Wirtschaft am Mittag / Archiv /

Die Rückkehr der Goldbarren

Die Bundesbank holt Teile ihrer Reserven zurück nach Deutschland

Von Brigitte Scholtes

Goldbarren - Teil der Finanzreserve Deutschlands
Goldbarren - Teil der Finanzreserve Deutschlands (AP)

Insgesamt 674 Tonnen Gold im Wert von 27 Milliarden Euro will die Deutsche Bundesbank aus in New York und Paris lagernden Beständen nach Frankfurt holen. Mit Misstrauen gegen die lagernden Auslandsbanken hat das aber nichts zu tun, betont die Bundesbank.

Strenge Einlasskontrollen und Sicherheitsbeamte im Saal: Die Deutsche Bundesbank wollte heute demonstrieren, dass sie mit dem ihr anvertrauten Gold gut und vertrauenswürdig umgeht. Und dass das Gold, das sie in ihren Beständen hat, auch wirklich aus Gold bestehen, das wurde den Journalisten live anhand verschiedener Methoden vorgeführt. Ein Goldbarren wird zunächst gewogen – im Schnitt sind diese Barren 12,5 Kilogramm schwer. Danach wird ein solcher Barren mit einem Röntgenspektrometer, einem Röntgenfluoreszenzgerät, überprüft, erklärt Helmut Rittgen, Zentralbereichsleiter Bargeld der Deutschen Bundesbank.

"Sie sehen bei diesem Gerät, dass es den Feingoldgehalt exakt anzeigt, in anderen Fällen gering abweicht. Hiermit wird deutlich, ja, es ist Gold mit hohem Feinheitsgrad. Und dann kommt der zweite Prozess, den Sie hier sehen: Der Barren wird gerade eben mit einem Reagenz beträufelt, um dieses Messverfahren zu starten. Und jetzt sehen Sie hier: Diese Ausschläge, die sehr, sehr hoch gehen, sehr hohe 'peaks', da haben Sie es ganz deutlich, ganz ausführlich gerade eben wieder, das ist homogen, das ist der Test, der hier gemacht wird."

Die Bundesbank besitzt 3391 Tonnen Gold, von denen aber nur knapp ein Drittel bisher in den Frankfurter Tresoren lagert, zum Teil in Offenen Regalen, zum Teil in Metallkästen, erklärt Rittgen:

"Wir haben in Frankfurt, und ich glaube, man muss sich das bewusst machen, welches Volumen das ist, 82.860 Barren. Davon ist nur ein sehr kleiner Teil hier in der offenen Lagerung, das sind 6183 Barren oder 78 Tonne. Da kommen immense Gewichte in Kürze zusammen."

Doch nur ein Drittel des deutschen Goldes lagert bisher in Frankfurt, 45 Prozent in New York, der Rest in London und Paris. Das soll sich nun ändern, 2020 will die Deutsche Bundesbank schließlich die Hälfte des deutschen Goldschatzes in Frankfurt hüten, das sei aber kein Ausdruck des Misstrauens, sagt Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele, auch wenn in der deutschen Öffentlichkeit zwischenzeitlich Sorgen aufgekommen waren, der deutsche Goldschatz könne im Ausland nicht so sicher sein wie in Deutschland:

"Unser Gold ist physisch vorhanden, zum Teilen eben in Frankfurt, zu anderen Teilen in Paris, London oder New York, sodass wir da überhaupt keine Zweifel daran haben. Wir haben keine Zweifel in die Integrität der Notenbanken, hat auch der Bundesrechnungshof nicht."

In diesem Jahr will man damit beginnen, die 374 Tonnen deutsches Gold von der französischen Nationalbank zurück nach Frankfurt zu holen, kündigte Thiele an:

"Durch die Währungsunion fällt eine wesentliche Funktion für das in Paris lagernde Gold weg. Da Frankreich ebenso wie Deutschland den Euro als Währung hat, ist die Bundesbank am Finanzplatz Paris nicht mehr darauf angewiesen, dort bei Bedarf Gold gegen eine internationale Reservewährung zu tauschen."

Auch aus New York sollen einige Tonnen zurückgeholt werden, wann und wie das geschehen soll, dazu verrät die Bundesbank aus Sicherheitsgründen nichts.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Wirtschaft am Mittag

EU-Russland-KonfliktErdgasversorgung auch bei Eskalation gesichert

Gas-Tanks im russischen Kaliningrad.

Manche Politiker warnen: Europa sei zu abhängig von russischem Gas, Sanktionen gegen Putin hätten schwere Folgen für die europäische Versorgung. Energiemarktkenner winken hingegen ab: Verbraucher müssten sich keine Sorgen machen, dass Russland den Gashahn zudreht.

GründerszeneVertreibung aus dem Start-up-Paradies

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) posiert beim Besuch des Spiele-Softwareunternehmens wooga GmbH am 23.01.2013 in Berlin vor einer bunten Tapete. Auf einer vier Stationen umfassenden Start-Up-Unternehmens-Tour informierte sich Wowereit über Probleme und Nöte der Start-Up-Szene Berlins.

Ob Übernachtungen oder Taxifahrten: In der Hauptstadt wollen junge Internet-Start-ups Marktanteile ergattern. Doch nun pocht die Stadt Berlin auf ihre Gesetze und schützt alteingesessene Unternehmen. Die Gründer kritisieren im Gegenzug Innovationsfeindlichkeit - nicht nur in Berlin.

Chinesischer Online-Händler AlibabaMärchenhafter Börsenstart erwartet

Chinesische Arbeiter verlassen das Alibaba-Hauptquartier im Osten Chinas, vor dem der Alibaba-Schriftzug zu sehen ist.

Der chinesische Internetkonzern Alibaba wird bald an der Wall Street an den Start gehen. Schon 2007 wagte die Firma ein Börsendebüt in Hong Kong - das Listing wurde jedoch wieder aufgegeben. Viele versprechen sich schon jetzt märchenhafte Einnahmen.