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Die Verfehlungen der Generäle

Ein Offizier darf sich nicht mit einer Untergebenen einlassen

Von Rolf Clement, Deutschlandfunk

David Petraeus und Paula Broadwell
David Petraeus und Paula Broadwell (picture alliance / dpa / Isafmedia Photostream)

General Petraeus und General Allen haben einen sehr guten Ruf als Befehlshaber in Krisengebieten. Warum sie nun ihre soldatische Vorbildfunktion verletzt haben, ist unklar. Es könnte sein, dass sich der Druck, der auf ihnen lastet, ein Ventil gesucht hat, kommentiert Rolf Clement.

In der US-Armee gelten besonders harte moralische Grundsätze. Ein männlicher Offizier darf sich nicht mit einer Untergebenen einlassen, vor allem dann nicht, wenn er selbst verheiratet ist.

Der frühere General Petraeus hat gegen diese Regel verstoßen. Es ist, soweit die Erinnerung reicht, der erste, der über eine solche Affäre gestolpert ist. Dieser General hat seine Vorbildfunktion verletzt. Und dann spielt ein zweiter eine noch unklare Rolle: General Allen hat sich in die Affäre eingemischt, warum, weiß man noch nicht, vielleicht aus Eigeninteresse, vielleicht, um Petraeus zu schützen und ihm zu helfen.

Im einen Fall war er selbst betroffen, im anderen hat er sich auf der falschen Seite engagiert. Aber das muss noch aufgeklärt werden. Petraeus im Besonderen, aber auch Allen haben einen sehr guten Ruf als Befehlshaber in Krisengebieten. Petraeus ist mit den so unterschiedlichen Aufgaben im Irak und in Afghanistan hervorragend fertig geworden. Er trägt in beiden Ländern einen großen Anteil daran, dass die internationale Gemeinschaft mit Gesichtswahrung und mit einer relativen Stabilität das Land in die Hände der eigenen Bürger übergeben kann oder konnte.

Allen hat diesen Weg erfolgreich weiter beschritten, so dass ihm die Verantwortung für alle NATO-Einsätze übertragen werden soll. Nimmt man den Vorgänger von Petraeus hinzu, General McChrystal, sind nun drei Kommandeure der Afghanistan-Mission in erhebliche Probleme geraten, auch McChrystal wurde abgelöst – er wegen polemischer, unsachlicher Kritik an der politischen Führung in Washington.

Was bringt genau die Kommandeure, die vor Ort einen vergleichsweise einfühlsamen Kurs gefahren haben, wesentlich einfühlsamer als ihre Vorgänger, dazu, auf ihre Art den Pfad soldatischer Tugend zu verlassen? Der Druck, der auf ihnen lastet, dass sie in Afghanistan erfolgreich sein müssen, dass sie Enttäuschungen, die immer auch Opfer bedeuten, hinnehmen müssen, ohne so reagieren zu können wie es einem Soldaten eigentlich beigebracht wurde, ist offenkundig eine Belastung, bei der manch einer Ventile sucht. Manch ein Soldat in unteren Rängen hat ähnliche Probleme, wenn er lange Zeit in so fernen Ländern - geografisch wie kulturell - Dienst tun muss.

Auch Bundeswehrsoldaten sind diesen Problemen ausgesetzt. Die Bundeswehr macht zwei Dinge anders als die US-Armee: Deutsche Soldaten sind in der Regel nicht länger als vier Monate im Einsatz, das ist leichter zu bewältigen als ein längerer Einsatz. Und sie werden anders ausgebildet, sie werden auch auf die kulturellen, sozialen und politischen Bedingungen des Einsatzes intensiv vorbereitet. Noch eines: Die Bundeswehr ist in den richtig umkämpften Regionen Afghanistans nicht im Einsatz.

Das soll die Verfehlungen der US-Generale nicht verteidigen, daran gibt es nichts zu beschönigen. Hohe Generale müssen die Einsatzwirklichkeit auch aushalten können. Aber es sollte den Politiker, die Soldaten in Einsätze schicken, nochmals verdeutlichen, was sie von ihnen verlangen.

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