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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im Mai 201017.06.2010

Die lyrix-Gewinner im Mai 2010

Im Mai haben wir euch um Gedichte zum Thema "Wie immer" gebeten.

Zimmer (AP)
Zimmer (AP)

Als Vorlage diente euch ein Gedicht von Robert Walser, in dem das lyrische Ich aus seiner Routine ausbrechen möchte, letztendlich aber alles "Wie immer" bleibt. Auch ihr habt in euren Gedichten von der Sehnsucht nach Veränderung geschrieben. Viele von euch haben monotone Alltagssituationen beschrieben, in denen man gefangen ist. Aber auch immer wiederkehrende Erinnerungen an eine glückliche oder unglückliche Liebe waren häufig Thema in euren Gedichten.

Im Juni lautet unser Leitmotiv: Verfehlungen

Vielen Dank für eure Gedichte! Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern!

Hier die Gedichte der Monatsgewinner aus dem In- und Ausland:



wie immer

barfuß am morgen
der spiegel im bad
hält sorgen verborgen
schickt dich in den tag
monoton gehst du schwer
nichts besser nichts schlimmer
grau kalt und leer
bleibt alles wie immer

verwundet am abend
die maske fällt ab
hat dir nichts zu sagen
schickt dich in die nacht
monoton stellt der tisch
dir ein stuhlbein im zimmer
du fällst bis du schläfst
bleibt alles wie immer

friedlich die nacht
du atmest ganz leise
träumst mutig bedacht
schickst dich auf die reise
monoton wirst du farbig
bist kurz der gewinner
von dem grau das dich bricht
- bleibt alles wie immer


(Christiane Heidrich aus Vaihingen/Enz, Deutschland, Friedrich-Abel-Gymnasium, Jahrgangsstufe 9, Muttersprache: deutsch)


Erinnerung

Erinnerung sind meine Träume,
nicht Hirngespinst, nicht Phantasie
und alle Nächte kehrn sie wieder,
erfülln den Schlaf, verschwinden nie.

Erinnerung an vergangne Tage
-ein Kuss im Sonnenuntergang-
ist er auch schon lang verklungen,
kehrt er doch ein Leben lang

jeden Abend, immer, wieder,
wenn der Schlaf mich sanft umschlingt
und den Kuss in allen Nächten
mir in Träumen wieder bringt.


(Oliver Riedmüller aus Fürth, Deutschland, Heinrich-Schliemann-Gymnasium, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


zeitschleife

wir klemmen tage sachte zwischen unsere finger lassen sie am abgrund fallen sehen ihnen nach wie zarten federn lange und vielleicht zu mild

sie werden leer geboren und
sterben leer und sterben leer
und wenn wir das erfahren bringen sie uns mit hochrotem kopf ins krankenhaus

Die diagnostizierte Monotonie stößt
gellende Schreie aus
kahle weiße Hausflure bringen sich
selbst zum Einsturz

Das blümchenbestickte Sofa geht
in Flammen auf
tägliche Routen lassen sich bereitwillig vom Erdboden verschlucken

kochendes Blut kühlt ab

wir klemmen tage sachte zwischen unsere finger lassen sie am abgrund fallen sehnen ihnen nach wie zarten federn


(Jonas Kohnen aus Ludwigshafen, Deutschland, Heinrich-Böll-Gymnasium Ludwigshafen, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch)


Alltag wie immer

Er fuhr nach Hause wie immer.
Er war müde wie immer.
In der Straße stank es wie immer.
Er seufzte tief wie immer.
Laut quietschte die Tür wie immer
und leise weinte die Frau wie immer.
Sie liebte ihn,
wie immer.
Doch es war zu wenig wie immer.
Der erste Schluck brannte im Hals wie immer.


(Lena Fillies aus Hamm, Deutschland, Marie-Curie-Gymnasium, Jahrgangsstufe 13, Muttersprache: deutsch)


Aus dem Tagebuch eines Alltagsmenschen

Morgens:
Im Gesicht noch den Schatten der Nacht
Unter monoton grauen Lidern
Und nur Uhrenzeiger unterscheiden
Stunden
Ein Blick in den Spiegel:
Es ist alles wie
Gestern

Mittags:
Im Gesicht noch die Fadheit des Morgens
Unter monoton grauen Pupillen
Und nur Wochentagsnamen unterscheiden
Tage
Ein Blick in den Spiegel:
Es ist alles wie
Morgen

Abends:
Im Gesicht noch die Öde des Mittags
Unter monoton grauen Augen
Und nur Kalender unterscheiden
Jahre
Ein Blick in den Spiegel:
Es ist alles wie
Immer


(Anna Neocleous aus Rietberg, Deutschland, Gymnasium Nepomucenum Rietberg, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: griechisch und deutsch)


Wie Immer

Er dreht in seinem Viertel Runden
wie immer all die Jahre lang
Getränke, Lichter, Frauen, Stunden
der Freiheit lieblicher Gesang

Wie immer küsst die Nacht den Morgen
des Nachtes Glittzer leis erlischt
da kommen Kummer, kommen Sorgen
von seinen Schmerzen kalt erwischt

Er fühlt sich ganz doch ist verloren
sie flog wie eine Möwe weg
sein Herz für alle Zeit erfroren
in seiner Epik schwarzer Fleck

wie immer werden Wellen rauschen
und er wird atmen, fröhllich tun
und jede Woche Frauen tauschen
denn er wird nicht ohne sie ruhn


(Alina Karasseva aus Ketsch, Deutschland, Carl Friedrich Gaus Gymnasium, Jahrgangsstufe 9, Muttersprache: russisch)


Mein Kaffee

Mein Kaffee.
Wie immer stark.
Wie immer süß.
Und wie immer perfekt.

Er schmeckt
nach verbotener Frucht.
Er zergeht
in meinem eisigen Blut.
Er riecht
nach Eukalyptus.
Mit einem Tropfen bitteren Zimtes.

Mein Kaffee.
Wie immer stark.
Wie immer süß.
Und wie immer perfekt.

Er brennt
ruhig und gelassen.
Er heizt
meine arme Tasse.
Er wartet
auf deinen Atem.
Mit einem Tropfen Schokolade.

Du kommst.
Wie immer stark.
Wie immer süß.
Und wie immer zu spät.


(Valentyna Bilokrynytska aus Tscherkassy, Ukraine, Cherkaska Himnazija Nr. 31, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: ukrainisch)


Wie immer

Ich wache auf,
muss zur Schule.
ich komm' nach Haus,
Hausaufgaben machen.
Ich schaue aus dem Fenster,
es ist schon Abend.

Jeden Tag
immer dasselbe...
Tag und Nacht
alles wie immer...

Muss es sein?
Wird sich nichts verändern?
Muss nicht sein!
Ich will alles verändern.

Ich wache auf,
die Sonne scheint.
Ich komm' nach Haus,
Lächeln im Gesicht.
Ich schaue aus dem Fenster,
meine Hündin spielt.

Das wie immer kann sich verändern,
man muss es nur mit anderen Augen sehen!


(Isabella von Wallwitz aus São Paulo, Brasilien, Colégio Visconde de Porto Seguro, Jahrgangsstufe 6, Muttersprache: portugiesisch)


Nur ein Sommer

Rosen blühen - wie immer,
wenn der Frühling geht,
und der Sommer sich nähert.

Du stehst vor mir,
deine Augen glänzen
im Abendsonnenschein.
Du reichst mir Rosen,
schöne, rote Rosen.

Ich schließe die Augen,
und rieche diesen süßen,
frischen Duft, ich weiß,
du lächelst und ich
lächele dann zurück.

Du stehst nicht mehr bei mir.
Meine Augen glänzen,
aber hinter Tränen,
ich sehe die Blumen nicht.

Ich weiß doch, dass
Rosen verwelken - wie immer,
aber das nicht, dass
es so weh tut - wie nimmer
vorher in meinem Leben.

Der Wind weht Rosenduft
abends zu mir - wie immer.


(Katalin Élo aus Gyor, Ungarn, Révai Miklós Gimnázium és Kollégium, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: ungarisch)


Die Sonne scheint wärmer
Die Natur erwacht
Es ist uns lieb, wenn alles blüht
Wie immer… Dann sind wir lustig

Wie bewundern die Natur
Und säen und pflanzen viel im "Garten"
Es ist uns nützlich, arbeiten zu lernen
Wie immer… Dann sind wir fleißig

Da kommt der Herbst
Wir freuen uns auf die Ernte
Es ist uns interessant, was es uns gelungen ist
Wie immer… Dann sind wir stolz

Da kommt die Zeit
Wir sind noch jung, die Eltern alt
Es ist uns sehr angenehm, für sie sorgen zu kommen
Wie immer… dann sind wir herzlich


(Julija Kalysch aus Rivne, Ukraine, Geisteswissenschaftliches Gymnasium, Jahrgangsstufe 8, Muttersprache: ukrainisch)

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