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StartseiteForschung aktuellDie Macht der Gedanken21.08.2007

Die Macht der Gedanken

US-Mediziner erforschen die Ursache des Placebo-Effekts

<strong>Medizin. - Wird ein neues Medikament entwickelt, erproben die Hersteller es im Vergleich zu einem Placebo - einer Pille ohne wirksame Substanzen. Dennoch haben auch diese oft nachweisbare Effekte. Welcher Mechanismus in unserem Gehirn für den Placebo-Effekt verantwortlich ist, haben Forscher in den USA jetzt herausgefunden.</strong>

Von Kristin Raabe

Eine neue US-Studie legt nahe, dass Ärzte gut daran tun, ihre Therapie mit Überzeugungskraft zu vermitteln. (Stock.XCHNG / Davor Fanton)
Eine neue US-Studie legt nahe, dass Ärzte gut daran tun, ihre Therapie mit Überzeugungskraft zu vermitteln. (Stock.XCHNG / Davor Fanton)

Manche Menschen reagieren stark auf ein Placebo, bei anderen dagegen haben solche Scheinmedikamente nur eine geringe Wirkung. Der Hirnforscher Jon-Kar Zubieta von der Universität von Michigan wollte herausfinden, was das Ausmaß des Placeboeffektes bei einem Menschen steuert. Dazu erzählte er einigen Versuchspersonen, er würde ein neues Schmerzmedikament testen. Zuvor erzeugte er in ihrem Kiefermuskel einen leichten Schmerzreiz. Dann injizierte der Forscher den Studienteilnehmern ein Placebo, in Form einer simplen Kochsalzlösung. In einem Positronenemissiontomographen, kurz PET, wollte Jon-Kar Zubieta dann untersuchen, wie ihr Gehirn auf das Placebo reagierte. Mit einem PET lässt sich nämlich die Menge der ausgeschütteten Botenstoffe im Gehirn messen.

"Wir sahen dann, dass ein Placebo die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin im Belohnungszentrum des Gehirns auslöst. Die Menge des ausgeschütteten Dopamins hing davon ab, wie hoch die Erwartung der Versuchsperson an das verabreichte Placebo war. Und tatsächlich beeinflusste dass dann später auch die Wirkung des Scheinmedikaments: Je mehr Dopamin ausgeschüttet wurde, desto wirksamer war das Placebo bei einer Person."

Das Belohnungszentrum im so genannten Nucleus Accumbens ist immer dann aktiv, wenn wir uns auf etwas Schönes freuen: auf ein gutes Essen oder eine erfolgreiche Shoppingtour. Die Aktivität in diesem Hirnbereich hat sich Jon-Kar Zubieta mit Hilfe eines Kernspintomographen genauer angesehen. Während sie in der Röhre des Scanners lagen, mussten dieselben Versuchspersonen nun ein Glücksspiel spielen. Dabei konnten sie bis zu fünf Dollar gewinnen.

"Der Grad der Aktivierung im Belohnungszentrum korrelierte mit der Dopaminausschüttung beim Placeboeffekt. Wir konnten anhand der Daten aus dem Glücksspiel-Experiment sogar voraussagen, wie gut ein Individuum auf ein Placebo anspricht. Mit anderen Worten: Die Aktivität im Nucleus Accumbens während man eine Belohnung erwartet, hängt damit zusammen, wie gut jemand auf ein Placebo reagiert."

Das Experiment sollte nicht unbedingt zu dem Fehlschluss führen, dass Glückspieler automatisch auch gut auf Placebos reagieren. Bislang sind alle Versuche gescheitert, einen starken Placeboeffekt einem bestimmten Persönlichkeitsmuster zuzuordnen. Die Untersuchungen von Jon-Kar Zubieta zeigen allerdings, dass die Fähigkeit mit einer positiven Erwartung an etwas heranzugehen, zumindest eine gute Vorrausetzung für die Wirksamkeit eines Scheinmedikaments ist.

"Das Interessante daran ist nicht so sehr die Tatsache, dass ein Placebo eine Reaktion in unserem Körper auslöst. Das ist sicherlich wichtig, aber mindestens genauso spannend ist es, zu wissen, dass der Placebo-Effekt von der eigenen Erwartung abhängt: Mein Gehirn ist in der Lage, die physiologische Reaktion meines Körpers zu verändern, nur weil ich die Erwartung habe, dass der Schmerz nachlässt."

Nur wenige Ärzte verschreiben tatsächlich Placebos. Aber durch den Placebo-Effekt lässt sich die Wirkung jedes Medikaments verstärken. Allerdings muss der Arzt beim Aushändigen des Rezepts besonders überzeugend wirken. Dann hat auch sein Patient eine hohe Erwartung an die Wirksamkeit des Medikaments, und damit auch einen hohen Placeboeffekt.

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