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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im November und Dezember 201120.01.2012

Die lyrix-Gewinner im November und Dezember 2011

Als Inspirationsquelle für das Leitmotiv "im Schnee" dienten euch in diesen Monaten ein Gedicht von Jürgen Becker sowie ein Bild des Impressionisten Alfred Sisley aus dem Von der Heydt-Museum Wuppertal. Jetzt stehen die Gewinner für November/Dezember 2011 fest!

Eine Flussansicht von Alfred Sisley im Von der Heydt-Museum Wuppertal. (picture alliance / dpa / Marius Becker)
Eine Flussansicht von Alfred Sisley im Von der Heydt-Museum Wuppertal. (picture alliance / dpa / Marius Becker)

Das Gedicht "im Schnee" von Jürgen Becker beschreibt eine Winterlandschaft und eine Schneewanderung. Durch den Einsatz vieler Adjektive und die Aneinanderreihung der Wörter verleiht Jürgen Becker der schneebedeckten Landschaft eine beschwerliche Stimmung. Auch in Alfred Sisleys Gemälde wirkt der Winter eher melancholisch.

Von euch wollten wir wissen, welche Stimmungen ihr mit der Winterzeit und dem Schnee verbindet. Denn oft bedeutet Schnee ja auch Freude und Spaß, der über trübes Winterwetter hinwegtröstet.

Uns haben viele Gedichte erreicht, von denen gleich mehrere verschneite Winterlandschaften beschreiben. Die Verzauberung der Umgebung und die Veränderung der Natur standen besonders oft im Fokus eurer Gedichte. Doch auch Winterstimmung allgemein und die Stimmungen und Emotionen, die ihr in dieser Jahreszeit empfindet, kamen in euren Gedichten vor. Sogar ein politisches Gedicht und die lyrischen Analysen von Schneeflocken haben uns erreicht. Und auch wenn Schnee in diesem Winter bislang eher Mangelware war - ihr habt wieder richtig viel Kreativität bei der Umsetzung unseres Leitmotivs bewiesen!

Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern! Jetzt haben wir alle Monatsgewinner aus dem letzten Jahr zusammen und können mit der Auswahl der Jahresgewinner beginnen. In den nächsten Wochen werden die 12 Gewinner dann hier bekanntgegeben.

Hier die Texte der Leitmotivrundengewinner aus dem Inland:

Schneewittchen

Haut aus Schnee, Lippen aus Blut,
Ebenholzaugen in denen die Antwort ruht.
Klirrendes Lachen, ein Lächeln aus Eis
tötet aus Spaß, nicht auf Geheiß.
Schreckliche Schönheit, in der Winternacht
farblose Braut, die über deine Schmerzen lacht.

Lautlose Schritte im Nebelwald,
zitternde Hände, unsterbliche Gestalt.
Kreischende Sterne, ohne Licht,
Keine einzige Träne, makelloses Gesicht.
Zeigt keine Regung, eine Todesfee,
Eisernes Grab im ewigen Schnee.

Lautloser Schrei, aus deinem Mund,
verführt zu springen, lebender Abgrund.
Farblose Hände, rotgebrannt,
glitzernde Kälte, stiehlt den Verstand.
Verzehrt deine Seele, trinkt deine Zeit,
raubt sich dein Leben, in Ewigkeit.


(Isabelle Neumann aus Ludwigshafen, Deutschland, Heinrich-Böll-Gymnasium, Klasse: 7, Muttersprache: deutsch)

Wintersucht

ich greife immer wieder nach
schneeengelzeichen wenn die
luft schweigsam eingehüllt ihr winter-
lied summt und kälte in groß-
buchstaben an die berge
projiziert und mir sanft lebkuchen-
duft auf die lippen küsst

sei mein zimtsternwintertee
wenn schneespurengeflüster
verführerisch an die fenster klopft
aber du fehlst du fällst du
wickelst mich in eine decke
aus schnee wiegst meine fantasie
in sonnenstaub nur kurz
noch kurz bis ich glasstarr
und eisklar meine arme
um schneeengel werfe


(Benita Salomon aus Schriesheim, Deutschland, Kurpfalzgymnasium Schriesheim, Jahrgangsstufe: 12, Muttersprache: deutsch)

Die Schneekönigin

Tränen schwer von Eis und Schnee,
tropfen sachte, flüstern leise,
und es ist des Abends Weh,
die Nachtigall zieht ihre Kreise.
Der Wald, der Fluss, des Schlosses Zinnen,
auch du, mein sehnsuchtsvolles Herz,
und über meine Wangen rinnen,
Perlen voller Pein und Schmerz.
Und mit jedem neuen Tag,
stirbt ein Teil der Seele mein,
die Felder und die Wiesen karg
im hellen Wintersonnenschein.

Und kehrt der junge Frühling wieder,
vergeht still auch die Königin,
die Vögel singen ihre Lieder,
mich zieht’s in ferne Länder hin.
Doch ist mein Herz so schwer von Kummer,
meine Freunde
Wald und Fluss,
liegen noch in Eisesschlummer,
wenn ich nach Hause kehren muss.
Und gar nichts kann es mir ersparen,
schmerzt der Abschied noch so sehr,
werde euer Bild bewahren,
bis zu meiner Wiederkehr.


(Julia Fourate aus Nordhofen, Deutschland, Mons-Tabor-Gymnasium, Jahrgangsstufe: 11, Muttersprache: deutsch)

Schneeflocken

Wir waren Winterwunder
Waren wahre Wonnekinder
Wir waren woanders
Wir waren weiß

Wochenlang waren wir wiedergekehrt
Willkommen, Wintermärchen
Wunderbare Winterzeit
Willkommen, Wachskerzen, Weihnachtspunsch

Wir waren Wächter weißglitzernder Wiesen Weiße Weltbedecker Wollten Weihnachtsstimmung wecken Wurden wohltuend wahrgenommen

Wir wurden Wasser
Waren weg
Wir waren woanders
Wir werden wiederkommen.


(Lisa Schregle aus Passau, Deutschland, Staatliche Fachoberschule Passau, Jahrgangsstufe: 12, Muttersprache: deutsch)

Verlockender Schnee

Ziehe mir meine Stiefel an
Streife mir meine Winterjacke über
Und gehe hinaus
Vor mir
Liegt eine weiße Welt
Jetzt kommt die Sonne durch die Bäume hindurch
Erwärmt die weiße Welt
Jetzt glitzert der Schnee
Ich gehe einen Schritt vorwärts
Und sehe meinen glitzernden Fußabdruck
Nun da alles mit Schnee bedeckt ist
Sind die Bäume
Nur noch wenig braun
Die Blätter sind schon abgefallen
Und jetzt stehe ich unter einem weißen Geäst
Ich lege mich in den Schnee
Und versinke in dem weißen, weichen Puder
Der Schneeengel den ich gemacht habe
Wird wieder von neuem Schnee verdeckt
Ich will die weiße Welt nicht verlassen
Doch ich gehe nach Hause
Ziehe mir meine Stiefel aus
Streife mir meine Winterjacke ab
Und versinke in den weichen Kissen meines Bettes


(Lena Marie Hinrichs aus Wentorf bei Hamburg, Deutschland, Hansa-Gymnasium Hamburg-Bergedorf, Klasse: 6, Muttersprache: deutsch)

Vorbei

Ein schmaler Pfad führt
durch die Dünen
nur Sand und Eis
Schnee und Meer

Tausend Edelsteine glitzern
unter meinen Füßen
und wie Glas zerbricht
das Eis, Kristalle zerspringen

Ich seh das Ende der Welt
fühle das Ende der Zeit
laufe soweit die Beine tragen
höre endlich auf zu warten

Vergesse mich, vergesse dich
und versinke im Grund
das Universum ist gebrochen
ich tus ihm gleich


(Saskia Balser aus Ranstadt, Deutschland, St. Lioba-Schule, Jahrgangsstufe: 11, Muttersprache: deutsch)


Hier die Gewinner aus dem Ausland:

IM SCHNEE

Ich stehe im weißen Meer
Das Meer reicht mir bis zum Knie
Um mich fällt ein silbender Staub
Der mein Gesicht sanft schmeichelt
Das Meer wächst und wächst
Alles wird weiß
Meine Fußstapfen sind
Schon weg, unsichtbar
Die dicke Decke aus Schnee
Enthüllt mich, lässt mich nicht gehen
Aber ich fühle mich
Sicher, gemütlich
Frische Luft, mit Schneeflocken gemischt
Füllt mich mit Wärme aus
Während sich die Bäume in dem Wind
Leicht vorn und hinter schwingen
Man hört nichts außer den Flocken
Die sanft auf den Boden fallen
Und ich schließ die Augen
Lasse mich ins Meer senken


(Haris Sestan aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Erstes Gymnasium Zenica, Jahrgangsstufe: II-6, Muttersprache: bosnisch)

Schneeflocken

Jede Schneeflocke
wie ein Stern
hat irgendwo ihren Menschen.

Sie sucht nach ihm,
wie ein Mensch seinen besten Freund sucht,
wie eine Biene eine Blume sucht,
wie der Tag die Nacht sucht,
wie ich dich such'.

Und sie weiß,
dass sie ihn eines Tages findet.
Eines Tages wird sie seiner Hand
einen kalten Kuss für immer geben.
Sie wird da glücklich sterben.

Und wenn nicht,
dann wird sie ihm ihre Liebe aus Schnee schenken
und wird ihre Tränen für immer
in den tiefsten Ozean an der Welt schicken.


(Amina Curic aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Erstes Gymnasium Zenica, Jahrgangsstufe: II-5, Muttersprache: bosnisch)

Und hier die Gewinner "außer Konkurrenz":

(Jeder Teilnehmer kann maximal zweimal Leitmotivrundengewinner werden. Weitere eingesandte Gedichte werden trotzdem von der Jury bewertet. Sollte ein Gedicht nach Punkten unter den besten sein, wird es "außer Konkurrenz" veröffentlicht.)


Ausgenommen der Wertung:

Meine letzte Winternacht

Ein letztes Ausatmen
und schon ist es zu Ende

Alles, was ich liebe
wird zu Asche
und verschwindet im Wind.
Ich suche mein Herz
im Schnee,
aber meine Seele erfriert.
Und die Ewigkeit kommt nicht,
sie dauert zu lange.

Diese Kälte erschwert mir das Schreiben,
mein einziger Freund,
und lässt mein Herz
langsam aufhören zu schlagen.
Ich fühle nichts mehr.
Ich bin leer.
Ohne Liebe, ohne Hass,
aber die Ewigkeit kommt nicht,
sie dauert zu lange.

Meine Erinnerungen bleiben hängen
in getrockneten Ästen,
die vorhin für das Leben von
tausenden Lebewesen gesorgt haben.
Meine Augen sehen alles verschwommen
und leise tropfen Tränen
über meine kalten Wangen.
Trotzdem kommt die Ewigkeit nicht,
sie dauert zu lange.

Mein Mund trocknet aus
während du mich küsst
und stumme Wörter aussprichst,
da ich den Klang deiner Stimme
nicht mehr hören kann.
Ich bin leer.
Ohne Liebe, ohne Hass,
aber in Frieden kommt endlich die Ewigkeit.

Meine letzten Wörter als Dichterin für die Welt
Ein letztes Mal ausatmen
und schon ist es zu Ende


(Isabella von Wallwitz aus São Paulo, Brasilien, Colégio Visconde de Porto Seguro, Jahrgangsstufe: 7, Muttersprache: portugiesisch)

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