Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
 
  • Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
StartseiteCampus & KarriereDie soziale Dimension von Bologna18.01.2008

Die soziale Dimension von Bologna

Tagung in Berlin untersucht die Mobilität von Studierenden in Europa

Die Studienreformen im Rahmen des so genannten Bologna-Prozesses sollen das Studium in den einzelnen europäischen Ländern angleichen. Ein Ziel: Der Wechsel ins Ausland soll einfacher werden. Aber sind Europas Studierende tatsächlich mobiler geworden? Eine Tagung in Berlin geht dieser Frage nach.

Von Ansgar Warner

Packen Europas Studierende häufiger den Koffer? (Stock.XCHNG / David Ruiz)
Packen Europas Studierende häufiger den Koffer? (Stock.XCHNG / David Ruiz)

Auf der letzten Bologna-Konferenz in London wurde beschlossen, die einzelnen Länder sollten bis 2009 nationale Aktionspläne auflegen, um die sozialen Bedingungen im europäischen Hochschulraum zu verbessern. In Deutschland ist zu diesem Thema bisher allerdings nicht viel passiert, meint Andreas Keller, Bologna-Experte und im Bundesvorstand der GEW für Hochschule und Forschung zuständig. Er bestätigt die Zielrichtung der Tagung:

"Wir verstehen uns als Schrittmacher, weil wir befürchten, dass sich Bund und Länder zusammen zuviel Zeit lassen würden, wenn nicht die Stakeholder das Thema auf die Agenda setzen. Das ist ja auch der Sinn von Bologna, dass die Akteure die Lehrenden und die Lernenden eine solche Konferenz veranstalten und Ideen austauschen"

Dass sieht auch Imke Buß vom Asten-Dachverband fzs so. Sie hat die Tagung mitorganisiert und nennt die wichtigsten Problembereich aus Sicht der Studierenden:

"Ein Punkt ist sicherlich die Studienfinanzierung und die Studiengebühren, ein anderer die sehr, sehr straffen Studienpläne die jetzt auch mit dem Bologna-Prozess umgeändert wurden, so dass gerade Studierende die arbeiten müssen, Studierende die Kinder haben oder auch behinderte Studierende sehr große Probleme haben, weil sie einfach in diesem engen Zeitrahmen noch sehr viele anderen Sachen nebenbei machen müssen beziehungsweise nicht im normalen Durchschnittstempo arbeiten können"

Die Kombination aus angespannter soziale Lage und mehr Leistungsdruck wirke sich, so ergänzt Imke Buß, natürlich auch auf die internationale Mobilität der Studierenden aus:

"Es ist deutlich nicht einfacher geworden, z.B. der DAAD hat eine Studie dazu gemacht, wo man sieht dass die Bachelor-Studenten deutlich weniger ins Ausland gehen, vor allem kürzer ins Ausland gehen. Nicht so wie früher, dass man in der Regel ein Jahr ging um auch genügend Erfahrungen zu sammeln, auch Spracherfahrungen, sondern wenn, dann ein halbes Jahr oder Sprachkurse eher"

Dr. Siegbert Wuttig, beim DAAD zuständig für das Projekt "Promoting Bologna", kann das nur bestätigen:

"Wir sehen das durchaus kritisch, die Analysen sind relativ eindeutig, dass im Bachelor zumindest kürzere Aufenthalte die Regel sein werden und auch weniger möglicherweise, und eine andere Mobilitätsphilosophie um sich greift, zum Beispiel eben mehr die vertikale Mobilität, das heißt den Bachelor zuhause und den Master im Ausland"

Die Finanzierung ist aber offensichtlich ein großes Problem, was man Wuttig zufolge gerade im besonders erfolgreichen Erasmus-Programm sehen kann:

"Wir in Deutschland zahlen im Moment ein bisschen mehr als 150 Euro im Monat, da kann man sich die Frage stellen: erlaubt das den einzelnen noch daran teilzunehmen? Es gibt Untersuchungen jetzt die ganz klar zeigen, dass die Hälfte und über die Hälfte der Studierenden, die nicht an Erasmus teilnehmen, dies aus finanziellen Gründen tun."

150 Euro klingen wirklich nicht nach Dolce Vita in Bologna, das findet auch Andreas Keller vom Bundesvorstand der GEW und fasst die zentrale Forderung an den Bologna-Prozess zusammen:

"Was die Studierenden angeht, muss es möglich sein, dass alle Studierenden im europäischen Hochschulraum im Prinzip überall studieren können, und es sich auch leisten können, das betrifft zunächst natürlich die Mobilität, also dass jemand aus Lettland nach Norwegen gehen kann, betrifft aber diejenigen, die in einem Land bleiben und dort ihr Studium aufnehmen und abschließen, dass sie es sich dort leisten können."

Ein Vorteil des Bologna-Prozesses wurde dann auf der Konferenz zur sozialen Dimension doch deutlich: Im Tagungshaus auf dem Campus der Freien Universität waren nicht nur hauptamtliche Experten zu sehen. Auch zahlreiche Studierendenvertreter waren gekommen, von denen manch einer in den nationalen und internationalen Bologna-Gremien sitzt und zumindest dafür die Reisekosten voll ersetzt bekommt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk