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StartseiteComputer und KommunikationDie Maschine für's Web11.12.2010

Die Maschine für's Web

Google stellt Chrome-OS vor

Software.- Google hat nun das erste Notebook mit Chrome-OS vorgestellt - ein Browser, in den das Betriebssystem gleich mitintegriert ist. Der Suchmaschinenkonzern steht auf dem Standpunkt, Computer würden heutzutage ohnehin hauptsächlich als Zugangsgerät für das Internet verwendet.

Von Achim Killer

Gehören Anwendungsprogramme heutzutage gar nicht auf den Rechner selbst, sondern in die virtuelle "Cloud"? (Jan-Martin Altgeld)
Gehören Anwendungsprogramme heutzutage gar nicht auf den Rechner selbst, sondern in die virtuelle "Cloud"? (Jan-Martin Altgeld)

Google gehören die größten Rechenzentren der Welt. Die wollen ausgelastet werden. Und allein schon aus diesem Grund, meinen die Konzernstrategen, dass Anwendungsprogramme dort hingehören, nicht auf den PC, sondern in die Cloud. Sundar Pichai, Googles Browser-Chef, sieht denn auch in einem Notebook vor allem eine Tür in diese Cloud:

"Die meisten Betriebssysteme wurden entwickelt, bevor das Web überhaupt existierte. Wir wollten deshalb die Gelegenheit nutzen, um die Erfahrung mit dem PC im modernen Web neu zu definieren. Dort nämlich verbringen die User die meiste Zeit - mit ihren Lieblingsanwendungen. Und darum geht es bei Chrome-OS. Es ist nichts als das Web."

Aber weil umgekehrt das Web nichts ist, wenn man keinen Zugang dazu hat, werden die Chrome-Notebooks besonders aufwendig mit Funktechnik ausgestattet.

"Weil es ein Gerät für die Cloud ist, haben wir viel Arbeit darauf verwandt, dass die Anwender immer online sein können. Jedes Chrome-Notebook wird deshalb mit mehreren, von Haus aus eingebauten Verbindungsmöglichkeiten ausgeliefert. Man kann ohne Unterbrechung zwischen WLAN und Mobilfunk wechseln."

Trotzdem gibt es Orte, an denen weder WLAN-, noch Handy-Netz zur Verfügung stehen – im Flugzeug beispielsweise meistens. Aber auch dort sollen Notebooks mit Chrome-OS funktionieren. Einen App-Store für Browser und Betriebssystem hat Google rechtzeitig zur Vorstellung von Chrome-OS eröffnet. Und die meisten der Miniprogramme sind auch dann funktionsfähig, wenn kein Netz verfügbar ist.


"Viele Apps im Chrome-Webstore werden auch offline arbeiten. Wenn man beispielsweise auf das Icon eines Spiels klickt, erfährt man vielleicht, dass gerade keine Verbindung besteht. Aber man kann trotzdem weiterspielen, weil das Programm zwischengespeichert worden ist."

Apps werden also gecachet oder teilweise sogar installiert. Abgespeichert sind die Files dann in Chips, denn Chrome-Notebooks haben ja keine Festplatten. Damit sich kein digitales Ungeziefer einnisten kann, wird das Gerät beim Booten automatisch überprüft. Trotzdem lassen sich auch alternativ andere Betriebssysteme auf den Notebooks installieren. Google nennt dies – wohl um sich vom Konkurrenten Apple abzugrenzen – eine eingebaute Jailbreak-Funktion. Auf den Markt kommen sollen Chrome-Notebooks im nächsten Jahr. Bis dahin führt der Konzern eine Art Alpha-Test durch. Interessierte aus den USA können sich bewerben und bekommen dann ein Notebook zum Ausprobieren.

Die Ankündigung von Chrome-OS vor anderthalb Jahren galt als Sensation und das Browser-Betriebssystem als erster möglicher Konkurrent für Windows des Monopolisten Microsoft. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Windows-PCs haben längst Konkurrenz bekommen - von Smarphones und Tablet-PCs unter Linux- und Unix-Derivaten. Das seien alles sehr reife Betriebssysteme, sagt Professor Uwe Baumgarten von der Technischen Universität München, beispielsweise Googles Android:

Chrome-OS kann also nicht mehr der Windows-Konkurrent werden, sondern nur noch einer unter mehreren.

Der Google-Chef Eric Schmidt war, bevor er beim Suchmaschinen-Konzern anheuerte, unter anderem Cheftechnologe bei Sun Microsystems. Er ist deshalb der richtige Mann, um Notebooks unter Chrome-OS technik-geschichtlich einzuordnen:

"Das ist kein neues Konzept. Wir hatten damals bei Sun ein Produkt Namens Netzcomputer, genau das, worüber wir heute reden. Warum ist das gescheitert? Warum sollen Sie uns heute glauben?"

Weil das Web heute weiterentwickelt ist, beantwortet Schmidt die selbstgestellte Frage, und weil sich mittlerweile leicht mächtige Anwendungsprogramme für das Netz entwickeln lassen. Was er allerdings vergisst, ist dass damals auch die Anwender gegen Suns Netzcomputer Sturm liefen. Sie wollten ihre Daten und Programme selbst kontrollieren. Deshalb muss Google jetzt für sein Chrome-Notebook und seine Cloud um Vertrauen werben und hat da wohl noch einiges an Arbeit zu leisten.

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