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StartseiteHintergrund Wirtschaft (Archiv)Die Revolution frisst ihre Kinder04.08.2002

Die Revolution frisst ihre Kinder

20 Jahre Privatfernsehen

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Guido Meyer

Es ist soweit. Ohne feierliche Eröffnung, ganz aus dem Alltag der Arbeit, geht nunmehr das Zweite Deutsche Fernsehen auf den Schirm.

April 1963. Deutschland erhält zum ersten Mal so etwas wie ein 'duales System': Dem bisherigen Fernsehmonopolisten ARD wird ein zweiter öffentlich-rechtlicher Sender zur Seite gestellt. Neben der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands gibt es fortan eben auch ein Zweites Deutsches Fernsehen, das seinen Bildschirm ebenfalls erst einmal füllen muss, so dass schon zu Beginn der 60er Jahre ein gewisser Filmehändler namens Leo Kirch nicht ungelegen kommt. Für ihn nämlich hatte alles bereits sieben Jahre zuvor begonnen, mit einer Bahnfahrt - Dritte Klasse - nach Rom, wo er für läppische 50.000 Mark die Rechte an "seinem" ersten Film, Italiens Klassiker La Strada, erwarb. Vier Jahre später hatte Kirch bereits 600 Filme und Serien in seinem Bauchladen.

Die berühmten Filmklassiker, ob Casablanca oder High Noon. Er hat dann sehr früh angefangen, auch sagen wir mal, Kultfilme, die damals noch gar keine waren, aber die wir heute als solche verstehen, Heinz-Erhardt-Filme, oder er hat sehr früh alle Filme von Peter Alexander in der Hauptrolle gekauft, und alle Filme, in denen Heinz Rühmann die Hauptrolle spielte.

Dieter Stolte, bis vor kurzem noch ZDF-Intendant. Das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem in Deutschland schlummerte friedlich vor sich hin, bis der Name ‚duales System' durch das Aufkommen von neuartigen, privaten und daher kommerziellen Fernsehanstalten einen neuen Sinn bekam. Christian Schwarz-Schilling, in der achtziger Jahren Bundesminister für Post und Telekommunikation der Kohl-Regierung und damals wie heute Befürworter eines ‚dualen Systems'.

Man hat natürlich gesehen, dass überall in der übrigen Welt Kabel und Satelliten eingeführt wurden. Die Ministerpräsidenten haben Jahre gebraucht, bis sie überhaupt so ein Pilotprojekt zustande gebracht haben, weil sie sich nicht einigen konnten, an welchen Stellen. Das waren ja auch medienpolitische Standortentscheidungen. Das Wichtigste wurde dann wohl Ludwigshafen-Mannheim, weil dort dann auch Private zugelassen worden sind und von dort aus dann zum ersten Mal Privatprogramme legitim, in Deutschland produziert, in ein Kabelpilotprojekt eingespeist wurde.

Und wieder war Leo Kirch einer der ersten, der am 1. Januar 1984 um zehn Uhr vormittags mit seinem Projekt der PKS auf Sendung ging, der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk, deren Programm sich zunächst APF nannte - Aktuell Presse-Fernsehen - und aus dem vier Jahre später SAT.1 werden sollte.

Die PKS wurde nur durch das neue Medium Kabelfernsehen überhaupt möglich, später ergänzt durch die damals neuartige Abstrahlung von TV-Programmen über Satelliten, der dann ja auch SAT.1 seinen Namen verdankte. Diesmal sollte Kirch jedoch kein Monopol bekommen, denn das bis dahin für den deutschen Markt nur Hörfunk ausstrahlende Radio Luxemburg ging nur einen Tag nach der PKS, am 2. Januar 1984, mit RTLplus und dem Motto Happy Luxemburg an den Start.

Schon zu Beginn waren die Ziele des damals noch für Hörfunk und Fernsehen zuständigen Programmdirektors, eines Österreichers namens Helmut Thoma, ehrgeizig.

Wir wollen Erster werden. Das habe ich nach einem halben Jahr in einer Versammlung mit Mitarbeitern auch gesagt. Die haben fast gelacht. Aber ich habe immer gesagt: Wir starten ja nicht, um Vierter zu werden. Wenn uns das dann passiert, ist es so. Aber wir wollen zumindest einmal Erster werden.

Gesagt, getan; nach ein paar Jahren war Helmut Thoma Erster, aus RTLplus wurde RTL und aus Luxemburg Köln. Jürgen Doetz war damals Geschäftsführer des neuen Senders SAT.1. Und eins war von Anfang an klar: der Zweck von kommerziellem Fernsehen.

Die Motive sind bei einzelnen Veranstaltern sicherlich unterschiedlicher Natur, aber privates Fernsehen dient natürlich dem Kommerz, das heißt die, die sich beteiligen, wollen damit Geld verdienen, genauso wie die, die eine Zeitung herausgeben, damit auch Geld verdienen wollen.

Bevor die heutigen Landesmedienanstalten das Wachstum privater Hörfunk- und Fernsehsender beaufsichtigten, hatte das Adolf-Grimme-Institut seine Augen auf die Entwicklungen in der Medienszene geworfen. Angesichts der Kirch-Krise klingt die damalige Voraussage von Hans Janke fast zwanzig Jahre später wie eine frühe Einsicht in die Bedingungen des Marktes und wie eine Warnung an zu viel Euphorie.

Die Prognosen sagen ja, dass es eigentlich nur zwei oder drei Überlebende geben kann, weil dafür auch eine gehörige Kapitaldecke benötigt wird, weil man lange Verluste aushalten können muss. Das können nur wenige. Und weil auch für mehr Programme gar kein Markt da sein wird, also kein hinreichend großes Zuschauerreservoir, und von daher die fetten Jahre der Rundfunkanstalten, einiger Rundfunkanstalten mit Sicherheit in zwei, drei Jahren vorbei sein werden. Dann wird man eben erst recht daran gehen werden, zu überprüfen, was man behält und was man aufgibt.

Doch bis zu diesem Stadium sollte es dann doch noch mehr als "zwei, drei Jahre" dauern. Erst einmal baute Kirch neben SAT.1 auch noch Pro 7, Kabel 1, den Einkaufssender H.O.T. und das Nachrichtenprogramm N24 auf und baute Tele 5 zum Deutschen Sport Fernsehen um. Die Werbeschaltungen boomten, bei den Kommerziellen auch nach 20 Uhr. Es schien so, als hätte die Branche nur auf neue Programme gewartet, um Reklamespots buchen und die Sender so finanzieren zu können.

Auch RTL war nicht untätig, gebar neben RTLplus noch RTL II, Super RTL und den RTL Shop, besann sich in Punkto Pay TV aber eines Besseren und verhielt sich in diesem vielleicht entscheidenden Punkt anders als die Kirch-Konkurrenz: Die mittlerweile aus dem Luxemburger Medienkonzern und dem deutschen Bertelsmann-Verlag fusionierte CLT-Ufa zog mit dem Bezahlfernseh-Paket Club RTL unmittelbar vor seinem lange terminierten Start die Notbremse. Der Club hätte das Gegenstück zu Kirchs Abo-Sender DF1 sein sollen, dem heutigen Premiere. Und dies war eine weise Entscheidung, die sich jetzt auszahlt: Die RTL-Group umfasst mittlerweile europaweit 23 Fernseh- und 14 Radiosender sowie zahlreiche Beteiligungen an Produktionsfirmen. Allein mit ihrem Fernsehgeschäft hat die Gruppe im letzten Geschäftsjahr mehr als 2,8 Milliarden Euro umgesetzt und damit - verglichen mit dem Jahr 2000 - nochmals ein Plus von vier Millionen Euro gemacht - Kirch hingegen Pleite. Fritz Pleitgen, WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender, kommentiert:

Kirch ist an Kirch gescheitert. Ganz eindeutig. Nicht an den Verhältnissen, die wir hier in Deutschland haben. Andere kommen ja ganz gut klar. Aber Kirch hatte sich zum Ziel gesetzt, diesen Markt nicht nur zu dominieren, sondern nach Möglichkeit auch zu monopolisieren. Kirch hat versucht, uns andere zu überrumpeln, indem er Preissituationen hergestellt hat, denen wir überhaupt nicht folgen konnten.

Der Niedergang des Kirch-Imperiums begann eigentlich schon zur Jahreswende '90/'91 mit der Gründung von Premiere. Anfangs war Kirch daran nicht einmal nennenswert beteiligt, Canal plus und Bertelmann dafür um so hochprozentiger. Erst am Ende des Jahrzehnts, nach dem Ausstieg von Canal plus, sollten sich die Beteiligungsverhältnisse umgedreht haben: Seit März '99 besaß Bertelsmann nur noch fünf Prozent an dem Bezahlfernsehen, Kirch hingegen 95. Für weitere Investitionen brauchte der Münchner Medienmogul Partner - andere Medienmogule, gleich aus welchem Land. Berlusconi wurde beim Deutschen Sport Fernsehen mit ins Boot genommen, Murdoch im Falle von Premiere.

Mit dem Fox-Network hatte der australisch-amerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch schon den etablierten US-Sendern abc, CBS und NBC das Fürchten gelehrt. Auf dem deutschen Fernsehmarkt kaufte er sich bei KirchMedia und Kirch-Pay-TV ein, allerdings jeweils mit Rücknahmegarantien, falls das Bezahlfernsehen in der Bundesrepublik nicht anspringen sollte. Bislang konnten Geldgeber aus dem Ausland stets mehr oder weniger erfolgreich auf Warteposition gehalten werden. Wirtschaftlich bedingter Zufall oder höhere patriotische Absicht? Überwiegend national sollten die Medien schon sein, meint Pleitgen:

Sie tragen ganz entschieden zur Identität, zum Bewusstsein der Bevölkerung bei. Aber eine internationale Zugabe würde ich immer befürworten. Sie würde unseren Markt in jeder Hinsicht bereichern können.

"In jeder Hinsicht", das heißt natürlich auch finanziell. Darum sollten Murdochs Millionen für das nicht eben erfolgreiche deutsche Pay TV oder Mallones Millionen für das mittlerweile marode bundesdeutsche Breitbandkabel eigentlich willkommen gewesen sein. Zumal die Modernisierung der Verbreitungswege nach zwei Jahrzehnten Kabelfernsehen in Europa nicht eigentlich ein rein deutsches Problem ist, betont der Abteilungsleiter Medien in der EU-Generaldirektion Wettbewerb, Norbert Ungerer:

Es ist eben auch ITV digital, es ist auch Quiero in Spanien, und es ist natürlich auch die Canal-plus-Krise in Frankreich. Und es ist auch die Krise in Italien mit Pay TV. Das heißt, es stellt sich ein großes Fragezeichen momentan in Europa: Wie kann der Übergang ins Digitale finanziert werden, und wer kann das finanzieren? Und dann stellt sich die zweite Frage: Trägt unser jetziger Konsens, der letzten Endes heißt: In Europa ist Rundfunk eine nationale Veranstaltung, trägt das tatsächlich dieser neuen Herausforderung?

Die Antwort scheint wohl zu lauten: Nein, er trägt nicht, Globalisierung macht auch vor der Medienwelt nicht halt.

Wir werden internationale Player in stärkerem Maße hier drin haben, und wir werden feststellen, dass man auch mit Berlusconi oder Murdoch in Deutschland leben kann. Aber das bringt keinen von uns um.

Karl-Ulrich Kuhlo also, Aufsichtsratchef von n-tv und Vorstandsmitglied des Vereins Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), hat nichts gegen Geldgeber aus dem Ausland. Vielmehr sei die deutsche Überregulierung auf dem Kommunikationsmarkt daran Schuld, dass regelmäßig potenzielle Investoren aller Herren Länder von der deutschen Regelungswut abgeschreckt werden würden. Gott sei dank, finden die Öffentlich-Rechtlichen, in Person von Fritz Pleitgen: Ich lehne Berlusconi ja nicht ab als Italiener, sondern als Unternehmer, der über seine Medien zur Macht gekommen ist und inzwischen auch noch einen Zugriff auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat, darüber wieder einen Einfluss auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Europa. Dass ein solcher Mann nun bei uns auf den Medienmarkt kommt, das halte ich schon für ziemlich abenteuerlich.

Heißt also: Geld auf dem deutschen Markt kann investieren, wer will und woher er kommt, national oder international, aber es gelten die nationalen Spielregeln. So also kann ein Übertragungsmedium wie das Breitband-Fernseh-Kabel vom Hoffnungsträger zum Klotz am Bein werden. Wohl nicht zufällig lief der Niedergang des Übertragungsmediums, der technischen Verbreitung, parallel zum Auf und Ab des Leo Kirchs und damit entscheidend des deutschen Privatfernsehens.

Wenn jetzt unternehmerische Fehler gemacht werden, dann ist es doch nicht die Aufgabe des Staates dort einzuwirken. Ich habe nie an den großen Boom des Pay TV bei uns geglaubt. Denn die Filme wurden in den Öffentlich-Rechtlichen und dann auch in den Privaten ohne Gebühren, ohne Pay-TV-Gebühren, durch Werbung finanziert. Und deswegen ist in Deutschland der Unterschied zwischen einem Pay-TV-Programm - wie es bei Premiere ist - und dem Normalprogramm gar nicht so wahnsinnig groß. Von daher gesehen gibt es eine Sondersituation in Deutschland. Vorher war die Sondersituation, daß man nichts hatte, da hatten wir den größten Boom an Videorecordern . Von daher gesehen kann ich nur sagen, ist diese ganze Historie voraussehbar gewesen.

So Christian Schwarz-Schilling, der frühere Postminister. Um zu retten, was zu retten ist, haben sich nun der Springer-, Spiegel- und Bauer-Verlag mit der Hypo-Vereinsbank zusammengetan. Auch die Commerzbank und die TV-Produktionsfirma Columbia Tri Star zeigen Interesse. Derzeit sind 2,6 Milliarden Euro geboten, um KirchMedia zu übernehmen und wieder fit zu machen.

Wir müssen das System konsolidieren. Weite Teile auch des privaten Fernsehens werden viel zu aufwendig hergestellt, und da sind Sachen dabei, die man locker abschneiden könnte. Ich verlange die Konsolidierung auch auf der öffentlich-rechtlichen Seite,

sagt der Privatfernsehmann Kuhlo aus Berlin. Nicht ganz zu unrecht: Auch die Öffentlich-Rechtlichen nämlich waren in den achtziger und neunziger Jahren expandiert, das Erste zum Beispiel mit dem mittlerweile eingestellten Eins plus, ARD und ZDF gemeinsam mit dem Kinderkanal und dem Ereigniskanal Phoenix.

Das könnte man Auslese nennen. Nur sorgt in diesem Fall nicht die Natur für diese Auslese sondern der Markt. Und der hat immer Recht. Auch wenn es weh tut. Ohne mit der Wimper zu zucken, sortiert er die schönsten Formate, ja ganze Fernsehsender aus. Dem Markt sind unsere Schmerzen egal. Er kennt keine Moral und kein Mitleid. Er kennt nur ein Kriterium: den Erfolg.

Christiane zu Salm-Salm scheint mit dem neuen Konzept Neun Live zum Erfolg zu führen. Derzeit sieht es so aus, als schriebe der Sender eher schwarze Zahlen, als es von den Verantwortlichen erwartet worden war. Damit scheint Neun Live die Krise der privaten Sender überstanden zu haben, gleich ob als Neuling oder als ge-relaunchtes Programm. Vielleicht auch deshalb, weil Neun Live eben nicht nur auf die Werbeindustrie als die zahlungskräftigen Financiers für das Programm setzt, sondern auch, um nicht zu sagen hauptsächlich, auf den vermeintlich mündigen Zuschauer. Diejenigen Fernsehkonsumenten nämlich, die nicht bereit sind, für Pay-TV Geld auszugeben oder sich über die Gebühren für ARD und ZDF beschweren, rufen bereitwillig zu horrenden Tarifen bei Neun Live an, um in diversen Gewinnspielen und im Gespräch mit Big-Brother-Alida dann doch nichts zu gewinnen. Aus diesen Telefonaten finanziert sich das Programm in erster Linie. Monika Griefahn, Medien-Sprecherin der SPD, glaubt:

Dass die Frage Pay TV zur Zeit bei uns deshalb nicht funktioniert hat, weil wir eben Free-TV-Kanäle haben und die auch reguliert sind, im Sinne von wie viel Werbung darf dort passieren und deshalb auch attraktiv für Leute sind. Für meine Begriffe ist eigentlich erst in dem Moment Pay TV in Deutschland interessant und wird interessant, wenn die Deregulierung der Werbung läuft und dann in den Free-TV-Kanälen also nicht mehr die Begrenzung existiert, wie sie jetzt existiert. Dann würden nämlich Leute sagen 'na, jetzt schaffen wir noch, in zwei Stunden einen Film anzugucken, aber wenn wir dann drei Stunden dazu brauchen, weil die Werbung eben noch mehr zunimmt, dann werden wir uns vielleicht doch lieber einen Pay-TV-Kanal anschaffen'.

RTL, SAT.1, Pro Sieben, Kabel 1, RTL II und wie sie alle heißen, würden gerne noch mehr Spots einkaufen, um zum Beispiel längere Werbung am Stück oder mehr Reklameblöcke in einer Stunde ausstrahlen zu können. Das jedoch wird vom Gesetzgeber verhindert. Nur wenn es erlaubt wäre, sozusagen ein freier Markt für die Fernsehwerbung existieren würde, wären die Konsumenten bereit, Geld für reklamefreies Pay-TV zur Erholung von Augen und Ohren auszugeben. Schwarz-Schilling: Ich glaube, man muss sich darüber im Klaren sein, dass es nur eine ganz bestimmte Schicht ist, die sich an etwas Besonderem orientiert und dafür bereit ist, noch mal 20 bis 30 Euro im Monat hinzulegen. Und das wird sicherlich über ein Maß von fünf, sechs Millionen am Ende der Entwicklung nicht hinausgehen. Und dann muss man die Kosten senken. D.h. also ein Programm, das nicht mit 1,5 Millionen produktiv und ein sogenanntes Return-On-Investment bringt, da stimmt etwas nicht. Das darf nicht so aufwendig aufgebaut werden, dass man selbst bei 2,5 oder drei Millionen nur noch Verluste einfährt.

Da die CLT-Ufa sich - zumindest vorerst - gegen die vermeintliche Einnahmequelle Pay-TV entschieden hatte, fand sie andere technische Übertragungswege zur Promotion ihrer Produkte: das World Wide Web. Thomas Hesse, bislang gemeinsam mit Hans Mahr Geschäftsführer von RTL NEWMEDIA - der Firma, die sich um die Videotext-, Telefon- und Onlineaktivitäten des Hauses kümmert.

Wir nutzen die Marke von RTL, wir nutzen die Inhalte von RTL, und RTL bewirbt uns. Dafür zahlen wir natürlich auch einen Betrag, den wir an RTL zurück überweisen. Und so kommen bei RTL Erlöse zustande, die die Verluste, die wir eingehen, natürlich etwas kompensieren.

So wie die Privaten sich des Internets als weiterer Einnahmequelle bedient haben und es beim Pay TV zumindest probieren, versuchen die Öffentlich-Rechtlichen mit Tochterfirmen ihr Glück. Was dem ZDF als Anstalt des öffentlichen Rechts untersagt ist - beispielsweise Gewinn zu machen -, darf ZDF Enterprises sehr wohl, indem es sich zum Beispiel um den ZDF-Medienpark kümmert. Auch die ARD ist mit ihren Landesrundfunkanstalten Teilhaberin an diversen Produktionsfirmen, verteilt quer durch die Republik.

Als wir anfingen hier, gab es ja überhaupt keine Medienstruktur hier in Mitteldeutschland. Da haben wir alle unsere Aufträge in den alten Medienzentren platzieren müssen. In der Zwischenzeit, eben durch unsere Politik hier, ist eine Medienstruktur da, und wir können 70 Prozent unseres eigenes Auftragsvolumens im eigenen Sendegebiet platzieren. Das sind nicht alles MDR-Töchter, das sind auch Töchter mit Beteiligungen Dritter, aber insgesamt bleiben 70 Prozent des Geldes hier in unserem Sendegebiet,

freut sich der frisch wiedergewählte MDR-Intendant Udo Reiter über seine 20 Tochterunternehmen, die im Jahr auf rund 100 Millionen Euro Umsatz kommen. Das Dumme ist nur, was der MDR und auch die anderen ARD-Anstalten machen, bewegt sich an der Grenze des gesetzlich Zulässigen. Zwar werden die öffentlich-rechtlichen Töchter nicht direkt über Gebühren finanziert, wohl aber "quersubventioniert", wie es Jürgen Doetz für den Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation beklagt. Wenn sich ARD und ZDF schon privatwirtschaftlich betätigen, dann bitte richtig.

Dann müssen die Beteiligungsgesellschaften in den vollen Wettbewerb entlassen werden. Da darf nicht der MDR für Verluste der Tochtergesellschaften gerade stehen, sondern dann müssen die bitte pleite gehen, so wie unsereins pleite geht, wenn er am Markt vorbei produziert. Sie können nicht auf der einen Seite rufen: mehr Wettbewerb für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber die Gefahren des Wettbewerbs die wollen wir nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben. Dann bitte konsequent. Nur solange sie diese Gebührenfessel - ich sage jetzt bewusst mal Fessel - haben, werden Sie immer wieder, bei jeder klitzekleinen Tochtergesellschaft, vor die Frage gestellt: Dürfen die das?

So werden die kleinen Tochterunternehmen von ARD und ZDF auch weiterhin mit ihren Aktivitäten auf einem schmalen Grad wandern. Dieser Markt ist eben ein schwieriger und wird es wohl auch bleiben. Das musste in dieser Woche erst wieder B-TV aus Baden-Württemberg erfahren, das Insolvenz angemeldet, und TV Berlin, das vor zwei Tagen gar seinen Sendebetrieb eingestellt hat. Und so wird die private Medienrevolution wahrscheinlich auch weiterhin ihre Kinder fressen - solange, bis sie satt und der Markt gesund geschrumpft ist.

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