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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im Mai 201201.06.2012

Die »lyrix«-Gewinner im Mai 2012

Das Schiff ist auf einer Reise aber bei Weitem nicht das einzige Transportmittel. Eure dichterische Reise führte euch mit Fernweh und "weit gespannten Flügeln" wie ein Adler über Täler und Berge, über ratternde Gleise oder die Autobahn, nach New York und einmal um die ganze Welt, auf Schatzsuche unendlichen Horizonten entgegen oder auch ganz woanders hin – in die eigene Seele.

(Deutschlandradio)
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Die Gedichte, die ihr uns geschickt habt, zeigen, dass man bei einer Reise eben nicht nur andere Länder und Welten entdecken kann, sondern auch etwas ganz Naheliegendes: sich selbst. So dichtete ein Schülerin: "Ich selbst sprach zu mir leise, ich begleitete mich selbst, auf meiner AbenteuerReise." Auch stand in euren Gedichten die Reise als eine Metapher für Orientierung im Leben: "Wo komme ich her und wo will ich hin?", fragte eine andere Schülerin in ihrem Gedicht. Wir haben uns gefreut, dass ihr uns auf eure dichterische Reise mitgenommen habt.


Unsere Jury hat die fünf besten Gedichte ausgewählt.

Wir gratulieren den Gewinnern und präsentieren euch die Texte der Leitmotivrundengewinner aus dem Mai 2012:



papierschiffe


treiben auf gesalzenem süßwasser
gefaltet aus blickmomenten
heimlich gestorben in dunkelkammern

versinken langsam
in gesichtsabdrücken
im ruhiger werdenden
erinnerungsmeer

nur manchmal durchstoßen
segelspitzen die oberfläche
und reisetränen sprießen
zerfließen mit abenteuerlachen
zu grundwasser



(Benita Salomon aus Schriesheim, Kurpfalzgymnasium, Klasse 12,
Muttersprache Deutsch)



reise in meine seele


langsam von sanften wellen getrieben
gleitet mein boot übers wasser dahin
alles ist hinter mir zurück geblieben
nur ich allein reise so wie ich bin

die paddel hab ich längst abgegeben
die augen zum horizont gerichtet
was mich nun führt sind gefühle im leben
in meine seele die liebt und dichtet

so weit so weit taucht meer vor mir auf
und schließlich kehre ich langsam zurück
mein blick gleitet sacht zum himmel hinauf
so weit so weit und so voller glück

ich nur nicht die dauer meiner reise hier nennen
weiß aber wohl wo führte sie hin
denn auf meinem weg lernte ich erst kennen
was in mir schlummert wer ich wirklich bin



(Karen Schmitt aus Weinheim, Werner-Heisenberg-Gymnasium, Klasse 10,
Muttersprache Deutsch)



Ein Happen Ewigkeit

Vom Felsenlicht gebadet
lieg ich im Sonnenmeer
und spüre
die unberührten Ewigkeiten
die diese Tage zeichnen

auf fast vergilbtes Pergament
zerknittert
vom genormten Taktgefühl
der profitablen Masse
gnadenlos im Netz versponnen
aber wenigstens im Takt

doch von allen Fesseln losgerissen
und von aller Sehnsucht beflügelt
strömt Adrenalin
durch meinen kräftezehrenden Körper
zieht mich in schwindende Höhen
auf den Gipfel meiner Welt
und hier steh ich
mit Schrammen vom Fels
mit Augen voll Glück

vom Alltag gezeichnet
doch mit Momenten bestückt



(Luca-Franziska Detemple aus Rottweil, Albertus-Magnus-Gymnasium, Klasse 13, Muttersprache Deutsch)



Pulsieren.
Polaridfotos,
Gedanken
und Pulsieren.
Und die Polaridfotos
hängen von meiner Schädeldecke.
Blasse.
Und Große.
Und alles dazwischen.
Und ab und zu leuchten welche
Oder pulsieren.
Und überall dazwischen Gedanken.
Sie klaben an Nervensträngen,
umrahmen die Polaridfotos,
spannen sich quer darüber,
verschleiern sie,
ersetzen die Konturen
und formen Neue.
Sie wachsen
und schrumpfen.
Zerreißen,
lösen sich auf,
ersetzen Fotos,
werden von ihnen ersetzt,
entstehen auf's Neue.
Und sie pulsieren.
Teilweise.
Zerschnüren die Polaridfotofäden
und nehmen ihren Platz ein.
Sie scnörkeln und ranken,
wabern.
Tropfsteinhöhle.
Tropfsteinhöhle und Pulsieren.
Eine Höhle aus Gedanken und Polaridfotos.
Und sie fallen zu Boden.
Vollkommen willkürlich.
Vollkommen und willkürlich
und pulsierend.



(Johanna Fugmann aus Memmelsdorf, Dientzenhofer-Gymnasium Bamberg, Klasse 9, Muttersprache Deutsch)



In 80 Tagen um die Welt

Es ist schon ein paar Jahre her,
da hatt' ich Lust zu wetten
mit dem Reform Club wettet' ich,
ich war nicht mehr zu retten

In 80 Tagen um die Welt
so sollt' die Wette heißen
wenn ich gewann bekäm ich Geld
so beschloss ich zu reisen

Ich eilt zum Zug,fuhr nach Paris,
der erste Teil der Reise
Gemeistert hatte ich den Weg
auf eine schlaue Weise

Der zweite Teil folgt' mit dem Schiff
nach Bombay sagt' die Wette
doch an mir hing Detektiv Fix
wie eine feste Klette

Er folgte mir von Schritt auf Tritt
Vom Morgen bis zur Nacht
Ich hätt' wohl 'ne Bank ausgeraubt,
auf mir lag der Verdacht

Ich schaffte es ihm zu entkommen,
nahm mir `nen Elefant
nach Hongkong ging die Reise nun,
Ich wartete gespannt.

Und weiter ging die Reise,
die halbe Welt lag noch vor mir
schon kam ich nach Chicago,
doch ich blieb nicht lange hier.

Zwischendurch noch ein paar Länder,
die zu nennen ist`s nicht wert,
denn ich habe sie geschwind
mit Schiff und Zug schnell überquert

Das letzte Schiff nach Liverpool!
Ich war in voller Hast
ich sprintete zum Hafen schnell
doch hab ich es verpasst

Letztendlich gerettet
in voller Gänze
hat mich wohl nur
die Datumsgrenze



(Lucie Roth aus Köln, Montessori-Gymnasium, Klasse 6, Muttersprache Deutsch)

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