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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteSport am WochenendeDie Serie A schaut auf Tripolis24.08.2011

Die Serie A schaut auf Tripolis

Libysches Geld im italienischen Fußball

Wettskandale, veraltete Stadien, sportlicher Bedeutungsverlust und weniger Startplätze für die Champions League - der italienische Fußball hat viele Probleme: Mit dem sich anbahnenden Machtwechsel in Libyen kommt ein neues hinzu: Was tun mit den Geldern, die Gaddafis Staatstrust in den italienischen Fußball investiert hat?

Von Tom Mustroph

Muammar al-Gaddafi hält unter anderem Anteile an Juventus Turin. (AP / John Redman, File)
Muammar al-Gaddafi hält unter anderem Anteile an Juventus Turin. (AP / John Redman, File)

Das Problem betrifft vor allem Juventus Turin. Sowohl im Mutterkonzern FIAT als auch im Klub selbst stecken Gelder aus Tripolis. 2% der FIAT-Aktien werden von der Staatsholding Lafico gehalten. Das ist der kleinste Anteil seit langem. 1976 engagierten sich Gaddafis Finanzmanager mit 9% und trugen so ihren Anteil zur Rettung des angeschlagenen Konzerns bei. 1982 waren es 13%.

Bei Juventus selbst ist die Lafico mit 7,5 % beteiligt. 2002 stieg der Staatsfonds bei den Bianconeri ein. Das war genau der Zeitpunkt, als sich Al-Saadi, ein Sohn des flüchtigen Staatschefs Muammar al-Gaddafi, Hoffnung auf eine Fußballerkarriere in Italien machte. Bei Juventus war kein Platz für den zwar technisch beschlagenen, aber als trainingsfaul beschriebenen Kicker. Von 2003-2007 war er aber immerhin bei den damaligen Erstligisten AC Perugia, Udinese Calcio und Sampdoria Genua beschäftigt.

Die Nähe zwischen Juventus und der libyschen Staatsmacht wurde kurz nach dem Aktienkauf durch ein ganz besonderes Ereignis befördert. Juventus ließ den italienischen Supercup des Jahres 2002 ins Stadion des 11. Juni in Tripolis verlagern.

Jetzt erinnert sich niemand mehr gern an diese Vergangenheit. Und unklar ist, was mit dem weiter in Turin befindlichen Geld aus Tripolis' Ölquellen geschehen soll. Seit dem Boykottbeschluss der UN im März dieses Jahres seien die libyschen Anteile eingefroren, versichert eine Sprecherin von Juventus. Wenn in Kürze der Boykottbeschluss aufgehoben wird, ist zu klären, wem das Geld eigentlich gehört. Erhebt Gaddafis Clan Anspruch darauf? Gehört es dem Volk? Oder dem neu sich konstituierenden Staat? Und wer mischt sich dann als Vertreter der Anteilseigner in die wirtschaftlichen Aktivitäten von Juventus ein?

Die aktuelle Transferkampagne hat Juventus ohne einen Rückgriff auf dieses Kapital finanzieren müssen. Klagen darüber erlaubten sich die Vereinsmanager nicht. Und so lange die Erben von Fiat-Gründer Agnelli sich höchstpersönlich um das Familienspielzeug Juventus kümmern, ist der Verein auf das Kapital aus Tripolis auch nicht existentiell angewiesen.

Der AS Rom ist ebenfalls mit libyschen Geldern verflochten. An der Bank Unicredit, die 40% der Roma-Aktien hält, sind libysche Investoren mit 7,5 % beteiligt. Ob dies ein Handicap ist oder der Beginn einer Demokratieunterstützung durch Fußballer, wird sich zeigen.

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