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StartseiteInterview"Die pakistanische Regierung wusste immer, dass er da ist"03.05.2011

"Die pakistanische Regierung wusste immer, dass er da ist"

Amim Farhang sieht Nachbarland als Unterstützer von Terroristen

Für die Sicherheit Afghanistans sei der Tod Osama bin Ladens ein positiver Faktor, sagt Mohammad Amin Farhang, ehemaliger Handelsminister der afghanischen Regierung. Sein letzter Aufenthaltsort beweise, dass Pakistan Topterroristen Unterschlupf gewähre.

Mohammad Amin Farhang im Gespräch mit Friedbert Meurer

Mohammed Amin Farhang, ehemaliger Minister in Afghanistan (AP)
Mohammed Amin Farhang, ehemaliger Minister in Afghanistan (AP)
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Ex-Präsident Bush gratuliert Obama
Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist tot

Für die Sicherheit Afghanistans sei der Tod Osama bin Ladens ein positiver Faktor, sagt Mohammad Amin Farhang, ehemaliger Handelsminister der afghanischen Regierung. Sein letzter Aufenthaltsort beweise, dass Pakistan den internationalen Terrorismus unterstütze.

Friedbert Meurer: Er war der meist gesuchte Terrorist der Welt, Osama bin Laden. Wenn er sich per Video- oder Audiobotschaft zu Wort meldete, dann galt das als ein Ereignis. So zum Beispiel im Oktober 2003:

O-Ton Osama bin Laden: Ich sage dem amerikanischen Volk, dass wir mit Gottes Hilfe weiter gegen euch kämpfen werden. Unsere Selbstmordanschläge gehen weiter, innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten. So lange bis ihr euere ungerechte Politik aufgebt.

Meurer: Osama bin Laden zu Lebzeiten im Oktober 2003. Jetzt ist er tot. Einerseits gilt das als wichtiger Schlag gegen den internationalen Terrorismus. Andererseits erwarten und befürchten viele jetzt Racheakte von Al-Kaida beispielsweise, oder den Taliban in Afghanistan.

In Kabul bin ich nun verbunden mit Mohammad Amin Farhang, er war Handelsminister der afghanischen Regierung. Guten Morgen, Herr Farhang!

Mohammad Amin Farhang: Ja, guten Morgen!

Meurer: Was bedeutet die Liquidierung Osama bin Ladens für die Sicherheit in Afghanistan?

Farhang: Für die Sicherheit für Afghanistan ist sein Tod natürlich ein positiver Faktor, aber nicht nur für Afghanistan, sondern für die gesamte Weltgemeinschaft, weil er einer der gefährlichsten Terroristen war, der seine Branchen überall hatte, und wenn jetzt der Chef weg ist, dann muss man auch damit rechnen, dass überhaupt einige Veränderungen eintreten werden zugunsten der Sicherheit auf der Welt.

Meurer: Wir haben gerade gehört, dass der Chef, also Osama bin Laden, selbst wohl nicht mehr Operationen befehligt oder geleitet hat. Wie viel Einfluss hatte er denn Ihrer Meinung nach überhaupt noch?

Farhang: Er war krank, er konnte nicht wie früher sich bewegen, das ist richtig, aber er war spirituell da und konnte alles lenken und die Terroristen, sowohl die pakistanischen Terroristen als auch die afghanischen oder die arabischen aus allen Ländern, die um ihn standen, haben auf ihn gehört und nach seinem Willen gehandelt, und da haben die auch einen schweren Schlag erlitten.

Meurer: Was haben Sie gestern gedacht, Herr Farhang, als Sie hörten, Obama, Osama – Entschuldigung! Jetzt passiert mir auch schon der Fehler -, Osama bin Laden ist nicht in einer Höhle oder einer Schlucht Afghanistans, sondern mitten in einem Villengebiet in einer recht wohlhabenden Stadt in Pakistan?

Farhang: Ja! Damit möchte ich sagen, was wir immer gesagt haben, die Regierung, wir alle, der afghanische Präsident. Wir haben immer wieder gesagt, dass die Zentren des internationalen Terrorismus nicht in Afghanistan, sondern in Pakistan sind, und keiner hat uns geglaubt. Und wenn jetzt der höchste Chef des internationalen Terrorismus in einem sicheren Platz in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt getötet wird und ausgeschaltet wird, das bedeutet, dass er doch immer da war, zumal vor etwa zehn Tagen oder zwölf Tagen der pakistanische Ministerpräsident in Kabul sagte, Osama bin Laden oder die Terroristen seien nicht in Pakistan, sondern in Afghanistan, und jetzt sieht man, dass der Topterrorist doch in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt getötet worden ist und die pakistanische Regierung wusste immer, dass er da ist, aber wollte das vertuschen.

Meurer: Der pakistanische Präsident Sadari sagt, es war keine gemeinsame Operation, aber er spricht doch von Kooperation. Gehen Sie klar davon aus, dass Amerikaner und pakistanische Militärs hier Hand in Hand gearbeitet haben?

Farhang: Das ist eine sehr schwierige Frage. Wenn die Pakistani gewusst hätten, dass die Amerikaner so einen Überraschungsangriff ausüben, dann könnten sie sehr schnell Osama bin Laden und seine Leute in einen Helicopter stecken und nach Afghanistan bringen, in ein Tal im Süden Afghanistans, und dort von den Amerikanern töten lassen und sagen, aha, wir haben gesagt, dass er in Afghanistan ist. Aber da er in der Nähe von Islamabad getötet worden ist, kann das bedeuten, dass vielleicht die pakistanischen Stellen überhaupt von dieser Aktion nichts wussten, oder die wussten es, aber die wollen das jetzt vertuschen, damit die Pakistaner, also das pakistanische Volk, das zum Teil auch Sympathien für Osama bin Laden zeigt, dass die nicht unruhig werden. Also das ist ein sehr komplizierter Fall, es zu erklären.

Meurer: In Deutschland ist viel beachtet worden, wie die Amerikaner dann nach der Operation vorgegangen sind, dass sie binnen 24 Stunden den Leichnam bin Ladens auf offener See bestattet haben. Sie sagen, sie hätten den islamischen Ritus eingehalten. Was sagt man bei Ihnen in Afghanistan dazu?

Farhang: Hier habe ich noch keine Reaktionen gehört. Er ist tot, es kann sein, dass er bestattet worden ist, ins Wasser geworfen worden ist, aber er war ein Verbrecher und er hat Tausende unschuldige Menschen auf dem Gewissen. Was man mit ihm gemacht hat oder macht, ist jetzt egal. Im Islam muss ein Verbrecher bestraft werden, und er war auch kein Moslem in meinen Augen. Er hat gegen den Islam gehandelt und hat diese Strafe verdient.

Meurer: Mal deutlich gesagt: War es Ihnen lieber, dass er getötet wird als verhaftet wird?

Farhang: Ich wäre glücklicher gewesen, wenn er verhaftet worden wäre, aber, wie ich heute und gestern gelesen habe, das war nicht möglich, weil er sich gewehrt hat und die Angreifer mussten ihn töten. Wenn er lebendig wäre, dann hätte man von ihm viele andere Geheimnisse vielleicht herausholen können.

Meurer: Mohammad Amin Farhang, ehemaliger Handelsminister in der afghanischen Regierung, für uns heute Morgen live aus Kabul. Herr Farhang, besten Dank und auf Wiederhören!

Farhang: Ja, auf Wiederhören.

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