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StartseiteForschung aktuellDie Suche nach dem Gesundheits-Gen23.11.2004

Die Suche nach dem Gesundheits-Gen

Warum sind Inuit gesünder als Dänen?

<strong>Medizin. - Im Dienst der Wissenschaft arbeiteten sich 16 Expeditionsteilnehmer aus Dänemark quer durch Grönland. Die Qual sollte klären, warum die Inuit, obwohl sie fast nur Fleisch essen und sich fettreich ernähren, fast keine Stoffwechsel-Krankheiten haben. Dazu wurden die Teilnehmer regelmäßig untersucht und ihre Werte mit denen der Inuit verglichen.</strong>

Von Jens Wellhöner

Forscher in Grönland (AP)
Forscher in Grönland (AP)

Das Thermometer zeigt 40 Grad, minus, selbstverständlich. Der Wind treibt immer neue Schneewolken über die endlose Eisfläche hier im Nordwesten Grönlands. Mitten im Sturm arbeiten sich 16 Menschen auf Skiern vorwärts. Jeder von ihnen schleppt einen Schlitten mit Nahrung und Ausrüstung hinter sich her. Schon seit fast 6 Wochen sind sie unterwegs, kreuz und quer durch die Eiswüste. Eine harte Probe für die wohlstandsgewohnten Expeditionsteilnehmer aus Dänemark. Und das alles im Dienste der Wissenschaft. Sportstudentin Solveig Hänssen aus Kopenhagen ist mit dabei:

Ich möchte die Welt sehen. Und außerdem möchte ich an meine Grenzen gehen und feststellen, wie viel ich aushalte. Und diese Expedition ist genau das, wonach ich gesucht habe. Ich habe ja nicht viel Geld, und dies hier ist die Gelegenheit, mich selbst zu beweisen!

Jetzt, nach ihrer Rückkehr, denkt Solveig Hänssen immer wieder an die Freiheit im Land des unbegrenzten Schnees:

Du konntest auf dem Eis bis zu 250 Kilometer weit sehen. Eine unendliche Freiheit und Weite. Und ich wurde nie müde, obwohl ich 8-10 Stunden pro Tag wandern musste, 6 Wochen lang. Jetzt sitze ich wieder in Kopenhagen und ich würde am liebsten wieder zurückgehen!

Nicht so schön fand Solveig Hänssen die Entnahme von Proben aus ihrem Muskelgewebe, während der Expedition. Wissenschaftler der Uni Kopenhagen begleiteten die Expedition. Sie hatten schon zuvor Proben genommen: Von den grönländischen Inuit. Denn die strotzen nur so vor Gesundheit. Jörn Wulff Helge, Sportmediziner an der Uni Kopenhagen:

Die Armmuskeln der Inuit können viel mehr Fett verbrennen als bei vergleichbaren Testpersonen hier in Dänemark. Ihre Zellen können dabei auch viel mehr Sauerstoff speichern. Dagegen gibt es in der Beinmuskulatur kaum Unterschiede.

Die Inuit sind vor allem Jäger. Obwohl sie fast nur Fleisch essen und sich fettreich ernähren, haben sie fast keine Stoffwechsel-Krankheiten. Wie zum Beispiel Fettleibigkeit. Auch Diabetes und Herz-Kreislauf-Störungen kennen sie nicht. Die dänischen Forscher wollten mit ihrer Expedition herausfinden, ob auch Dänen nach sechs Wochen Aktivität im Eis solch gute Werte im Muskelgewebe vorweisen können. Oder ob die Grönländer ein spezielles Gesundheits-Gen im Körper haben. Und so verglichen sie das Muskelgewebe der Inuit mit dem der gleichaltrigen dänischen Expeditionsteilnehmer:

Wir beobachten zwei entgegengesetzte Trends: Zum einen haben wir bei den Dänen eine viel bessere Fettverbrennung in den Armen. Dafür sind die Werte in der Beinmuskulatur schlechter. Also: Wir haben insgesamt keine Verbesserung der Gesundheit bei unseren Dänen. Aber auch keine Verschlechterung.

Wahrscheinlich hat die extreme körperliche Aktivität beim Schlittenziehen und Zeltaufbau den Expeditions-Teilnehmern die guten Werte in den Armen beschert. Solveig Hänssen erinnert sich an ein besonders anstrengendes Ereignis:

Wir mussten einen Gletscher übersteigen. Zwei Tage lang kletterten wir 1100 Meter in die Höhe. Mit vollem Gepäck. Unglaublich anstrengend. Aber von oben hatten wir eine fantastische Aussicht. Ich erinnere mich sehr gut daran.

Aber trotz aller Anstrengung: Die Inuit können immer noch viel besser Sauerstoff speichern und Fett verbrennen als die Expeditions-Teilnehmer. Jörn Wulff Helge:

Wir wissen nicht, ob die Dänen auch solche hervorragenden Werte zeigen würden, wenn sie länger auf Grönland blieben. Ich kan also im Moment nicht sagen, ob sich die Inuit lediglich an die Umgebung angepasst haben, oder ob auch ein genetischer Aspekt eine Rolle spielt.

Erst in einem halben Jahr werden die Ergebnisse der Gentests vorliegen. Vielleicht liefern sie ja einen Hinweis auf ein mögliches "Gesundheits-Gen" der Iniut im ewigen Eis.

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