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StartseiteBüchermarktDie Welt des brasilianischen Proletariats08.10.2013

Die Welt des brasilianischen Proletariats

Luiz Ruffato: "Vorläufige Hölle", Verlag Assoziation

Mit "Mama, es geht mir gut" beginnt der brasilianische Schriftsteller Luiz Ruffato seinen fünfteiligen Romanzyklus "Vorläufige Hölle" über die brasilianische Arbeiterklasse. Er beschönt nichts, erzählt von Gewalt, Unterdrückung und gescheiterten Existenzen. Nun wurde der erste Band ins Deutsche übersetzt.

Von Victoria Eglau

Die Unterschichtsaga "Vorläufige Hölle" hat Luiz Ruffato endgültig zu einem der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Literatur Brasiliens werden lassen.  (picture alliance / dpa / Thomas Maier)
Die Unterschichtsaga "Vorläufige Hölle" hat Luiz Ruffato endgültig zu einem der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Literatur Brasiliens werden lassen. (picture alliance / dpa / Thomas Maier)

"Lilinho, wach auf. Wach auf, Junge, du kommst noch zu spät ..." Die Hand meiner Mutter, die mein Gesicht streichelte, weckte mich, eine grobe Hand, rau, in deren Kratern immer ein paar meiner Haare hängen blieben. "Wach auf, Lilinho, wach auf."

Mit "Mama, es geht mir gut" beginnt der brasilianische Schriftsteller Luiz Ruffato seinen fünfteiligen Romanzyklus über die brasilianische Arbeiterklasse. Das Buch, 2005 in Brasilien veröffentlicht, liegt seit diesem Jahr auf Deutsch vor. Die anderen vier Bände sollen folgen.

Wir waren vier Kinder. Fernando, der Älteste, gelernter Dreher, ausgebildet im Berufsbildungszentrum, arbeitete in der Werkstatt der Textilfabrik. Norma war Weberin in der Textilfabrik. Ich versuchte, in die Fußstapfen von Fernando zu treten. Nélson, das Nesthäkchen, bildete mein Vater aus. Das war ihm wichtig: Alle Kinder hatten eine Ausbildung. Er schämte sich nur noch für meine Mutter, die nicht lesen und schreiben konnte, und für sich selbst, der gerade ein mal die Grundschule besucht hatte.

"Vorläufige Hölle" hat Luiz Ruffato das fünfteilige Werk genannt, mit dem er auf rund tausend Seiten einer Welt ein Denkmal setzt, die in Brasiliens Literatur zuvor nicht vorkam: der Welt der armen Einwanderer, der Landarbeiter und ihrer Kinder, von denen viele die Scholle verließen, um Teil des städtischen Proletariats zu werden.

Der Schriftsteller, Jahrgang 1961, entstammt selbst diesem Milieu. Seine Großeltern waren Ende des neunzehnten Jahrhunderts, ebenso wie Millionen anderer Italiener, nach Brasilien eingewandert, wo sie ein besseres Leben suchten. Ruffatos Eltern hatten dieses Leben, mehr als ein halbes Jahrhundert später, immer noch nicht gefunden.

"Meine Mutter war Analphabetin, sie arbeitete als Wäscherin. Mein Vater konnte auch kaum lesen und schreiben, er war Popcornverkäufer. Bei uns Zuhause gab es keine Bücher. Ich habe ab meinem sechsten Lebensjahr gearbeitet, zuerst mit meinem Vater, später als Mechaniker, Kassierer und Textilarbeiter.

Erst als ich anfing, Journalismus zu studieren, begann ich, mich wirklich für Literatur zu interessieren. Und stellte mit Schrecken fest, dass die Arbeiterklasse, die Unterschicht, in den brasilianischen Romanen und Erzählungen nicht vorkam. Brasiliens Literatur handelte von der städtischen Bourgeoisie, der Mittel- und Oberschicht. Oder von Banditen und Prostituierten. Aber paradoxerweise nicht von den Menschen, die einen so großen Teil der Gesellschaft ausmachten."

Kleider? Sie hatte so viele gewaschen. Die feinen der Leute aus der Rua do Comércio, Praça da Estação, Avenida, Ärzte, Anwälte, Richter, ja, Richter, erinnerst du dich?, Doktor
Maurício!, gut, ernst, behandelte die Menschen wie seinesgleichen ... Gute Hosen, Wolle, Leinen, Gabardine, Popeline,Tergal ... Aber auch traurige Kleider für die Damen von der
Insel, Pailletten, Glasperlen, Spitzen ... Und Chiffon, das Denim der Armen.


Luiz Ruffato kam in Cataguases auf die Welt, einer mittelgroßen Industriestadt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, in die seine Eltern vom Dorf gezogen waren. Dass er mit etwa zwölf Jahren sein erstes Buch las, war eher Zufall. Er ging auf eine neue Schule und fand dort eine gute Bibliothek vor.

"Ich kam auf den Geschmack und begann alles zu lesen, was mir in die Hände fiel – alles, alles, alles. Außer jener Bibliothek gab es keinen anderen Ort, an dem ich mir Bücher ausleihen konnte. Aber irgendwie gelang es mir immer wieder, etwas zum Lesen zu ergattern."

Wie viel Stoff ihre faltigen Hände wohl schon gewrungen hatten, weiß und in Farbe, Sonntagsstaat, Alltagskluft, Unterwäsche, Ausgehsachen. Wer würde sich darum kümmern? Fünfzig Jahre! Sie erkannte die Bündel schon am Geruch. Und Stunde um Stunde weniger Kraft für Höschen, Unterhosen, ein Paar Socken, Moder leckt schon am Waschbrett am Zuber ... Eine Orange, eine Orange drückt von hinten gegen die Lungen. Die Dummköpfe, sie hat doch das Röntgenbild gesehen, das Flüstern gehört, "Es ist ernst", sie denken, ich weiß nicht ... die Krankheit ... glauben, ich ahne nichts ... das Ende ... spürt es kommen, schon auf den Fersen.

Dass vom tristen Leben und Sterben der kleinen Leute in den Büchern, die Luiz Ruffato als Jugendlicher und Student verschlang, nicht die Rede war, erklärt der Schriftsteller heute so:

"Die Literatur ist eine der elitärsten Künste überhaupt. Warum? Weil ein Schriftsteller gut lesen und schreiben können muss. Um ein guter Musiker oder Maler zu werden, ist das nicht unbedingt nötig. In Brasilien ist das staatliche Bildungssystem bedauernswert: eine Tragödie. Die Kinder der Armen, die öffentliche Schulen besuchen, lernen oft nicht einmal gut lesen und schreiben. Wie sollen sie da Schriftsteller werden?

Und die wenigen Autoren, die aus armen Familien stammen und es geschafft haben, sich zu bilden, schreiben nicht über das Leben der Armen. Denn in Brasilien muss seine einfache Herkunft verleugnen, wer von der Gesellschaft akzeptiert werden will."

Die Idee für seinen Romanzyklus "Inferno Provisório - Vorläufige Hölle" hatte Luiz Ruffato lange, bevor er vor zehn Jahren anfing, sich ausschließlich der Literatur zu widmen. Von 1979 bis 2003 war er als Journalist tätig, viele Jahre arbeitete er für die angesehene Tageszeitung "O Estado de Sao Paulo". Die eigenen Kindheitserfahrungen im armen, italienischen Einwanderer-Milieu und seine Beobachtungen der brasilianischen Gesellschaft aus der Perspektive des Journalisten flossen in "Vorläufige Hölle" ein.

"Ich wollte verstehen, was mit dem riesigen Teil der Bevölkerung geschehen ist, der innerhalb von fünfzig Jahren vom Land in die chaotischen Städte zog. Verstehen, wie sich jener Wandel der brasilianischen Gesellschaft in den Menschen vollzog, und welche Auswirkungen die große Geschichte für die Geschichte jedes Einzelnen hatte. "

Omnibusse hintereinandergedrängt fahren schnell die Rio-Bahía hinunter.
Wohin fahren die?
Wohin fahren die?
Fahren nach Rio.
Fahren nach Sao Paulo.
Kommen nie mehr zurück. Nie mehr.


"Brasilien war bis etwa Ende der 1940er-Jahre im Wesentlichen ländlich geprägt. Seine Wirtschaft basierte auf dem Anbau von Kaffee und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Für seine Unterstützung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg bekam Brasilien von den USA eine Stahlfabrik. Damit begann ein rasanter und ziemlich chaotischer Industrialisierungsprozess, der viele junge Landbewohner anzog. Damals herrschten vor allem im Nordosten Elend, Dürre und Hunger. Es waren jene Landflüchtlinge, die dann die Favelas, die Armenviertel von Rio de Janeiro und Sao Paulo bevölkerten."

Ich hielt mir die Ohren mit beiden Händen zu, legte mir das Kissen über den Kopf, versteckte mich unter der Decke, doch ich hörte sie immer noch schreien. Ich stand auf, und da war schon Fernando, starr an der Wand zwischen den beiden Zimmern. "Los, Fernando, wir trennen die beiden", doch mein Bruder blieb starr, wie hypnotisiert von der Situation.

Die Welt des brasilianischen Proletariats, die Luiz Ruffato in "Vorläufige Hölle" schildert, ist hart – voller Gewalt, Unterdrückung, Machismo, enttäuschten Hoffnungen, gescheiterten Existenzen, Resignation, Trübsinn, Stumpfsinn. Ruffato beschönigt, verherrlicht nichts.

Norma, die auf dem Sofa schlief, brüllte, brüllte, in dem irren Wunsch, den Lärm zu übertönen. Da nahm ich Nélson an der Hand, nahm ihn in den Arm und flüsterte ihm zu, was mir gerade in den Kopf kam, damit er aufhörte zu weinen. Am Morgen danach versuchte meine Mutter, ihr geschwollenes Gesicht zu verbergen, die blauen Flecke an den Beinen, den geschundenen Körper. "Ich bin gegen die Tür gestoßen". "Ich bin gegen den Tisch gestoßen". "Das kommt vom Wäschewaschen ... Die Kälte, das kommt davon".

Prügelnde Ehemänner, Mädchen, die nicht zur Schule gehen dürfen, ein Vater, der seine Tochter erschießt, weil er sie mit einem Handelsreisenden erwischt hat, eine Mutter, die seit ihrem vierzehnten Lebensjahr schwanger war und mit Mitte dreißig ausgemergelt und dem Wahnsinn verfallen stirbt, die Wäscherin, die elendig am Krebstumor zugrunde geht: Personen, die Ruffatos "Vorläufige Hölle" bevölkern.

"Mama, es geht mir gut" und die vier Folgebände sind weder Romane noch Erzählungen im klassischen Sinne. Sie sind ein Mosaik von Geschichten, die man chronologisch lesen kann, aber nicht muss: in sich geschlossen und dennoch durch einen roten Faden verbunden. Personen verschwinden, tauchen wieder auf, die Perspektiven wechseln, und auch die literarischen Stile.

"Meine Idee war, einen Kollektivroman zu schreiben, um die Entwicklungen und Veränderungen in der Arbeiterschicht zu zeigen, aber anhand persönlicher, nicht allgemeiner Geschichten."

Nélson ist aus dem Tritt geraten, lebt von Gelegenheitsarbeiten. Bauhelfer in Belo Horizonte; Straßenverkäufer in Rio de Janeiro; Goldsucher in Mato Grosso; Hausmeister in
Belo Horizonte; Portier in Sao Paulo; arbeitslos in Brasilia; Einpacker an der Supermarktkasse in Rio de Janeiro; Bauhelfer in Juiz de Fora; Tankwart in Governador Valadares. Er bleibt nie lange bei einer Arbeit. Kommt immer, so schnell es geht, nach Cataguases zurück, in die verständnisvollen Arme meiner Mutter. Er, seine Frau, die drei Kinder.


"Die Chronologie der Ereignisse ist nicht klar zu erkennen, aber sie existiert. Die Geschichten scheinen nicht logisch miteinander verbunden zu sein, aber sie sind es. Der Leser kann die fünf Bücher und ihre Geschichten lesen, wie er will. Er kann von vorne anfangen, von hinten, in der Mitte, kann alles nacheinander lesen, oder rückwärts - es macht keinen Unterschied. Was der Exodus vom Land in die Stadt mit den Menschen gemacht hat, wird sich dem Leser vermitteln - egal, wie er den Zyklus liest. Ich wollte den Leser an der Konstruktion der Bücher beteiligen."

"Vorläufige Hölle" war in Brasilien ein literarischer Erfolg, doch einen Namen als Schriftsteller hatte sich Luiz Ruffato bereits davor gemacht – durch sein viel beachtetes Buch "Eles eram muitos cavalos - Es waren viele Pferde". 2001 veröffentlicht, wurde es von der Kritik gefeiert, mit mehreren Preisen bedacht und in diverse Sprachen übersetzt - im vergangenen Jahr auch ins Deutsche.

Eine bevorzugte Strecke, Herr Doktor? Nein? Dann nehmen wir den schnellsten Weg. Der kürzeste ist das aber nicht, das wissen Sie. Hier in Sao Paulo ist der kürzeste Weg nicht immer der schnellste. Um diese Zeit … viertel nach fünf … um diese Uhrzeit steht die Stadt still … die Hauptverkehrsadern, die Seitenstraßen, die Querstraßen, die Avenidas, die Wohnstraßen, die Wege, die Gassen, alles, alles mit Autos verstopft und mit Hupen. Stellen Sie sich vor, einmal habe ich geträumt, dass die Stadt stillsteht. Also tatsächlich erstarrt. Ein riesiger Stau, ein Monsterstau wie noch nie, und niemand kam auch nur einen Zentimeter weit vorwärts … Wie im Kino, nicht wahr? Also mir macht das Spaß.

Sao Paulo, an einem Tag im Mai 2000. 69 Szenen, das heißt, 69 Orte, Personen, Situationen, Gedanken, Beobachtungen, Fragmente - aus ihnen setzt sich das Kaleidoskop zusammen, mit dem Luiz Ruffato einen einzigen Tag in der brasilianischen Megametropole darstellt. Bescheiden erklärt der Autor des Erfolgsbuches "Es waren viele Pferde" dieses sei nur eine Art Schreibübung für den Zyklus "Vorläufige Hölle" gewesen.

"'Es waren viele Pferde' war ein Experiment – eine Vorbereitung für 'Vorläufige Hölle'. Denn mir war zunächst nicht klar, auf welche Art ich über das Universum der Arbeiterklasse schreiben konnte. Der klassische Roman entstand doch, um die Weltsicht der Bourgeoisie auszudrücken. Ich fand es paradox, dieses Genre zu benutzen, um die Welt des Proletariats zu schildern. 'Es waren viele Pferde' ist eine Stilübung für 'Vorläufige Hölle'. Ich experimentiere in dem Buch mit einer Vielfalt von sprachlichen Formen und den unterschiedlichsten Figuren, die alle an einem Tag in Sao Paulo unterwegs sind."

DEUTSCHER – 46 Jahre, 1,77 m, 56 kg, blond, weiß. Rentner, reiselustig. Sucht Kontakt zu dunkelhäutigen Frauen.
FAST PERFEKTE LIEBE – Wenn du glaubst, wir seien nichts ohne den Blick – die Liebe – des anderen … Du: bis 30 Jahre, ca. 75 kg, 1,75 m groß, magst kein Mittelmaß, bist männlich, zärtlich, niveauvoller Nichtraucher, gut aussehend. Ich: reif und besonders.
ANA KAZUE – 40 Jahre, suche sympathischen Ehemann.


Entwurzelte Menschen im Großstadtmoloch, auf der Suche nach Liebe, Sex, einem Trauschein, Arbeit, Geld, Glück. Oder gar nicht auf der Suche, sondern einfach nur mit Überleben beschäftigt. Luiz Ruffato ist selbst seit mehr als zwei Jahrzehnten in der 20-Millionen-Einwohner-Metropole Sao Paulo zu Hause, er kennt sie so gut wie die Provinzstadt seiner Kindheit.

Wäre der Gast vor einer halben Stunde gekommen, hätte er oben am Haus noch das Schauspiel erlebt, wie zwei Arbeiter auf einem morschen Holzbalken an dünnen Seilen sich in ihnen spiegelnd die Glasfassaden reinigten. Zwei Arbeiter, ein Gerüst, insgesamt vier Arbeiter, zwei Gerüste, einander nachahmend wie Buster Keaton, heiter und stolz.

Um die Vielschichtigkeit zwischen Glamour und Elend jenes unwirklichen Ortes namens Sao Paulo zu beschreiben, mischt Luiz Ruffato Prosa, Poesie, Monologe, Dialoge und Zeitungsschnipsel. "Es waren viele Pferde" sei gewagt, neuartig, überraschend und lasse den Leser perplex zurück, urteilte ein brasilianischer Kritiker. Die grausame Schönheit des Buches liege nicht in den einzelnen Fragmenten, sondern in ihrer Gesamtheit, befand ein anderer.

Und wenn es fertig wäre, könnten Männer und Frauen ans Fenster gelehnt auf die Stadt
Hinaus blicken, doch nie aus der Perspektive, die sie gerade haben: die Straße, die Bäume, die Umgebung, die Dächer, und denken, wie gut sie es haben, innehalten zu können und die
Wolken betrachten, die über die Glasfassaden hinwegschwimmen, den Wind genießen, der ihre sonnengegerbten Gesichter liebkost. Und neidisch lachten dort unten die Arbeitslosen, weil sie keine Arbeit haben, die Arbeitenden, weil sie nicht diese Arbeit haben. Ein Segel, das auf dem unendlichen Ozean über dem obstfrischen Morgen schwebt.


Mit dem Stil- und Genremix von "Es waren viele Pferde" fand Luiz Ruffato tatsächlich seine Sprache für die Unterschichtsaga "Vorläufige Hölle". Diese hat den 52-Jährigen endgültig zu einem der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Literatur Brasiliens werden lassen. "Vorläufige Hölle" deckt den Zeitraum vom Beginn der 1950er-Jahre bis zum Beginn des neuen Jahrtausends ab.

Der fünfte und letzte Band "Domingos sem Deus" – auf deutsch "Sonntage ohne Gott" – endet 2002, dem Jahr also, in dem der ehemalige Stahlarbeiter Lula da Silva zum Präsidenten gewählt wurde. "Vorläufige Hölle" passt zum aktuellen Zeitgeist Brasiliens, wo seit elf Jahren die Arbeiterpartei PT regiert. Der Schriftsteller selbst erklärt den Erfolg seines Werks so:

"Bei einem Romanzyklus über die Armen erwarteten die Kritiker wohl eine naturalistische Literatur und ein niedriges Sprachniveau. Ich glaube, viele waren überrascht, dass ich über die Armen schrieb, ohne eine arme Sprache zu verwenden. Denn beim sprachlichen und literarischen Niveau habe ich keinerlei Zugeständnisse gemacht. Ich denke, deswegen hat 'Vorläufige Hölle' für ziemliches Aufsehen gesorgt."

Luiz Ruffato: "Vorläufige Hölle"
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler, Verlag Assoziation, 160 Seiten, 18,00 Euro.

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