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StartseiteForschung aktuellDie Natur des Marswassers13.03.2013

Die Natur des Marswassers

Der Rover Curiosity blickt tief in die Planetengeschichte

Sieben Monate nach der Landung des Marsrovers Curiosity auf dem Roten Planeten haben Forscher die ersten seiner Messdaten ausgewertet. Mit einem Bohrer hat Curiosity einen Felsen angebohrt und chemisch analysiert. Eine Hoffnung der Planetologen ist der Nachweis von Wasser.

Von Karl Urban

Der Marsrover Curiosity hat die Arbeit aufgenommen. (Nasa)
Der Marsrover Curiosity hat die Arbeit aufgenommen. (Nasa)
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Neues vom Mars

Was für manche nach Krach klingt, ist für Geologen der NASA wunderschöne Musik. Der Rover Curiosity setzte am 8. Februar seine Schlagbohrmaschine an einen Felsen auf dem Mars. Erstmals in der Geschichte der Planetenforschung soll er Zentimeter weit in das Innere eines außerirdischen Sedimentgesteins vordringen. Dorthin, wo die Naturkräfte des Mars wie Wind oder chemische Reaktionen das Gestein noch nicht so stark verändert haben. Dorthin, wo Geologen erkennen können, wie es einmal vor langer Zeit entstanden ist. Dorthin, wo die NASA eine große Sensation erwartet.

Was Curiosity anbohrt, ist eine Steinplatte, durchzogen von feinen Mineraladern und über und über bedeckt mit Kügelchen. Schon von außen betrachtet sah dieser Fels für Marswissenschaftler David Blake deshalb so aus, als entstammte er der feuchten Vergangenheit des Mars, über die Wissenschaftler seit Jahrzehnten spekulieren:

"Als wir diese Kügelchen auf der Felsplatte gesehen haben, waren wir wirklich begeistert. Immerhin sind sie ein klares Anzeichen für Wasser, mit der das weiche Sediment einmal vollgesogen war. Aber wie sah damals die Umwelt aus? Hätten hier eventuell Organismen überleben können? Und ist über die Jahrmilliarden noch organisches Material erhalten geblieben bis heute, als wir hierher kamen, um ins Gestein hineinzuschauen?"

Fragen, die bei aller Begeisterung der Forscher offenbleiben müssen: trotz des tief schürfenden Bohrers und trotz des feinen Pulvers, das er aus dem Felsen gekratzt hat. Ein winziger Ofen hatte das Gesteinsmehl zwar aufgeheizt. Spektrometer untersuchten es dann auf seine chemischen Bestandteile. Das deutlichste Indiz auf einen einst lebensfreundlichen Mars bleibt aber ein Phantom: Organisches Material fanden die hochgenauen Messgeräte des Rovers in diesem ersten angebohrten Felsen kaum. Trotzdem geben sich die Forscher überrascht. Denn stattdessen hätten die Messgeräte im Fels alle chemischen Elemente nachgewiesen, die irdische Mikroorganismen zum Leben brauchen, darunter Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Schwefel, Phosphor und Stickstoff. Doch allein der Stickstoff fehlte bislang im Inventar. - Alle anderen Elemente hatten Sonden Rover schon vorher gemeinsam nachgewiesen. Die eigentlichen Neuigkeiten stecken also vielleicht eher in den Mineralen, die sich vor langer Zeit im Wasser gebildet haben, erläutert von Projektwissenschaftler John Grotzinger:

"Unter seiner Oberfläche sieht dieses Gestein ganz anders aus. Wir sehen dort Tonminerale, die bei neutralem pH-Wert entstehen. Wir sehen überhaupt keine Eisensulfate, die für eher saures Milieu sprechen würden. Stattdessen sehen wir Kalziumsulfate. Offen gesagt sieht dieses Gestein genauso aus, wie wir es von Sedimenten auf der Erde erwarten würden."

Tonminerale und Sulfate: zwei Minerale, die von der europäischen Raumsonde Mars Express schon 2004 auf der Oberfläche gefunden wurden. Genauere Messungen des amerikanischen Satelliten Mars Reconnaissance Orbiter hatten später auch große Mengen davon am Grund Galekraters nachgewiesen. Messungen, die wenige Jahre später zur Entscheidung führten, das bislang schwerste Marslabor Curiosity überhaupt in diesem Krater abzusetzen.

So sind die gerade verkündeten Neuigkeiten vielleicht eher ein Versuch der NASA, die Öffentlichkeit auf die "überzeugenden Ergebnisse" ihrer 2,5 Milliarden US-Dollar teuren Mission einzuschwören. Denn wie exakt die Messungen während der allerersten Bohrung waren, hat das Team Grotzingers gar nicht erst erläutert. Dieses scheinbar unwichtige Detail behalten sich die Forscher wohl für eine wichtige planetologische Konferenz vor, die schon nächste Woche in Texas startet. Und dort müssen sie zunächst den kritischen Blicken ihrer Forscherkollegen standhalten.

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