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StartseiteCorso"Die musikalische Antwort auf 'Sex and the City'"26.05.2012

"Die musikalische Antwort auf 'Sex and the City'"

Das britische Quintett "Citizens!" veröffentlicht sein Debütalbum "Here we are"

Das Debütalbum der englischen Band "Citizens!" heißt "Here we are" und wurde von Franz Ferdinand Sänger Alex Kapranos produziert. Auf dem Album vertonen die Elektro-Popper den Zeitgeist des heutigen London mit einer Mischung aus tanzbaren Rhythmen und sozialkritischen Texten, in denen es um London und um Sex geht.

Von Amy Zayed

Franz Ferdinand Sänger Alex Kapranos hat die Band "Citizens!" entdeckt und ihr Debütalbum produziert.  (picture alliance / dpa / Alberto Martin)
Franz Ferdinand Sänger Alex Kapranos hat die Band "Citizens!" entdeckt und ihr Debütalbum produziert. (picture alliance / dpa / Alberto Martin)

"Wir sind definitiv die musikalische Londoner Antwort auf "Sex and the City". Wenn man in London lebt, ist es manchmal schwer, nicht den Verstand zu verlieren. Es ist teuer, man hat mindestens drei Jobs, kann sich nicht über Wasser halten und muss die Miete für den Proberaum bezahlen, wenn man Hobbymusiker ist. Und dann siehst Du irgendeine Kleinigkeit, die es eben nur in London gibt, und du bist froh, dort zu sein, und schreibst drüber. Und Sex gehört immer zu unserem Leben dazu, weil allein der Gedanke daran uns aufbaut."

Dafür, dass es die Band erst knapp ein Jahr lang gibt, hat Sänger Tom Burke ein ganz klares Konzept. Anspruchsvolle Popmusik, die den Geist der Zeit widerspiegeln soll. Und das hat er mit seinen vier Bandkollegen meisterhaft auf dem Debüt "Here we are" hinbekommen. Elektronische Beats, tanzbare Rhythmen und einprägsame Melodien gepaart mit sozialkritischen Texten. Und immer wieder die beiden Hauptthemen: Sex und London.

"Als ich 'Let’s go all the way' geschrieben habe, hatte ich kurz vorher den Finanzteil einer Londoner Tageszeitung durchgeblättert, und da standen immer so hässliche Begriffe drin wie 'asset stripping'. Das hat mich irgendwie verwirrt. Denn stripping hat ja bekanntlich eine andere Bedeutung. Aber im Zusammenhang mit Wertpapieren hatte das einen schalen Beigeschmack. Es stand überall was von Vorsichtsmaßnahmen und schlechter Wirtschaft. Und dann bin ich wütend geworden. In dem Song wollte ich alle Menschen aufrufen, nicht immer vorsichtig zu sein, Risiken einzugehen. Einfach auch mal Spaß haben, auch wenn alles angeblich schlecht ist."

Auf "Here we are" geht's vor allem darum, den Leuten ihr eigenes Spiegelbild vorzuhalten, ohne dabei wertend oder mahnend zu wirken. Ganz im Sinne von Franz Ferdinand Sänger Alex Kapranos, der die Band als Produzent unter seine Fittiche nahm und sie in sein Studio nach Schottland mitnahm, um dort fast das komplette Album aufzunehmen.

"Am Anfang haben wir sechs Monate an Demos rumgetüftelt. Damals hatten wir noch nicht mal Konzerte zusammen gespielt. Die vier besten haben wir auf ein Demo gepackt und an Freunde geschickt. Zufällig gelangte eins der Demos in die Hände von Alex, und er fand uns toll. Wir hatten zwar auch Gespräche mit anderen Produzenten, aber die wollten uns zeigen, wie man angeblich gute Popmusik macht und ins Radio kommt. Was sie wirklich wollten, war, dass wir überproduziert und schlecht klingen. Alex ist zwar kein professioneller Produzent, sondern selber Musiker, aber bei ihm konnten wir so klingen, wie wir wollten. Und außerdem ist er ein guter Koch, also hatten wir auch noch leckeres Essen im Studio."

"Here we are" demonstriert, dass die Popmusik zwar immer Althergebrachtes übernimmt, sich aber auch immer weiterentwickelt. David Bowie schaffte in den 70ern aus dem Indie-Genre heraus, glamouröse Figuren wie Ziggy Stardust zu kreieren, die Sex Pistols machten den Londoner Punk zum Pop, in den 90ern karikierten Blur die Londoner Bourgeoisie mit ihrer Mischung aus Punk, Elektro und Indie, und nun vertonen die "Citizens!" den Zeitgeist des heutigen London mit einer gelungenen Mischung aus tanzbaren Rhythmen und sozialkritischen Texten, in denen es um London und um Sex geht. Das musikalische Pendant zu "Sex and the city":

"Popmusik ist heutzutage etwas Trashiges geworden. Dabei ist sie das gar nicht. David Bowie hat aus seinem Indie-Genre heraus großartige Popsongs geschrieben. Wir wollen uns nicht hinter Kanye West oder Beyoncé verstecken müssen. Wir sind genauso gut, wenn nicht besser als die. Das Problem von vielen Bands ist, dass sie sagen: Indie und Rockmusik sind tot. Aber eigentlich haben die nur Angst! Wir wollen Popmusik machen, die so klingt wie wir."

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