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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im Juli 201213.09.2012

Die »lyrix«-Gewinner im Juli 2012

Vielseitig und einfallsreich sind eure Gedichte zum Leitmotiv: "Die Einfachheit der Dinge". So sprecht ihr euch größtenteils für eine einfachere Lebensweise aus, nach dem Motto: "Weniger ist mehr".

(Deutschlandradio/A.Bütow)
(Deutschlandradio/A.Bütow)

Viele von euch wählten einen Vergleich zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart um einen Lebenswandel in unserer Gesellschaft zu beschreiben. War das Leben früher simpler als heute? Hat sich der Mensch früher mit weniger begnügt? Welche Bedürfnisse hat der Mensch? Unter diesen Fragestellungen kritisiert ihr mitunter das Leben im Überschuss.

Von Stereotypen zweier Jahrgänge ist die Rede in dem Gedicht einer Schülerin, sie schreibt: "1908 Ein Stuhl (...) 2012 Eine Sessel mit Klimaanlage (...)."

Eine andere Schülerin stellt in ihrem Gedicht eine These über die Bedürfnisse des Menschen auf: "Frag diesen und jenen, was wichtig ist. (...) Er wird nicht sagen: Luft zum Atmen. Er wird nicht sagen: Essen. Er wird an Fernsehen und Internet denken und das Wichtigste vergessen."

Andere Einsendungen beschäftigen sich mit der Frage: Was ist schon wirklich einfach? Ist es einfach: mutig zu sein? Sprichwörtlich "ins kalte Wasser zu springen"? Oder jemanden seine Liebe zu gestehen? Dazu hat ein Schüler die passende Antwort gefunden: "Einfach ist nur die Theorie."

Einige euer Gedichte haben einen Bezug zu Mutter Natur. Vielleicht habt ihr euch vom Freilichtmuseum Glentleiten in Großweil inspirieren lassen? Ihr beschreibt die Natur auf unterschiedlichste Weise. Zerstört der Mensch die Natur? Oder ist er ihr unterlegen?
Oftmals beschreibt ihr Mutter Natur als einen Besinnungs- und Orientierungsapparat, wo der Mensch Kraft auftanken und zu seinen Wurzeln zurückkehren kann.

Eine farbenfrohe Mischung an Gedichten.

Wir gratulieren den Gewinnern und präsentieren euch die Top 5:


Sommernacht

Wir tanzen auf Straßen.
Solange der Teer noch glüht
und unsere Herzen warm sind.
Im Takt der Nacht.
Angetrunkene Schmetterlinge.
Punktelos.
Denn Nachts sind alle schön.
Bunt gespannte Dreiecksgirlanden
bewegen sich im Beat.
Wir feiern unser eigene Fest für sie.
Wir brauchen kein Redbull zum fliegen,
denn unsere Gedanken verleihen mir Flügel und
die Musik lässt uns schweben,
einen Moment.
Wir tanzen uns den Schweiß aus den Füßen
und ein bisschen Blut. Aber das ist egal.
Für den Augenblick.
Denn wir wollen nicht perfekt sein.
Wir, wir haben unsere Füße um sie dreckig zu machen
und um uns Blasen zu rennen.
Wir wollen jamaikanischen Sand und Pariser Leben zwischen
den Zehen kleben haben.
Wir wollen nicht sauber sein.
Wir wollen keine Geschichte schreiben
nicht mal ein sie eingehen.
Wir wollen leben.
Der Asphalt saugt das Blut auf,
weil wir die Einzigen sind die
der Sommern nicht austrocknen lies.
Wir sind nur durstig.
Und trinken uns gierig.
Milliliter für Milliliter.
Schritt für Schritt.
Atemzug für Herzschlag.
Wir drehen uns bis wir nicht mehr wissen
ob die schwarze Katze von links oder rechts kam
und tanzen bis es uns egal ist.
Die Katze und vorhin und gleich.
Bis wir nur noch das Hier kennen.
Hier und jetzt.
Denn jetzt sind wir wunderschön.
Wunderschön bis der Teer erkaltet
und der Intro einer neuen Nacht beginnt.


(Johanna Fugmann aus Memmelsdorf, Dientzenhofer Gymnasium, Klasse 9, Muttersprache Deutsch)


Wir bauen Autobahnen
um schneller in der Natur zu sein,
versenden Küsse per Mausklick
und haben Sex im Internet.
Unser kleines Haus bei farmville laeuft bestens
waehrend unsere Kinder alleine fernsehen -

Was eigentlich, wenn die Werte
langsam an Kontur verlieren?

hdl GmbH mfg ild -
noch nie gab es so viele Woerter wie jetzt,
aber wir haben keine Zeit für Buchstaben.

Manchmal bin ich sogar zu schnell
um mir selbst zu folgen.

Ich kaufe mir ein Handy mit tausend Funktionen und verwende keine,
weil mir Zeit fehlt, die Gebrauchsanweisung zu lesen.
Ich verschiebe alles auf morgen
was auch heute geht,
weil keiner weiss,
ob die Welt morgen noch steht.

Wir befinden uns immer im Dunkeln,
weil wir uns selbst überschatten

Verrat mir, wie haelt man den Moment fest, an dem das Leben davonzulaufen drohnt?


(Larissa Hieber, aus Schwaebisch Gmünd, Hans-Baldung-Gymnasium, Klasse 12, Muttersprache Deutsch)


Besinnung

Wir folgen dem Ruf der Innovation,
Versperren uns damit selbst die Sicht,
Zerlegen die Welt in kleinste Teilchen,
Ich atme, ich fühle, reicht das nicht?

Einsam im großen Hightechgetümmel
Gibt es so viel, das wir wissen sollten.
Du brauchtest nie viel, um alles zu haben
Und trugst den Kopf doch hoch in den Wolken.

Schenk mir einen deiner Träume,
Lass mich ihn unerfüllt bewahren.
Denn sahen die Sterne nicht schöner aus,
Als sie noch kein heißes Plasma waren?

Gib mir einfach deine Hand
Und schenke mir dein Lachen.
Es sind die einfachen Dinge im Leben,
Die am meisten Freude machen.


(Katharina Weidl aus Langen, Klasse 13, Muttersprache Deutsch)


mehrFach

Einfaches Schweigen zwischen Leben und Tod.
Start, Weg, Ziel.
Und eines Tages wurde beschlossen, dass es mich gibt.
Ein Informationsbote wurde losgeschickt,
Er kannte, noch ehe meine Eltern mich erkannten, einen Teil von mir,
und war um mich bemüht.

Seine Aufgabe war einfach, Start, Weg, Ziel,
keine Schwere Formulierung, kein Roman,
Doch der Weg, den er zu gehen hatte war nicht einfach, er war teuer.
Er traf seinen zweiten Teil, vielleicht auch seine bessere Hälfte,
Sich durchgekämpft, gebissen, gerissen,
entstand bei ihrer Begegnug eine Explosion,

Fast schon Magie.
Und sie war er und er war sie.

Das war nur der Anfang des Beginns,
denn es gibt nicht nur ein Fach in meinem Leben zu belegen
mein Herzschlag Musik, meine Seele Religion, mein Körper Biologie.

Es mag einfach erscheinen, mein Leben.
Start, Weg, Ziel, Geburt, Leben, Tod.
Doch ich habe die Fähigkeit die Einfachheit meines Lebens ungültig zu machen.
Jeder Gedankengang beansprucht meine Kapazität,
Der Nerv meinen Körperlichen Schmerz mir zeigt.
Das Gelenk meine Muskeln bewegt..

Das Leben ist einfach für die Menschen,
die die Kompläxität dieses nicht begreifen,
und durch ihre Unwissenheit ihr Leben zerstören.

Denn auch sie waren einst die Magie,
sie war er und er war sie.


(Tamara Schneider aus Ellwangen, St. Gertrudis Gymnasium Ellwangen, Klasse 8, Muttersprache Deutsch)


Moloch

Neonröhren pflastern den Weg
durch die Gänge des Supermarkts

Kreischende Angebote bedrängen den Sinn.
Giftigen Plastikwolken geb‘ ich mich hin.
Rein und bleich und schwerelos.

Gefangen im Rausch der bunten Farben.
"Auch meinen Kopf, den kannst du haben
und ihn im Elektroschrott begraben",
sag‘ ich zum iPhone, das zu mir brüllt.

"Hier nimm' schon meinen Arm,
ich lass ihn dir gern hier,
war er ein Teil von mir,
ich weiß es nicht,
ich gehör nur dir.

Hier hast du auch noch mein Bein,
alles was ich hab‘ sei dein.
Nur du weißt, was die Welt
im Innersten zusammenhält."

Neonröhren pflastern auch meinen Weg
durch die Gänge des Supermarkts

Draußen scheint die Sonne.


(Amelie Möhring aus Bad Pyrmont, Humboldt Gymnasium Bad Pyrmont, Klasse 12, Muttersprache Deutsch)

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