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StartseiteCorso"Globaler Superkleber"15.02.2018

Die Pizza als Kunstobjekt"Globaler Superkleber"

Kürzlich zum immateriellen Kulturerbe der Marke UNESCO erklärt, beschäftigt sie zunehmend Künstler und Designer: Die Pizza - geliebt, gehasst und überall verfügbar – taugt sogar als Modell für Theorien zur Globalisierung und Digitalisierung. Das will eine Schau rund um die Pizza in Düsseldorf zeigen.

Von Peter Backof

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Findet sich mittlerweile auf Speisekarten rund um den Globus: Die Pizza. (imago / STPP)
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Jubelszenen aus Neapel gingen um den Globus. Seit Dezember gehört sie nun also zum Weltkulturerbe der UNESCO: die Pizza. Kult-Essen, "Comfort Food", das glücklich macht. Oder krank. Oder faul. Mega-Meme, feste Größe im Internet der Dinge. Kurator Mikkel Carl fällt ein Wort ein, um das alles zusammenzufassen: Gott.

"In Dänemark sagen wir, wenn etwas super-toll ist: Das ist Gott. - Also das ist so ein umgangssprachlicher Ausdruck. Dann sagt man: Pizza ist Gott. Oder das Internet ist Gott."

"Ein fantastisches Thema für die Kunst"

Und dann heißt auch ein Gemälde so: Der "Pizza God" von Spencer Sweeney, 2011 ist eine Pop Art-Anverwandlung. Ein nackter Mann oder ein Gott balanciert eine Pizza auf dem Handteller. Die Bildsprache der klassischen Antike wird mithilfe einer Pizza zum Readymade. Und damit zum Lacher. Gott gibt den Menschen Pizza.

So beginnt der Parcours durch drei Säle, der überwiegend Arbeiten aus den Nuller und Zehner Jahren versammelt. Für Künstler, Designer, Videomacher dieser Generation ist in neuer Weise Pizza Pop, ergänzt um die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation; die Pizza ist: Emotion und Emoticon: "Ich lasse es mir gut gehen. Ich teile das mit euch."

"Ein fantastisches Thema für die Kunst. Sie haben: Stabilität und Variation, sie haben: Tradition und Innovation. Die Pizza ist ein philosophisches Ding. Mal ist sie Kulturphänomen, mal Lebensmittel, mal Mode-Objekt: Also meine Frau erzählt mir, es gäbe aktuell Mode-Labels, die echte Pizzen designen."

Internationaler Pizza-Effekt

Und es gibt Künstler, die die Reste und den Pappdeckel von einem Stück Pizza to Go in Bronze gießen und Müll haltbar machen. Die Pizza ist mit ihrer käsig-teigig-fettigen Omnipräsenz natürlich auch ein ganz entsetzlich banales Thema. Aber: Es gibt Pizza - und es gibt Pizza. Die UNESCO meinte mit der Auszeichnung schon das Original aus Neapel, erdacht als günstig zu produzierendes und dabei leckeres Lebensmittel für Arbeiter, das dann durch Migrationsbewegungen der Italiener in alle Welt exportiert wurde. Riesige Stapel von Pizzakartons in der Schau lassen denken: Das Konzept der Pizza ist durchaus modern und gut.

"Die Pizza ist genauso ein US-amerikanisches Ding wie ein italienisches. Da gibt es ja die amerikanische Version, Deep Pan, mit Käse, Käse und nochmal Käse, aber das meine ich nicht. Die Pizza hat eindeutig profitiert von der Infrastruktur US-amerikanischer Medien und des Marketings. Wir sprechen von einem Pizza-Effekt. Etwas wird populär, erst dann, wenn es wieder zurückkommt, dorthin, von wo es herkommt.

Belegt mit Abgründen, Hintersinn und Humor

Auch die künstlerischen Anverwandlungen dehnen den Begriff wie Teig, noch elastischer als die kulinarischen. Das Künstlerkollektiv "PCNC_BY und Blunt und Skensved" zum Beispiel füllt einen Raum mit einer begehbaren Dystopie. Das ist zunächst eine Komfortzone mit Kissenlandschaft in Pizzaform. Lampen glimmen in wohligem Infrarot. Doch dann wird man sich gewahr, dass man sich da gerade in einem angedeuteten 600-Grad-Holzkohleofen befindet, in dieser Szenografie, die "Pizza G8" heißt; und vielleicht ausspioniert wird, wie in einem viralen Video von Andrei Bart: Da wollte ein Mann einfach nur mit dem Smartphone eine Pizza bestellen und war nachher vernetzt mit der Krankenkasse, Versicherungen und dem Verfassungsschutz – nicht zu seinem Vorteil. "Pizza is God" ist in dieser Weise üppig belegt mit Abgründen, Hintersinn und Humor. Das hätte man vorher nicht gedacht, dass man dem Allerweltsthema so viel abgewinnen kann. Empfehlenswert.

Die Ausstellung "Pizza is God" können Sie bis 15. März 2018 im NRW-Forum Düsseldorf besuchen.

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