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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im März 201322.05.2013

Die »lyrix«-Gewinner im März 2013

Wie sehr können wir unser eigenes Leben beeinflussen und wie viel Einfluss haben andere auf uns? Werden wir vom Schicksal gelenkt und hängen am seidenen Faden wie die Marionetten aus dem Kreismuseum Bad Liebenwerda?

Die Puppe am seidenen Faden (Frank Höhler)
Die Puppe am seidenen Faden (Frank Höhler)

Im März 2013 besuchten wir mit »lyrix« das Kreismuseum Bad Liebenwerda und seine Dauerausstellung über das mitteldeutschen Wandermarionettentheater. In der Zeit des 18. bis 20. Jahrhunderts zogen die Marionettenspieler vom Frühjahr bis zum Herbst mit ihren Wohn- und Packwagen von Dorf zu Dorf, um mit dem Spiel am seidenen Faden Alt und Jung zu begeistern.

Wir wollten von euch erfahren, was ihr mit dem Thema Puppenspiel verbindet. Manche haben sich an ihre Puppentheaterbesuche in der frühen Kindheit erinnert, für andere war der Begriff Puppenspiel ein Signalwort für den Druck, der von überall auf sie herein prasselt. Wieder andere haben über das Spannungsfeld "Puppe – Puppenspieler" die Beziehung zwischen zwei Menschen verarbeitet.

Wir haben wieder sehr intensive und emotionale Texte von euch bekommen.
Vorhang auf für die Top 5 im März!


Eingenommen-Puppenspiel des Lebens

Ich bin keine Porzellanfigur
aber du gibst nicht auf
mich zu Bruch zu bringen
immer weiter wirst du
Stück für Stück ein Teil von mir
ich will mich nicht von dir
lenken lassen
glaub nicht, dass ich schwach werde
glaub nicht, dass ich aufgebe
du willst über mich entscheiden?
nur über meine Leiche
meinen Körper magst du
kleinkriegen
aber meinen Willen nicht
Glaub mir, Sarkom, mich
brichst du nicht

(Caroline Pfeffer aus Hofheim, Klasse 13, Eichendorffschule, Muttersprache Deutsch)


Marionette oder Marionettenspieler

Eine leblose Puppe schien ich zu sein:
Ich sprach nicht,
ich bewegte mich nicht,
ließ keine Gefühle zu.
Atmete kaum hörbar,
atmete um zu leben,
aber wozu lebte ich,
doch nicht nur um zu atmen?
Um eine Marionette im Leben zu sein?
Eine Marionette mit der gespielt wird,
an ihren Fäden nach Lust und Laune gezogen wird?
"Nein, ich bin ein Individualist,
ich bewege mich, wenn ich will,
ich spreche, wenn ich sprechen möchte.
Ich tue, wonach mir ist,
ich habe Gefühle,
ich freue mich,
freue mich für Sachen, die selbstverständlich scheinen,
ich bin verliebt,
weil ich Gefühle habe
und bin verletzt, wenn mit mir,
wie mit einer Marionette gespielt wird."
Menschen, die willensstark sind,
nehmen ihre Fäden selber in die Hände,
was wärst du gerne, eine Marionette,
oder der Marionettenspieler?

(Karina Mamyan aus Stuttgart, Klasse 11, Ferdinand-Porsche-Gymnasium, Muttersprache Deutsch und Russisch)


Marionetten

Sie hängen
Im Theater, Luft, Stille
Man spürt
Kinderlachen im Raume, das herrschte
Stunden zuvor
Sie werden
Nicht bewegt nur der Luftzug
Steuert
Normalerweise
Werden die Fäden gezogen
Von ihm, niemand weiß wer er ist,
man kann ihn nicht sehen
man spürt nur
ruckartige Bewegungen die
Arme hochreißen

Sie hängen
schwach dort und mitgenommen
Fäden aufgefasert, Spliss
sie wollen rennen, Scheren
sollen zerschneiden ein Leben, das wurde
von ihm gesteuert
sie wissen nicht wer er ist, wissen nur
sie wollen los und weg
doch wie schneiden
wie Scheren besitzen
wenn man nicht aus eigener Kraft die Arme heben kann
und schneiden
um dann doch nicht zu rennen weil die Beine knicken

Sie hängen
immer noch
schwach dort und mitgenommen
voll mit wehleidigen Hoffnungen und Träumen
schlaffe Bewegungen nicht mal er kann sie
lebenslustig machen
denn er weiß nicht
weiß nicht wie sehr sie in ihren Träumen
rennen.

(Lena Marie Hinrichs aus Wentorf, Hansa-Gymnasium Hamburg-Bergedorf, Klasse 7, Muttersprache Deutsch)


Am seidenen Faden

Dein Leben hängt am seidenen Faden
doch liegt er nicht in deiner Hand

Du tanzt nach anderer Leute Pfeife
du hast es bloß noch nicht erkannt

Dir ist es zu wichtig was andere denken
du lässt dich von ihren Sprüchen lenken

Du hast keine eigene Meinung mehr
dich zu beeinflussen ist nicht schwer

Du wirst von fremdem Willen gelenkt
und am eigenen seidenen Faden erhängt

(Lucie Roth aus Köln, Montessori-Gymnasium Köln, Muttersprache: Deutsch)


Talent am Faden!

Leise tapsen meine Füße über den hölzernen Boden
Es ist still
Ganz still
Wie jeden Samstag
Alle sehen zu wie ich tanze
Hüpfe von links nach rechts
schlendere von rechts nach links
Alles kontrolliert
Jede einzelne Bewegung
Über mir Gestalten, die mich durch den Alltag lenken
Ohne sie unfähig
Würde auf den Boden fallen
Würde mir die Beine brechen
Vielleicht sogar sterben
Hätte ich doch auch gerne dieses Talent
DAS TALENT AM FADEN!

(Jessica Röhrs aus Reeßum, Klasse 10, Gymnasium Sottrum, Muttersprache Deutsch)

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