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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie wahren Kosten der Stromversorgung27.08.2012

Die wahren Kosten der Stromversorgung

Ein Vergleich zwischen konventioneller und erneuerbarer Stromerzeugung

Warum steigen die Strompreise so schnell? Sind die erneuerbaren Energien wirklich so viel teurer als Erzeuger wie Atom und Kohle? Ja und nein - je nachdem, wie man die Rechnung aufmacht. Wir haben bei der Erneuerbaren-Energien-Branche nachgefragt.

Von Dieter Nürnberger

Strom wird teurer (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Strom wird teurer (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
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Studie: Kohle- und Atomstrom teurer als Ökostrom

Diese Wochen sind entscheidend für die Energiewende – und deshalb wird derzeit in Berlin von den Interessenverbänden noch einmal ordentlich getrommelt, sprich die jeweiligen Argumente lautstark vorgetragen. Den Beginn machte heute Vormittag das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zusammen mit der Umweltorganisation Greenpeace.

Hier wurde eine Studie vorgestellt, die die Kosten der erneuerbaren und der konventionellen Stromerzeugung auflistet und miteinander vergleicht. Was die Bürger für die Erneuerbaren Energie zahlen, das wird ja bekanntlich in der EEG-Umlage ausgewiesen, derzeit sind es 3,6 Cent pro Kilowattstunde. Das Forum Ökologische Soziale Marktwirtschaft hat nun im Umkehrschluss die Umlage für die konventionellen Energien berechnet. Für Kohle- und Atomstrom also beispielsweise, denn hier würden Kosten anfallen, über die die Verbraucher nicht umfassend informiert werden. Kosten, die nicht extra ausgewiesen würden, sagt Swantje Küchler vom FÖS:

"Diese Kosten sind zum einen staatliche Förderungen durch Finanzhilfen und Steuervergünstigungen. Zum anderen verursachen aber auch gerade die konventionellen Energieträger hohe Folgekosten, die ihnen auch nur zu einem geringen Anteil in Rechnung gestellt werden. Diese sogenannten externen Kosten entstehen beispielsweise durch Umwelt- und Klimaschäden, aber auch durch Risiken, die die Gesellschaft etwa bei der Atomenergie auf sich nimmt."

Würde man ähnlich transparent wie beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz verfahren und dafür eine Umlage erstellen und auch deutlich ausweisen, dann würde das Argument, dass die Erneuerbaren sozusagen Preistreiber auf dem Energiemarkt seien, so nicht mehr gelten, sagt die Expertin des Forums-Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, Swantje Küchler.

"Würde man die Kosten der atomaren und fossilen Energieträger durch staatliche Förderungen und durch Risiken bei Umwelt- und Klimaschäden genau wie beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz auf den Endkunden umlegen, würde dies einen deutlichen Zuschlag auf den Strompreis bedeuten. Diese Konventionelle-Energien-Umlage würde in diesem Jahr bei mehr als zehn Cent pro Kilowattstunde liegen. Damit fast dreimal so hoch wie die gegenwärtige EEG-Umlage."

Und auch wenn die EEG-Umlage im Herbst steigt, Experten gehen dann von rund fünf Cent pro Kilowattstunde aus, sei dies für die Verbraucher immer noch günstiger als konventionell erzeugte Energien, wenn denn die Zusatzkosten mit eingerechnet würden.

Soweit sozusagen die Befürworter des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes. Ganz anders argumentiert die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Hier wird eine Fortführung des gegenwärtigen EEG-Modells abgelehnt. Und zwar ebenso mit einem Kostenargument, Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative.

"Wir haben bisher schon über 50 Milliarden Euro für das EEG bezahlt. Weitere 200 Milliarden kommen garantiert bis Ende 2020 hinzu. Jetzt geht es aber darum, für die Zukunft zu sparen und deshalb brauchen wir einen Systemwechsel. Weg von der technologiespezifischen Subvention, hin zu einem technologieneutralen Modell, bei dem es Wettbewerb zwischen den erneuerbaren Energien gibt. Deshalb schlagen wir das Wettbewerbsmodell Erneuerbare Energien vor. Damit lassen sich bis 2020 über 50 Milliarden Euro sparen."

Auch beim Wettbewerbsmodell würden 35 Prozent Marktanteil der Erneuerbaren bis 2020 angestrebt und festgeschrieben, doch sollte es den Energieversorgern überlassen bleiben, woher dieser grüne Strom letztendlich kommt. Es wäre die jeweils preisgünstigste Variante, sagt Hubertus Pellengahr, und macht dies am Beispiel Windenergie fest.

"Es ist alles eine Frage des Standortes und des Preises: Derzeit sieht es so aus, dass Windenergie auf offener See in Deutschland einfach zu teuer ist, und deshalb ist diese Energie für die Verbraucher mit zu hohen Kosten verbunden. Das führt am Ende auch dazu, dass die Energiewende insgesamt an Akzeptanz verliert. Windenergie grundsätzlich auf dem Land ist im Moment die preiswerteste Form der erneuerbaren Energien."

Somit wurden heute zwei ganz gegensätzliche Studien zur Zukunft der Förderung der Erneuerbaren Energien vorgestellt. Die einen wollen das EEG allenfalls modifizieren, andere streben ein ganz neues Fördermodell an.

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