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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im September und Oktober 201115.11.2011

Die lyrix-Gewinner im September und Oktober 2011

Als Inspirationsquelle für das Leitmotiv "Unsterbliche Liebe" dienten euch in diesen Monaten Gedichte von Nevfel Cumart und C.F. Meyer sowie römische Skulpturen und Grabmäler aus dem Landesmuseum Trier.

(Rheinisches Landesmuseum Trier)
(Rheinisches Landesmuseum Trier)

In dem Gedicht "Meine Liebe" thematisiert Nevfel Cumart eine immerwährende, unsterbliche Liebe. Leid entsteht durch die Sterblichkeit und das Leid der Menschen. Der Tod wird allerdings nicht als Grenze der Liebe, sondern als quälendes Unglück angesehen, das die Stärke der Liebe nicht beeinflussen kann. Im Gegensatz dazu beschreibt C.F. Meyer in "Lethe" die Unmöglichkeit der unsterblichen Liebe aufgrund von Tod und Vergessen.

Wir wollten von euch wissen, ob ihr an die unsterbliche Liebe denkt, glaubt und hofft oder euch eher der Meinung C.F. Meyers anschließt. Was verbindet ihr mit unsterblicher Liebe? Und für wen empfindet ihr sie?

Erreicht haben uns viele sehr schöne, ernsthafte und traurige Gedichte über das Thema "Unsterbliche Liebe". Enttäuschungen und die daraus resultierende Wut, bis hin zum Hass, sowie Vergänglichkeit, Tod und Verzweiflung waren häufige Elemente in euren Gedichten. Darüber hinaus habt ihr oft über nicht erwiderte Liebe und Sehnsucht gedichtet.

Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern!

Hier die Texte der Leitmotivrundengewinner aus dem Inland:

Fossil

Es ist kalt hier
und zwischen uns
rostet die Luft
von Lunge zu
Lungenflügel schlagen
im Endlos-
takt der Tropfsteinhöhle.
Sperr das Licht aus die
Sonne zersetzt uns
nur das versteinerte
für immer
wird von unseren Zähnen fallen
wie Staub.


(Roberta Huldisch aus Berlin, Deutschland, Schiller-Gymnasium-Berlin, Jahrgangsstufe: 12, Muttersprache: deutsch)

Unsterbliche Liebe

Kleine, klebrige Kinderhände greifen verzweifelt nach ihrer Hand, greifen ins Leere.
Feine, sanfte Kinderknie schlagen dumpf auf im groben Sand.
Ihre Augen starren ins Leere.

Er ruft ihren Namen, Stimme schrillt schreiend.
Nicht gehört.
Musik dröhnt zu ihr nieder, fesselnd, befreiend.
Hört nicht. Will nicht.

Lachen und Spielen, Kindergeschrei.
Er hustet, er würgt.
Lachen und Spielen, Kindergeschrei.
Musik dröhnt.

Blaues Licht, Heulen und Schreien.
Ist es vorbei?
Fühlt nichts. Wünscht es sich sehr.
Kleine, klebrige Kinderhände,
Fühlen jetzt auch nichts mehr.


(Charlotte Martin Yuste aus Trier, Deutschland, Friedrich-Spee-Gymnasium, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch)

Ode an den Tod

Letzte Nacht bei Mondenschein,
ich suche dich und bring dich heim.
Die Tränen klirren wie Kristall,
von deiner Stimme Widerhall.
In Grabestiefe ganz allein,
wirst du niemals einsam sein.

Ganz leis‘ in stiller Mondennacht,
vor Schmerzen um den Schlaf gebracht,
Erinnerungen hell und klar,
träume
wie es vorher war,
bleib an deiner Seite ganz,
getanzt hast du den Totentanz,
verschlingt die Nacht dich still und leis‘, und bringt dich fort ins Totenreich.

Diese Nacht bei Mondenschein,
such‘ ich dich und bring dich heim,
denn der süße Schmerz ganz sacht,
hat mich um den Verstand gebracht,
und lässt mich hier in größter Not,
dein treuer Freund, es ist der Tod.


(Julia Fourate aus Nordhofen, Deutschland, Mons-Tabor-Gymnasium, Jahrgangsstufe: 11, Muttersprache: deutsch)

Kondens

Willkürlich schmiegen sich unsere Worte in Münder
von einer Streulinse ausgehend
verschenkst du deine Liebe und
wir üben uns im Staubkorntanz, phosphoriszierend
wir sind die Großstadtlichter dann und wann
lösen sich endlich deine Lippen?

Das lautlose Inferno der Straßenlaternen
wirbelt uns auf und schmiegt uns aneinander
vorbei und da, kein Takt per GPS
du kostest
an jedem Zahnfleisch voll deine Momente aus

Letztendlich erhasche ich
ein paar deiner Atemzüge
fein säuberlich auf meiner Zunge destilliert
durch körpermassen kaltgeschleudert und gepresst
und hochprozentig sicher aber
flüchtig

Mir brennt der hals von dir.


(Josefine Berkholz aus Berlin, Deutschland, Romain Rolland Oberschule, Jahrgangsstufe: 12, Muttersprache: deutsch)

Lichtstreifen

dein gesicht zefließt in regen
jede nacht - hundert tropfen
zu einem meer
am morgen suche ich konturen
doch in den wellen bricht dein bild
aber ich höre nicht auf zu warten

ich lege mich auf gefrorene erde
und spüre ihren puls
wind malt weiße zauberstaubfiguren
an den himmel und schenkt mir
leise vertrautes
deine stimme

dein gesicht zerfließt in regen
und mein anker hängt in den wolken
ich höre nicht auf zu warten
bis du mich nach hause bringst


(Benita Salomon aus Schriesheim, Deutschland, Kurpfalzgymnasium Schriesheim, Jahrgangsstufe: 12, Muttersprache: deutsch)

morgenrot

zitternd sitze ich am fenster
blicke stumpf in diese nacht
seh im nebel nur gespenster
in denen bleich dein bild erwacht

und ich weiß es ist vermessen
doch ich sehne mich nach dir
kann dich einfach nicht vergessen
ach wärst du doch wieder hier

selbst die sterne scheinen grau
und deine augen tief und leer
flimmern schwach und ungenau
jeder atemzug fällt schwer

ich will zerreißen deine ketten
doch ich schaff es einfach nicht
kann dich niemals davor retten
kalt erwacht das erste licht

betastet dich mit langen fingern
sacht dein nebelbild verwischt
liebe gefangen im morgenrot
erinner mich als es ganz erlischt
der bruch das blut der schmerz das ende
dein tod


(Karen Schmitt aus Weinheim, Deutschland, Werner-Heisenberg-Gymnasium, Jahrgangsstufe: 10, Muttersprache: deutsch)


Hier die Gewinner aus dem Ausland:

Die Einzigartige

Ich warte – du Süßeste -
auf dein erneutes Kommen
Obgleich ich es weiß,
dass du nie ankommst.
Meine Liebe ist
wie ein Gestein,
welches der Ewigkeit wiedersteht.
Ich weiss deinen Namen nicht,
ob du bestandest, weiss ich nicht.
Doch bin sicher,
du bist nicht da
unter den Lebenden.
Ich taste goldene Lippen
deines Perlengesichts nicht,
oder gar kein samtiges Haar an.
Ich sehe Diamantenlächeln,
smaragden Augen
oder das Türkiskleid nicht mehr,
und höre auch nichts.
Darum weine ich und schluchze ununterbrochen.
Kein beweis für deine Existenz,
doch ich liebe dich.
Du Wolke meiner Träume


(Mateusz Wojcieszak aus Radom, Polen, VI LO im. Jana Kochanowskiego, Jahrgangsstufe: 10, Muttersprache: polnisch)

Lebensliebe

Ihr Foto auf dem Tischlein
Schön und aussergewöhnlich
Wie immer lächelnd
Seine Frau des Lebens.
Zu Weinen bringedes
Foto mit dem Band...

Nachtigalsgesang im September
initierte die letzte Periode.
Das Leiden legte die Rechnung vor
Mit schweizerischem Scheck nicht zu decken.

Die Liebe überschritt ihr Ziel.

Er stieg zu den Wolken empor,
auf den Jügstflügeln
überwand die Alltäglichkeit.
Er ging ihr zu
verliebt, verweint,
mit roter Schramme
um den Hals.

Da merkte er sie weit
hoch, ist hingeflogen,
um nur bei ihr zu sein,
In der neuen Daseinsperiode...


(Maciej Kwiatkowski aus Radom, Polen, VI LO im. Jana Kochanowskiego, Jahrgangsstufe: 10, Muttersprache: polnisch)

Unsterbliche Liebe

Von Osten nach Westen,
Von Suden nach Norden,
sind die Gewasser meines Landes,
Meines Landes,des Einzigen.

Romisch,Osmanisch,Osterreisch-Ungarisch
war mein Land,
Das nie gewann.

Viel hat es verloren,aber trotzdem ist es stolz geblieben.

Viele verließen es,aber kamen zuruck,
Und es erwartete sie wie eine Mutter ihr Kind,
Ein Kind,das nie vergisst,
was unsterbliche Liebe ist.


(Heco Lejla aus Zenica, Bonsnia und Herzegowina, Das erste Gymnasium, Jahrgangsstufe: 10, Muttersprache: bosnisch)


Und hier die Gewinner "außer Konkurrenz":

(Jeder Teilnehmer kann maximal zweimal Leitmotivrundengewinner werden. Weitere eingesandte Gedichte werden trotzdem von der Jury bewertet. Sollte ein Gedicht nach Punkten unter den besten sein, wird es "außer Konkurrenz" veröffentlicht.)


Ausgenommen der Wertung:

pathos

wir lassen melodieballons in die finsternis steigen
sitzen singend am abgrund und riechen das ende

wir waren nie furchtloser und schöner als jetzt
denn du siehst in meinen augen zwei welten

und in meiner pupille den nächsten kontinent
auf den wir entkommen wenn alles verglimmt

unsere figuren sind nur alternde hülsen die
in überhitzten städten und auf leblosen fernstraßen

liebe suchen : um sich unsterblich zu machen
um nicht wie klang im lärm zu zerplatzen

nimmst du mich an der hand und wir laufen
gegen den fluchtstrom direkt ins inferno

wo wir endlich zusammenschmelzen
und uns jede ewigkeit lebendiger macht


(Christiane Heidrich aus Vaihingen/Enz, Deutschland, Friedrich-Abel-Gymnasium, Jahrgangsstufe: 11, Muttersprache: deutsch)


Du

Deine Augen singen:
die erste Morgenmeise
kurz vor Sonnenaufgang

Deine Hände erzählen:
Buchstaben und tropfende Tinte
auf weißems Papier

Deine Haare tanzen:
unschuldiger Frühjahrswind
zu einem noch nie gehörten Takt

Deine Lippen schmecken:
unendlichen Sommerstränden
und beten stumm

Könnte ich Lippenlesen –
wüsste ich
Ob es mein Name ist,
den du jeden Abend in dein Kissen küsst

heimlich


(Anna Neocleous aus Rietberg, Deutschland, Gymnasium Nepomucenum Rietberg, Jahrgangsstufe 13, Muttersprache: deutsch/griechisch)


Wir sind unsterblich.
Weil Liebende nicht sterben.
Nie.

Ich habe es nicht verstanden,
aber du sagtest an unsere Liebe glauben, heißt auch dir glauben.
Und ich habe mir ‚Unsterblichkeit’ in die Kopfhaut tätowiert.
Du maltest Bilder vor meine Gedanken.
Grelle Farben an weiße Wände.
Wir, Finger in Hand, über die Stadt fliegend.
In Superman-Umhängen.
Auf meinem stand Liebe, auf deinem Unsterblichkeit.
Ich will keine Unsterblichkeit.
Weil du Rosinen magst und ich nicht.
Und ich würde sie auch kaufen wenn du nicht da wärst.
Weil du unsterblich wärst.
Zumindest für mich.
Und du würdest Orangen essen.
Obwohl du sie nicht magst.
Und das will ich nicht.
Und du lachst.
Für mich würdest du Orangen essen, sagst du.
Mein Finger schwitzt in deiner Hand.
Ich will nicht fallen.
Ich will nicht unsterblich sein.

Wir sind unsterblich.
Weil Liebende nicht sterben.
Nie.


(Johanna Fugmann aus Memmelsdorf, Deutschland, Dientzenhofer Gymnasium Bamberg, Jahrgangsstufe: 9, Muttersprache: deutsch)


Du bist alles
Ich sehe dich
zum ersten Mal.
Du,
deine Seele,
alles perfekt.
Du bist wunderschön,
engelhaft,
aber du siehst mich nicht.
Für dich bin ich Glas,
durchsichtig,
Nichts.
Zum ersten Mal
siehst du mich.
Mein Herz schlägt pausenlos,
ich schöpfe Hoffnung.
Ich warte...
Ich warte auf dich.
Dann seh´ ich dich:
Du kommst zu mir,
du schaust mir in die Augen
und ich vergesse zu atmen.
Du kommst auf mich zu
und schon fühle ich deinen Duft.
Dein Körper mischt sich mit meinem,
du legst deine Hand
an meine heissen Wangen
Und ertränkst mich
mit deinem unsterblichen Kuss.
Du fasst meine Taille,
dein Atem mischt sich mit meinem
und du flüsterst mir ins Ohr:
"Ich werde dich nie verlassen,
du bist meine Welt,
meine Seele,
du bist mein Ich"-
Und mein Herz
flammt auf.


(Isabella Wallwitz aus São Paulo, Brasilien, Colégio Visconde de Porto Seguro, Jahrgangsstufe: 7, Muttersprache: portugiesisch)

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