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"Die Regierung tut alles, um den Willen der Menschen zu brechen"

Alexander Timoschenko, Ehemann von Julia Timoschenko, aus dem Exil

Von Katrin Materna

Ukraines Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko bei der Urteilsverkündung: Sieben Jahre Haft.
Ukraines Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko bei der Urteilsverkündung: Sieben Jahre Haft. (picture alliance / dpa / Grigoriy Vasilenko)

Seine Frau Julia wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, der Rest der Familie wurde und wird von der Regierung "enormem Druck" ausgesetzt: Alexander Timoschenko berichtet aus dem selbst gewählten Exil in Tschechien über die Situation in der Ukraine seit der Niederschlagung der Orangenen Revolution.

Der Sitz der Nicht-Regierungsorganisation "Ukrainian European Perspective" mitten in der Prager Innenstadt: schicker Altbau, hohe weiße Decken, auf Hochglanz poliertes Parkett. Auf den Schreibtischen aus Massivholz liegen Broschüren aus. Darauf ist die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko abgebildet, die einstige Hoffnungsträgerin der Orangenen Revolution. Demokratischer und freier sollte das Land vor sieben Jahren werden. Doch die Vorzeichen haben sich inzwischen deutlich verändert, so der Ehemann der Oppositionsführerin, Alexander Timoschenko:

"Seit dem Machtantritt der jetzigen Führungsriege unter Viktor Janukowitsch hat sich gezeigt, dass sich unsere Träume von damals nicht erfüllt haben. Viele Oppositionsmitglieder sitzen in Gefängnissen, andere sind emigriert. Alle sind einem enormen Druck ausgesetzt. Nicht nur die Abgeordneten und Parteimitglieder, sondern auch ihre Familien, ihre Kinder. Die Regierung tut alles, um den Willen der Menschen zu brechen, die die Oppositionsparteien unterstützen."

Seine Familie sei das beste Beispiel dafür, so der elegant gekleidete 51-jährige. Da es den Machthabern selbst im Straflager nicht gelungen sei, seine Frau Julia zu brechen, hätten sie nun ihre Angehörigen ins Visier genommen. Deshalb habe er beschlossen, sein Heimatland zu verlassen und in Tschechien ein Asylgesuch zu stellen.

Julia Timoschenko wurde im vergangenen Oktober zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Vorwurf: Amtsmissbrauch. Verträge über Gaslieferungen, die sie vor zwei Jahren in ihrer Funktion als Ministerpräsidentin mit Russland abgeschlossen hat, sollen der Ukraine großen finanziellen Schaden zugefügt haben. Die EU hat Prozess und Urteil als politisch motiviert bewertet. Es hagelt internationale Kritik.

"Der Prozess war eine Farce. Eine Show für die ukrainische Bevölkerung.
Dahinter wird all das versteckt, was die Regierung zu vertuschen versucht: die Plünderung des Staates, Gesetzesbrüche, Korruption."

Julia Timoschenko befindet sich inzwischen in einem Straflager 450 Kilometer östlich von Kiew. Timoschenkos Tochter Jewgenija prangert immer wieder die Haftbedingungen der Mutter an. Sie erinnerten an Folter, sagte sie kürzlich in einem Fernsehinterview. Sie beklagte außerdem die unzureichende ärztliche Versorgung der gesundheitlich angeschlagenen Mutter. Die 31-jährige Jewgenija, so Alexander Timoschenko, werde jedoch vorerst in der Ukraine bleiben, denn sie sei die einzige Angehörige, die Julia Timoschenko im Straflager besuchen darf.

"Als unsere Tochter steht Jewgenija natürlich ebenfalls unter Beschuss. Momentan glaube ich aber noch, dass sie nicht Gefahr läuft, ebenfalls inhaftiert zu werden. Schließlich war sie weder an unseren wirtschaftlichen noch an politischen Aktivitäten beteiligt."

Alexander Timoschenko unterhält seit Jahren geschäftliche Kontakte nach Tschechien. In Prag hat er nun eine Organisation registrieren lassen, die den Namen der Partei seiner Frau trägt: Batkivschina – Vaterland. Von hier aus will er die ukrainische Opposition unterstützen, vor allem aber für die Freilassung seiner Frau kämpfen.

"Von der jetzigen Regierung kann man keine Begnadigung erwarten. Meine große Hoffnung gilt deshalb dem Europäischen Gerichtshof."

Gegen einige weitere Mitglieder der ehemaligen Regierung Timoschenko wird in der Ukraine derzeit ermittelt. Auch ihnen werden unter anderem Amtsmissbrauch und Veruntreuung zur Last gelegt. Einem von ihnen, dem ehemaligen Wirtschaftsminister Bogdan Danilischin, hat Tschechien im vergangenen Jahr Asyl gewährt. Zwei tschechische Diplomaten wurden daraufhin wegen Spionageverdachts der Ukraine verwiesen.

Präsident Viktor Janukowitsch, Timoschenkos schärfster Widersacher, weist alle Vorwürfe zu einem politisch motivierten juristischen Feldzug gegen Oppositionelle zurück. Niemand werde in der Ukraine politisch verfolgt, heißt es. Und der Geschäftsmann Alexander Timoschenko versuche in Tschechien nicht sich, sondern das Geld der Familie in Sicherheit zu bringen, so die Botschaft aus Kiew.



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