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StartseiteEuropa heuteDie Niederländer sollen mehr Deutsch sprechen 08.02.2012

Die Niederländer sollen mehr Deutsch sprechen

Aktionsgruppe aus Goethe-Institut und Handelskammer will Wirtschaftssprache fördern

Die Deutschkenntnisse der Niederländer lassen zu wünschen übrig: Zum Leidwesen der Wirtschaft, denn Deutschland ist der wichtigste Wirtschaftspartner. Die länderübergreifende "Actiegroep Duits" soll das jetzt ändern - und will insbesondere junge Niederländer erreichen.

Von Kerstin Schweighöfer

Die Niederlande und Deutschland sind wirtschaftlich eng verbunden - doch es hapert an der Sprache. (AP)
Die Niederlande und Deutschland sind wirtschaftlich eng verbunden - doch es hapert an der Sprache. (AP)
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Da staunen sie nicht schlecht, die Schüler vom Cals College, einer Gesamtschule im niederländischen Nieuwegein: über die beiden funkelnagelneuen knallorangefarbenen BMWs, die sich soeben auf ihrem Schulhof verirrt zu haben scheinen. Vor allem das Sportmodell, auch bekannt als James Bond-Wagen, hat es ihnen angetan.

"Mach mit!" prangt unübersehbar in deutschen Lettern auf der Motorhaube. Und an den Türen: "actiegroep Duits"- Aktionsgruppe Deutsch.

Diese beiden sogenannten "Mach-mit-Mobile" werden ab sofort an niederländischen Schulen im ganzen Land vorfahren, um Deutschland als modernes, dynamisches Land zu promoten – hinterm Steuer zwei Dozentinnen vom Goethe-Institut: Die sollen niederländischen Schülern Deutsch als Fremdsprache schmackhaft machen und halten zu diesem Zweck an jeder Schule ein spezielles Sprachtraining ab.

Denn auch wenn das Deutschlandbild der Niederländer besser geworden ist: Für die deutsche Sprache ist die Jugend hierzulande nur schwer zu begeistern:

"Ich mag das Fach Deutsch echt nicht, ich finde die Sprache nicht schön, sie klingt nicht schön."

"Ich mag Deutsch, aber nur ein kleines bisschen."

"Ich hab nichts mit Deutsch, echt nicht."

"Ich finde, das klingt so streng."

71 Prozent aller niederländischen Schüler finden Deutsch uninteressant, 61 Prozent sogar hässlich. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des Bildungsministeriums in Den Haag. Sie war Auslöser für die Kampagne. Schätzungen zufolge gehen niederländischen Unternehmen jedes Jahr an die sieben Milliarden Euro an Umsatz verloren, berichtet Lars Gutheil von der deutsch-niederländischen Handelskammer in Den Haag:

"Die Kampagne ist überfällig. Denn als Handelskammer haben wir schon seit vielen Jahren die Rückmeldungen von Unternehmen, dass deutschsprachiges Personal fehlt. Deshalb ist der Aufruf an niederländische Schüler, die deutsche Sprache wieder zu lernen, ganz wesentlich und auch im Interesse der niederländischen Wirtschaft, denn Deutschland ist für Holland der wichtigste Handelspartner, es gibt fast kein Unternehmen, das international tätig ist und nicht in irgendeiner Form mit Deutschland zu tun hat."

Trotzdem haben die ersten Fachhochschulen das Fach Deutsch aus ihren Wirtschaftsstudiengängen gestrichen. Auch an niederländischen Berufsschulen wird Deutsch nicht mehr unterrichtet – mit der Folge, dass Direktionssekretärinnen ohne Deutschkenntnisse ausgebildet werden – und das in einem Exportland wie den Niederlanden.

An Realschulen und Gymnasien werden in den nächsten Jahren zahlreiche Deutschlehrer in Rente gehen – ohne dass es Nachfolger gibt, so die Befürchtung. Denn die Nachfrage hält sich ohnehin in Grenzen: Die Zeiten, als drei Fremdsprachen Pflicht waren, sind längst vorbei. Realschüler brauchen nur noch Englisch zu lernen; Gymnasiasten wählen als Zweitsprache meist Französisch oder Spanisch.

Dabei könnten sie später mit Deutsch sehr viel mehr anfangen, betont auch Isabelle Burghart. Die 32-jährige Deutsche arbeitet seit drei Jahren als Deutschlehrerin am Cals College und bereitet in einem Klassenzimmer im ersten Stock alles für das spezielle Sprachtraining vor:

"Man kommt da als junger Lehrer hierher, man denkt, man macht alles anders, die werden Deutsch lieben, und das Ende vom Lied ist dann: nein … schwierig, schwierig, schwierig."

Aber kann die Kampagne daran wirklich etwas ändern? Während des Spezialtrainings lernen 28 Schüler der Cal-Schule Deutschland von einer anderen Seite kennen. Sie erfahren, dass der beliebteste deutsche Jungenname 2011 nicht Fritz oder Hubert war, sondern Ben. Und dass die Deutschen nicht am liebsten Currywurst oder Schnitzel essen, sondern Pasta Bolognese.

Und sie singen beliebte deutsche Lieder, um dann Verständnisfragen zu beantworten.

Manch einer ist hinterher immerhin am Zweifeln. Mayke und Tinka hingegen finden Französisch nach wie vor viel schicker und eleganter- und Deutsch blöd:

Was sie allerdings nicht davon abhält, nach Ablauf des Spezialtrainings gleich zwei T-Shirts als Andenken mit nach Hause zu nehmen. Die finden sie dann doch ziemlich cool. Auch wenn darauf unübersehbar auf Deutsch "mach mit!” prangt.



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