Dienstag, 17.10.2017

StartseiteKölner KongressDas Internet macht nicht sprachlos27.02.2017

Die Schrift als FremderDas Internet macht nicht sprachlos

Kommt nun das Ende der Schrift? Ausgelöst durch das Internet, das Digitale? Verlieren wir alle Kultur? Martin Zeyn, freier Autor und Radioredakteur beim Bayerischen Rundfunk, sagt: Nein.

Mit Martin Zeyn

Martin Zeyn
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// Samstag, 11. März, 18.00 Uhr, Raum 2

WG - Wie geht’s, WE - Wochenende und LOL - laughing out loud sind Abkürzungen, die nichts mit Mündlichkeit zu tun haben, sondern die Geschwindigkeit beim Tippen erhöhen sollen. Sie funktionieren ganz ähnlich wie die Abbreviaturen in Klosterhandschriften, in denen die Mönche mit einem Schnörkel oder einem Strich über einem Buchstaben anzeigten, dass der Lesende hier einfach den gleichen Buchstaben oder die gleiche Silbe ergänzen solle.

"Im elektronischen Zeitalter, das auf die typographische und mechanische Ära folgte, begegnen wir neuen Formen und Strukturen der menschlichen Interdependenz und der Ausdrucksweise, die in der Form oral sind, auch wenn die Situationselemente nicht-verbaler Natur sind." Auf den ersten Blick scheint der Literaturwissenschaftler Marshall McLuhan exakt das legere Kommunizieren in den Sozialen Netzwerken beschrieben zu haben: Mündlichkeit ist an die Stelle von Schriftlichkeit getreten, auch wenn eben nicht telefoniert, sondern immer noch geschrieben wird.

Bücherdämmerung. Bit essen Seele auf. Büchergeddon. Der Abgesang auf das Buch ist alt. McLuhan veröffentlichte 1962 "Die Gutenberg-Galaxis" - und der Untertitel machte klar, worum es ging: Das Ende des Buchzeitalters. Nun kommt das Ende der Schrift. Eine Zeit, in der Bücher so veraltet erscheinen wie heutzutage IBM Kugelkopf-Schreibmaschinen. Ausgelöst durch das Internet, das Digitale. Verlieren wir alle Kultur? Martin Zeyn sagt: Nein.