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StartseiteHintergrundDie neue afrikanische Öffentlichkeit12.01.2005

Die neue afrikanische Öffentlichkeit

Internet und Satellitenrundfunk lassen den Kontinent näher zusammenrücken

Eine Grenze in Afrika. Hier wird niemand durchgewunken, wer vor dem Schlagbaum von Tlokweng landet, muss erst mal Schlange stehen. Hinter dem Tresen des Abfertigungsgebäudes scherzen die botswanischen Zöllner und knallen mit ihren Stempeln. Pass, Auto, mitgeführte Gegenstände, Reisezweck, Besuchsadressen – für alles gibt es ein Formular.

Von Dirk Asendorpf

Schulklasse in in Mombasa, Kenia (AP)
Schulklasse in in Mombasa, Kenia (AP)

Afrika – fast ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der Kolonialzeit ist der Kontinent heute in 54 souveräne Staaten zerstückelt. Während in Europa die Schlagbäume fallen, schotten sich die meisten Länder Afrikas noch immer mit Grenzen voneinander ab, die nur mit unendlicher Geduld und etwas Schmiergeld zu überwinden sind. Straßen- und Zugverbindungen sind vor allem in der Mitte des Kontinents in erbärmlichem Zustand, und direkte Flugreisen sind selbst zwischen Nachbarländern oft unmöglich. Noch immer muss man dann einen mehrere tausend Kilometer langen Umweg über die Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht in Europa oder das südafrikanische Johannesburg in Kauf nehmen. Und doch ist Afrika in den letzten Jahren näher zusammengerückt.

Nachrichten in Chichewa, der Muttersprache von gut sechs Millionen Menschen im Herzen Afrikas. Was hier aus der malawischen Hauptstadt Lilongwe berichtet wird, kommt vom "Channel Africa". Dieses Informations- und Unterhaltungsprogramm wird in der Johannesburger Zentrale des südafrikanischen Rundfunks in sechs verschiedenen Sprachen produziert und kann auf dem gesamten Kontinent über das Internet, über Kurzwelle oder mit einer kleinen Satellitenantenne empfangen werden. In manchen Ländern werden die panafrikanischen Programme auch von lokalen Radiostationen übernommen und auf UKW und Mittelwelle weiterverbreitet. "Channel Africa" versteht sich als "Stimme der afrikanischen Renaissance" und will – anders als die ebenfalls nach Afrika ausgestrahlten Sendungen der BBC, des Radio France International und der Deutschen Welle – mit afrikanischen Augen auf Afrika blicken und so zur Entstehung einer afrikanischen Öffentlichkeit beitragen. Thami Ntentini ist der Chefredakteur von "Channel Africa".

Wir haben wirklich die Macht, eine kontinentale Hörerschaft zu erreichen. Wir müssen den Leuten nur sagen: Eure Welt ist nicht nur Südafrika, eure Welt ist viel größer, sie ist ein Kontinent. Hier in Südafrika sagt es der Präsident ja so oft, dass wir nicht als eine Insel des Wohlstands in einem Meer der Armut existieren können. Man beginnt also zu verstehen, dass wir mit den anderen Ländern dieses Kontinents eng verflochten sind. Was dort geschieht, betrifft auch uns. Eine afrikanische Öffentlichkeit beginnt zu entstehen.

Eine gesamtafrikanische Öffentlichkeit – wenn sich Thami Ntentini daran erinnern will, wie hoch dieser Anspruch ist, muss er nur den Blick von seinem Schreibtisch heben und aus dem Fenster gucken. 14 Stockwerke unter ihm breitet sich das wohlhabende Johannesburg aus. Villen mit hellblauen Swimmingpools, die klassizistischen Gebäude auf dem Campus der Rand Afrikaans University, breite Alleen, sattgrüne Parks, durchzogen von mehrspurigen Verkehrsadern, die sich bei einbrechender Dunkelheit wie glitzernde Flüsse über die Hügel ziehen. Nirgendwo ist Afrika reicher, ein Drittel aller südlich der Sahara erzeugten Elektrizität wird hier verbraucht. Das Leben erinnert viel eher an Miami als an Ouagadougou, die Hauptstadt von Burkina Faso. Dort, über 5000 Kilometer nordwestlich von Johannesburg, hat Souleymane Sow nach seinem Studium an der Technischen Hochschule in Aachen eine kleine Firma für erneuerbare Energieanlagen gegründet. Auch er ist darauf angewiesen, mit dem Ausland Kontakt zu halten und kann ein Lied davon singen, dass von der Infrastruktur, die in Südafrikas Metropole so glänzend funktioniert, hier am Rand der Sahara nicht viel zu erwarten ist. Zum Beispiel von der Internet-Verbindung.

Sie läuft, wie man so schön sagt, so lala. Es ist so, dass es in Burkina Faso drei Internet-Anbieter gibt, und zwei sind an den einen angebunden. Das heißt, wenn der Hauptserver ausgefallen ist, gibt es keine internationale Verbindung, weil der als einziger mit dem Satelliten verbunden ist. Alle anderen sind an den Hauptserver angebunden. Sie können intern funktionieren, aber für internationale Seiten kann man keine Informationen bekommen. Das passiert oft, leider. Vor allem in der Regenzeit fällt es sehr oft aus. Alle drei bis vier Tage, also mindestens einmal in der Woche gibt es keine Verbindung. (lacht) Das macht natürlich die Verbindung zwischen Burkina Faso und den anderen Ländern sehr schlecht, schwierig.

Alle Länder Afrikas haben inzwischen eine Verbindung ans Internet, knapp die Hälfte allerdings mit einer Leitung, die für das ganze Land nicht mehr Übertragungskapazität bietet als zwei normale ISDN-Anschlüsse. Selbst an der Universität von Harare im vergleichsweise reichen Zimbabwe müssen sich über 10.000 Studierende und Lehrende eine Internetverbindung teilen, deren Kapazität einem einzigen DSL-Anschluss entspricht. Und während so etwas in Deutschland 17 Euro im Monat kostet, muss die Universität in Harare einige tausend Euro dafür zahlen. Kein Wunder, dass in Afrika noch nicht einmal zwei Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet haben, während in Westeuropa, Korea, Japan oder den USA jeder Zweite online ist. Das Internet ist in Afrika noch immer dünn geknüpft, unzuverlässig, langsam und teuer.

Und doch findet sich inzwischen selbst in afrikanischen Kleinstädten immer häufiger ein Internetcafé. Manchmal ist es nur eine staubige Hütte mit einem einzigen alten PC, manchmal stehen aber auch ein Dutzend schicke Flachbildschirme in einem klimatisierten Raum – so wie "Internet Solutions" in einem edlen Einkaufszentrum der botswanischen Hauptstadt Gaborone. Eine Stunde Surfen kostet hier 15 Pula, rund 2,50 Euro. David Chipeta ist der Manager des gerade neu eröffneten Ladens.

Da kommt also ein Jugendlicher und braucht zum Beispiel Material für ein Schulprojekt. Er kommt zu mir und sagt: Kannst du mir helfen, so etwas zu finden? Dann gehe ich zu einer der Suchmaschinen und sammele all das Material zusammen, das mit dem Thema zu tun hat. Ich gebe es dem Schüler. Der lernt etwas dabei, und das hilft auch der Gemeinschaft. Ich bin also ein Lehrer, denn manche Leute sind ja Computer-Analphabeten. Wenn sie kommen, dann versuche ich ihnen mit der Maus zu helfen, wie man Grafik nutzt, die verschiedenen Bildschirmoberflächen, all diese Sachen. Ich sorge dafür, dass sie sich im Netz zurechtfinden. Ich mache das einfach so. Ich habe nie an einer Schule gelernt, wie man unterrichtet.

Und die Jugendlichen, die hier vor dem Bildschirm hängen, lernen schnell. Mit flinken Fingern surfen sie zu den Websites ihrer Popstars und chatten munter drauflos wie ihre Altersgenossen in Europa oder den USA. Meistens kommunizieren sie dabei auf Englisch, immer häufiger tauchen jedoch auch Sätze in Setswana auf den Bildschirmen auf.
Der Journalist Thapelo Ndlovu setzt sich für den Gebrauch von Setswana in den Medien seines Landes ein. Dazu gehört eine zweiwöchentlich erscheinende unabhängige Zeitung und auch ein Internetportal.

Es gibt einen Internetanbieter, der heißt Dumela.com. Dumela bedeutet Hallo. Der Dienst ist sehr beliebt bei den Batswana. Sie chatten dort in Setswana usw. Das Internet ist ja noch neu hier, die Leute müssen erst noch lernen, wie man es nutzen und welchen Vorteil man davon haben kann. Und die Regierung schickt viele Studenten ins Ausland. Auch sie nutzen unser Angebot.

Nicht nur Studenten gehen ins Ausland. Durch Arbeitsmigration und Flüchtlingsbewegungen haben in den letzten 20 Jahren Millionen junger Afrikaner ihr Heimatland verlassen. Viele Familien sind inzwischen über mehrere Länder, manchmal sogar Kontinente verstreut. Längst halten sie vor allem über Internet und Email Kontakt untereinander. Briefe gehen viel zu oft verloren, sind Wochen, manchmal sogar Monate unterwegs, werden in manchen Ländern zensiert und sind obendrein auch noch viel teurer als die Kommunikation über das Netz. Wer keinen eigenen Computer hat, empfängt die Email über ein Internetcafé im Ort oder über Freunde, die am Arbeitsplatz einen Zugang zum Netz haben.

Die E-Mail hat den Brief ersetzt, und im Internet können Afrikas Emigranten ihre heimatlichen Gefühle auffrischen. Ouasua Dun Ouasula studiert Informatik an der Universität Bremen. Er stammt aus Uganda und klickt sich bei der Arbeit gerne zu Radio Simba durch, den Sender aus seiner Heimatstadt Kampala.

Radio Simba aus Uganda ist online, ich kann es hier am Computer hören. Sie mischen Englisch mit meiner Muttersprache und auch noch einigen anderen ugandischen Sprachen. Aber ich komme ja aus Uganda und kann alles verstehen und genießen. Das ist so, so schön, das klingt gut. Wenn ich dann die ugandischen Musiker in meiner Muttersprache singen höre, ist das großartig. Man fühlt sich, als wäre man zu Hause – leider ist man es nicht wirklich.

Das Internet hat Afrika ein Fenster zur Welt geöffnet. Viel schlechter steht es um die Verbindungen innerhalb Afrikas. Auf dem gesamten Kontinent stehen 800 Millionen Menschen nur 28 Millionen Telefonanschlüsse zur Verfügung, nicht mehr als in Tokio. Außerhalb der Großstädte gibt es im Durchschnitt noch nicht einmal einen einzigen Telefonanschluss auf 100 Menschen, und noch immer leben zwei Drittel aller Afrikaner auf dem Land. In besonders armen Ländern wie Burundi, Guinea Bissau, Eritrea oder der Zentralafrikanischen Republik stehen über 85 Prozent aller Telefone in der Hauptstadt. Zwar hat schon vor drei Jahren der Mobilfunk das Festnetz überholt. Inzwischen sind in Afrika über 60 Millionen Handys im Einsatz, auch die allerdings vor allem in den Großstädten. Auf dem Land herrscht Funkstille.

Zum Beispiel in Botswana. Außerhalb der Hauptstadtregion ist der extrem dünn besiedelte Wüstenstaat ein einziges Funkloch. Kein Telefon klingelt, kein Bildschirm flimmert. Das klingt idyllisch, ist für die Menschen aber nicht nur in Notfällen ein Problem. Zwar leben sie in einem für afrikanische Verhältnisse ausgesprochen demokratischen Staat, von ihren Rechten können sie aber trotzdem kaum Gebrauch machen. Der Journalist Modise Maphanyane leitet eine Organisation, die sich für die Entwicklung und die Freiheit der Medien in Botswana engagiert.

In jedem einzelnen Ort unseres Landes gibt es Dinge, die den Leuten sehr wichtig sind. Sie müssen sie noch nicht einmal der Welt mitteilen. Sie wollen einfach nur untereinander darüber sprechen. Aber sie haben keine Mittel dafür. Es gibt in Botswana keine lokalen Sender. Und so hören wir die Leute nicht. Nicht, dass sie nicht schreien oder etwas sagen würden – sie haben einfach keine Foren, über die wir sie hören würden. In einem Dritte-Welt-Land wie Botswana erfährt man viel mehr von den Dingen, die außerhalb des eigenen Landes passieren als von dem, was innerhalb des Landes geschieht. Es gibt einfach nicht genug Berichterstattung aus den ländlichen Gebieten. Und es gibt keinen Weg, auf dem solche Nachrichten ins Internet gelangen würden. Das Internet ist ja ein Werkzeug, so wie auch ein Computer: Was man hinein gibt, kommt auch wieder heraus. Wenn man also nicht das Richtige hinein gibt, dann bekommt man auch nicht das Richtige heraus.

Das Internet ist ein Werkzeug. Afrikanische Medien haben es früh entdeckt und machen inzwischen intensiven Gebrauch davon. Nicht nur viele unabhängige Radiosender erreichen über das Netz ihre Hörer im Ausland, auch über 50 afrikanische Zeitungen sind online zu lesen. Technisch werden die Daten dabei fast immer zunächst auf Rechner in den USA übertragen und von dort aus ins Internet gestellt. Das verkürzt die Ladezeiten und schützt die Texte vor Zensur. Selbst ein Bombenanschlag auf das Verlagshaus – wie zum Beispiel bei der Oppositionszeitung "Daily News" in Zimbabwe – kann die Verbreitung der unerwünschten Nachrichten dann nicht mehr verhindern. Und wird in einem Land eine Zeitung zensiert oder ein Journalist verhaftet, geht die Nachricht sofort um die Welt. 500 solcher Notrufe hat allein das unabhängige "Media Institute of Southern Africa" in den vergangenen sechs Jahren verbreitet und damit manchem Journalisten das Leben gerettet. Davon ist Modise Maphanyane überzeugt.

Ich bin ganz sicher, dass die Gefahr geringer geworden ist, ermordet zu werden. Allein die Tatsache, dass sie wissen, dass sie beobachtet werden, dass wir auf unsere Kollegen aufpassen, dass wir – egal wie schwer es ist – herausfinden werden, was passiert ist, das hält die Leute lebendig.

Afrikas Journalisten sind selbstbewusster geworden. Die Demokratisierungswelle, die nach dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 90er Jahre über den Kontinent geschwappt ist, hat in den meisten Ländern zur Gründung unabhängiger Zeitungen und Radiostationen geführt. Heute können Journalisten auch außerhalb der staatlich kontrollierten Mitteilungsorgane einen Job finden, von dem sich – wenn auch mehr schlecht als recht – leben lässt.

Was es in Afrika allerdings überhaupt noch nicht gibt, sind freie Journalisten, die unabhängig recherchieren und ihre Beiträge anschließend an Medien verkaufen. Der Hörfunkredakteur Klaus Jürgen Schmidt hat viele Jahre als Berater der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zimbabwe gearbeitet und in der Hauptstadt Harare Journalisten ausgebildet.

Das gibt’s auf dem gesamten afrikanischen Kontinent nicht. Da gibt es, mir jedenfalls nicht bekannt, keinen Sender – ich nehme mal die Republik Südafrika aus – keine Sender, die überhaupt in ihrem Budget, in ihrem Haushalt ein Honorarbudget hätte. Also, die in der Lage wäre, Autoren, freie Autoren zu bezahlen, denen was abzukaufen. Sie müssen – und das ist unsere Erfahrung gewesen – sie müssen, wenn sie ne Sendereihe bei einem afrikanischen Sender loswerden wollen, den Sendeplatz auch noch bezahlen. Sie bekommen da nicht irgendwie ein Honorar, sondern sie bezahlen auch noch den Sendeplatz als derjenige, der den Inhalt anbietet, damit das gesendet wird.

Dan Teng’o berichtet aus Kenia über die Gründe, warum manche Kinder nicht zur Schule gehen. Der Beitrag wurde für "Radio Bridge Overseas" produziert, ein Medienbüro für Themen aus dem afrikanischen Alltag, das aus der Journalistenschule in Harare entstanden ist. Radiosender, die ihn in ihr Programm übernehmen wollen, können sich die Audio-Datei aus dem Internet herunterladen.

Ich denke, dass mit dem Auftauchen dieser neuen Technologie, mit der Tatsache, dass man mit dem Computer und der nötigen Software das alles machen kann und zwar fast besser und schneller, weil es digital ist und nicht linear, dass man professionelle Radioprogramme herstellen kann, dass man das Internet nutzen kann, indem man komprimierte Audiofiles hin- und herschicken kann. Dass das ne völlig neue Chance ist für dieses Freiberufs-Denken von Journalisten in Afrika. Wenn sich jetzt drei oder vier zusammentun, können sie sich vielleicht einen Computer leisten. Wenn sie dann gut sind, wenn sie gute Stories machen, sind sie dann vielleicht auch in der Lage, in den Nordmarkt einzubrechen und spannende Geschichten, die sie gemacht haben, mit Musik und allem drum und dran, zu verkaufen. Also es sind ganz neue Möglichkeiten da.

Sendungen wie der Beitrag über die kenianischen Schulschwänzer werden nicht nur über das Internet verbreitet, sie sind auch im Bildungsprogramm von "Worldspace" zu hören. Seit 1998 strahlen die beiden Satelliten des amerikanischen Unternehmens gut 50 digitale Radioprogramme nach Afrika ab, darunter auch "Channel Africa" und "Interworld", ein Bildungsprogramm, das regelmäßig Beiträge von "Radio Bridge Overseas" übernimmt. Zwar sind die mit einer kleinen ausfaltbaren Satellitenantenne ausgestatteten Empfangsgeräte noch zu teuer, um einen Massenmarkt zu erobern, doch viele unabhängige Radiosender in der afrikanischen Provinz schneiden die digitalen Programme mit und verbreiten sie über ihre eigenen UKW- Mittel- und Kurzwellensender weiter.

Ein freier Austausch von Nachrichten und Meinungen über die afrikanischen Grenzen hinweg ist bitter nötig. Denn mit Vorurteilen über Nachbarvölker werden hier noch immer Kriege angezettelt. In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, ist es bis heute nicht möglich, eine Zeitung aus dem Nachbarland Ghana zu kaufen. Und ein Telefongespräch dorthin kostet fünf Euro die Minute – genauso viel wie nach Europa. Wer etwas über das Nachbarland wissen will, ist auf die Afrika-Dienste von BBC und Radio France International angewiesen. Und selbst wer fundierte Informationen über das eigene Land sucht, findet sie eher in den Datenbanken US-amerikanischer Universitäten als zu Hause.

Internet und Satellitentechnik haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der zersplitterte afrikanische Kontinent zusammenrücken kann. Doch noch ist die afrikanische Öffentlichkeit nicht entstanden. Und auch in Europa wird das Afrikabild noch immer von den üblichen Schreckensmeldungen dominiert. Der Journalist Modise Maphanyane aus Botswana beklagt das bitter.

Europa erfährt zu wenig. Das möchte ich klar sagen. Europa liebt es, über Skandale, Armut und Krankheiten in Afrika zu berichten. Denn das lässt sich gut verkaufen, und uns hilft es. All die kleinen Entwicklungserfolge, die es ja auch gibt, gehen dabei unter. Das Nord-Süd-Verhältnis spiegelt nicht wider, was wirklich los ist. Das möchte ich euch da oben im Norden sagen: Kommt her und fangt an, positiv über Afrika zu berichten. Das ist überhaupt kein schwarzer Kontinent. Dies hier ist viel mehr als ein schwarzer Kontinent.

Auch vor dem Schlagbaum von Tlokweng hellen sich die Mienen auf. Der Zöllner in der Abfertigungshalle pfeffert den mühsam ausgefüllten Stapel Formulare – ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen – in einen Pappkarton unter dem Tresen. Dann blickt er dem Grenzgänger freundlich in die Augen, knallt ihm einen Stempel in den Pass und winkt ihn lässig durch.

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