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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im Oktober20.11.2009

Die lyrix-Gewinner im Oktober

Veränderungen

Unser Oktober-Leitmotiv "Veränderungen" war angelehnt an "Tag der Einheit" von Heinz Kahlau.

Das Brandenburger Tor am 9. November 1989. (AP)
Das Brandenburger Tor am 9. November 1989. (AP)

Veränderungen gehören zum Leben. Mal fassen wir sie als etwas Positives auf, mal kommen sie unerwartet und nicht immer freuen wir uns über das, was sie mit sich bringen. Eure Gedichte im Oktober haben sich auf ganz unterschiedliche Weise mit diesem Thema befasst, sie handelten von gesellschaftlichen und politischen, aber auch von privaten Veränderungen.

Im November lautet unser Leitmotiv: Der Mond

Hier die Texte der Monatsgewinner, die unsere lyrix-Jury ausgewählt hat:


Nun halt ich wieder deine Hand

Stumm schlafen Gewehre im Schutt
verlassen liegen sie jetzt unberührt
erzählen leise ihre Geschichten
von sich zitternd krümmenden Fingern

Schlaff hängt abgenutzter Stacheldraht
an nun toten Barrieren herab
nutzlos erinnert er nur noch
an die hier endenden Träume

Lachend laufen Kinder durch jenen Streifen
zwischen den zwei Mauern, spielen fangen
doch Einschussstellen im harten Beton
lassen Todesschreie nie verklingen

Friedlich wächst aus grauem Stein
von einer weißen Taube eingesät
warnend eine blaue Blume
und sendet ihre Nachricht aus

Vergiss-Mein-Nicht!


(Anna Neocleous aus Rietberg, Gymnasium Nepomucenum, Klasse/Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch/griechisch)





Asphalt

Irgendwo
Atmet ein Mädchenmund
Verdampfende Zeilen ins Nichts.
Irgendwo
Wankt ein suchender
In den Schwaden des ersten Lichts.

Und irgendwo
Dampft der Asphalt
Noch von der Wärme der Nacht
Wie kriechender Nebel
Und mir wird kalt
Weil der Morgen die Straßen verlacht.

Irgendwo
Wischt der erste Frost
Das Lächeln von deinem Gesicht.
Irgendwo
Wird der letzte Hauch Sommer
Zu klirrendem Eis und
Zerbricht.

Und irgendwo
Dampft der Asphalt
Noch von der Wärme der Nacht.
Und kriechender Nebel dringt unter mein Kleid
Und holt mich zurück in die Wirklichkeit
Wo die Kälte die Träume verlacht.

Irgendwo
Vorm geschlossenen Kiosk
Bellt ein vergessener Hund.
Und Irgendwo
Kurz vor Sonnenaufgang
Kotzt ein zitternder Mädchenmund
Seine Seele ins Bahnhofsklo.

Und Irgendwo
Dampft der Asphalt
Noch nach vom nächtlichen Beben.
Doch der Winter kommt näher
In Nebelgestalt
Und bebend
Beugt sich das Leben.


(Josefine Berkholz aus Berlin, Romain Rolland Oberschule, Klasse/Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: deutsch)




Schatzkarte

berühre mich
doch sei vorsichtig
du hinterlässt die Spur
auf meiner Haut
wenn niemand sieht
was auf mir geschieht
es heilt mich keine Uhr
es bleibt
auf meiner Haut
du zeichnest Flüsse
und Hochgebirge
die Küste und das Meer
mit deinem Stift
der wässrig ist
den ich um All betör
du zeichnest eine Welt
die deine ist
und mir volkommen fremd
du baust auf mir ein Zelt
welch deines ist
und dich vom Leben trennt
verfremdest mich
und ich erkenne mich
im Spiegel zweierlei
denn ich bin ich
und deine Karte
ich weiß, bin ich auch frei
hast du auf mir gemalt
und mich gezeichnet
als deines
du bist auf mir gewandert
und ich wusst doch
du wirst
-
nicht meines


(Martin Piekar aus Bad Soden, Friedrich- Dessauer- Gymnasium, Klasse/Jahrgangsstufe 13, Muttersprache: deutsch)




Zustandsveränderung

Wir sahen und es haben gesiegt
zwei Herzen übereinander;
So hab ich dich, du mich gekriegt,
so fanden wir zueinander.

Wir haben geliebt und wir haben gelebt,
zwei Herzen miteinander;
Wir sahen und es haben gestrebt
zwei Seelen voneinander.

So gingen dann auch Stück für Stück
zwei Herzen auseinander;
Wir sahen und es blieb zurück
die Erinnerung aneinander.


(Oliver Riedmüller aus Fürth, Heinrich-Schliemann-Gymnasium Fürth, Klasse/Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)




Veränderungen

Ich steh vor dem Spiegel und finde mich nicht
Was ist mit mir los?

Warum sind mir die Hosen zu eng?
Warum muss ich einen BH tragen?
Was sollen diese Pickeln in meinem Gesicht?
Was ist mit mir los?

Warum kaufe ich gerne Kleider?
Warum sehe ich nicht schöner aus?
Warum schaut dieser Junge immer zu mir?
Was ist mit mir los?

Meine Mutter sagt, ich streite nur
Mein Vater sagt, ich schreie nur
Mein Bruder sagt, ich denke nur an mich

Ich weiß nicht, was mit mir nicht stimmt
Ich bin nicht mehr ich
Wer bin ich?

(Isabella Correa von Wallwitz aus São Paulo (Brasilien), Colegio Visconde de Porto Seguro, Klasse/Jahrgangsstufe 5, Muttersprache: portugiesisch)



Blau

Als ich dich sah,
in deine Augen blickte
waren sie blau,
und dein Hemd war blau.

Als ich dich liebte,
wurde mein rotes Kleid blau.

Jetzt wenn ich dich nicht mehr sehe
und nicht mehr liebe
sind nur noch die Wände meines Zimmers
blau.

(Renata Kocan aus Virovitica (Kroatien), Gymnasium "Petar Preradovic", Jahrgang 1993, Muttersprache: kroatisch)



Der Tag

Ein Tag wie jeder andere
Ich hab' dich kennen gelernt
Meine Augen... deine Augen
Mein Lächeln... dein Lächeln
Haben sich getroffen

Bei mir hat sich alles verändert
Es war nicht mehr
Ein Tag wie der andere
Sondern der Tag
Den ich nie vergessen werde

Es hat sich alles verändert
Bei mir... Bei dir
Bei uns

(Felícia Marques aus Ramada Odivelas (Portugal), Deutsche Schule Lissabon, Klasse/Jahrgangsstufe 9, Muttersprache: portugiesisch)



Veränderungen

Ich dachte und machte,
und ging wie ein König durch die Welt.
Kein Berg zu hoch,
kein Fluss zu lang,
nein, für mich gab es kein Dach.
Ich sah immer mehr als du und er,
dachte ich sei besser.

Jetzt bin ich neu, ein Mensch,
die anderen wissen es besser.
Den Stolz habe ich übersprungen,
jetzt ist er dünner als in Messer.

Es gibt nur zwei Wege.
Der eine ist leichter,
der andere besser.
Den besseren gehe ich jetzt
und achte auf jedes Gebot.
Dies alles lehrte mich,
nicht mehr und nicht weniger,
nur der Tod.

(Haris Poturkovic aus Zenica (Bosnien und Herzegowina), Erstes Gymnasium in Zenica, Jahrgang 1993, Muttersprache: bosnisch)

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