschaffe Welten,
allein durch mein Schreiben.
Erzähle damit Geschichten,
mal böse, mal gut,
mal politisch korrekt
oder den Kopf voller Wut.
Ich denke und dichte,
erwecke Gestalten,
die sich selbst erst
währenddessen gestalten.
Sie haben Charakter,
nicht immer akzeptiert,
wenn nicht gesellschaftsfähig,
gehasst und ignoriert.
So zerstört ruhig meine Schriften
für die ich mich quäle,
zerreißt meine Blätter,
zerreißt meine Seele.


(Joris Grahl aus Aurich, Deutschland, IGS Aurich-West, Jahrgangsstufe 13, Muttersprache: deutsch)


Tanzende Maiblumen im Kopf, im Ohr honigfarbener Duft,
eifert das schaffende Wesen nach der höchsten Ästhetik der Welt.
Unendliches Meer, Garten, Nymphen, orange leuchtende Luft.
Süßer Klang, Staunen, Seelen füllen das majestätische Sternenzelt.

Schmetterlinge singen, kreiert, lesen, Tag um Tag.
Des Alltags Spiegel sowie Flucht: Kunst, Musik, Poesie.
Unhübsche Dunkelheit, dem Menschen verwünscht, jede Nacht.
Facettenreiches Leben wie das Leben selbst träumt nie.

Getragen vom hartsanften Hauche durch Pech und Glück,
im Strom des Ungewissen schwimmt das Strebende hin und zurück.
Das Edle, zugleich Elende schreibt, sitzt am Klavier, malt,
ferne Klarinettenmelodie gibt dem beflügelten Geist keinen Halt.


(Yike Guo aus Darmstadt, Deutschland, Georg-Büchner-Schule, Gymnasium der Stadt Darmstadt, Jahrgangsstufe 13, Muttersprache: chinesisch)


schiller am neckar

bunkergleich
zementgeerdet
liegt der bau
mit schießscharten
versehen

bedrohlich große
auswüchse
abwehrverästelungen

mittelalterlich
überhängig
krähen
beschrien

unfassbar
wie bedrohliche
kriegserinnerungen

reumütig weniger
mehr agressiv
zeitverwesend


(Jan Moritz Molitor aus Gebesee, Deutschland, Oskar Gründler Gymnasium, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


Und hier die Gewinner aus dem Ausland

Alles über den Künstler

Er schrieb mir das Lächeln ins Gesicht,
Malte mir eine Träne,
Dichtete mir sein Gedicht,
Ins Herz.

Er sah mit anderen Augen,
So scharf, so stark,
Hörte und sang und spielte mir
Seine Musik,
Ins Herz.

Die Kunst ist sein Fluch,
sein Gewehr.
Einerseits schützt sie ihn,
Andererseits dient sie ihm zum Selbstmord.


(Haris Poturcović aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Erstes Gymnasium in Zenica, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: bosnisch)


Der Zauberer

Wenn dir aus Ton ein Lächeln geschenkt wird
Wenn aus der Tinte ein Fluss entspringt
Wenn aus Farben ein Regenbogen entsteht
Das ist der wahrhafte Künstler.

Wenn ein sauberes Papier zur Natur wird
Wenn von einer Ebene das Gebirge entsteht
Wenn aus Stein ein Wesen geboren wird
Das ist ein Kϋnstler in seiner Freiheit.


(Edin Ibreljić aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Erstes Gymnasium in Zenica, Jahrganggstufe 12, Muttersprache: bosnisch)

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