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StartseiteForschung aktuellDie Welt von morgen29.12.2009

Die Welt von morgen

Bereits in 200 Jahren könnte das Erdklima dem der Kreidezeit ähneln

Klima.- Geologen warnen: Macht der Mensch so weiter wie bisher, wird der Kohlendioxidgehalt in 200 Jahren höher liegen als während der Kreidezeit. Fraglich ist nur, wie gut unsere Art das verträgt. Dass in der Zukunft böse Überraschungen warten, zeigt bereits die Gegenwart.

Von Dagmar Röhrlich

Während der Kreidezeit brachte es das Oberflächenwasser tropischer Meere auf 42 Grad Celsius - 17 Grad mehr als heute. (Andreas Stopp)
Während der Kreidezeit brachte es das Oberflächenwasser tropischer Meere auf 42 Grad Celsius - 17 Grad mehr als heute. (Andreas Stopp)

Was passiert, wenn die Menschheit unbekümmert weitermacht wie bisher? Dann, so fürchten Geologen, wird sie die Erde unversehens ins Klima der Kreidezeit katapultieren:

"Bei ungebremsten Emissionen könnte der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre in 200 Jahren sogar über dem der Kreidezeit liegen. Dann wird er mehr als sechsmal höher sein als vor der industriellen Revolution und Werte erreichen, die wir nur aus der Zeit kennen, als die Saurier ausstarben. Der Anstieg läuft 100 Mal schneller, als wir es aus der Erdgeschichte kennen, und die Folgen sind unglücklicherweise meist unvorhersehbar",

warnt William Hay, Emeritus von der University of Colorado in Boulder. Er ist Spezialist für Paläoökosysteme und globale paläoklimatische Modellrechnungen. Während der Kreidezeit brachte es das Oberflächenwasser tropischer Meere auf 42 Grad Celsius - 17 Grad mehr als heute. Die derzeit eiskalte Tiefsee war 20 Grad warm, und am Südpol trotteten Saurier durch subtropische Wälder. Zwar wird es noch Jahrtausende dauern, ehe die Eispanzer der Antarktis und Grönlands geschmolzen sein werden, aber...

"...die zusätzliche Energie, die durch den Treibhauseffekt die Erdatmosphäre aufheizt, lässt das Eis an den Polen schmelzen, wobei viel von dieser Energie verbraucht wird. Die gleiche Energiemenge, die ein Glas Eis schmelzen lässt, reicht aber aus, um die gleiche Wassermenge auf 80 Grad zu erhitzen. Je weniger Eis es an den Polen gibt, umso mehr Energie steht dann zur Verfügung, um dort den Klimawandel anzutreiben."

Auch aufgrund dieses Effekts wird sich der Klimawandel in den Polregionen beschleunigen. Vor allem am Nordpol zeigt sich das wohl schon bald:

"Es sieht so aus, als sei beim arktischen Meereis der Punkt überschritten, ab dem es kein Zurück mehr gibt. Das wird Folgen haben. Messungen zeigen, dass sich die arktischen Landflächen umso stärker aufheizen, je schneller das Meereis verloren geht. Denn über den dunklen Meeresflächen steigt die Lufttemperatur und die warme Luft breitet sich weit aufs Land hinaus aus. Außerdem können sich Luft- und Meeresströmungen verändern, und Modellrechnungen sagen voraus, dass das Klima auf der Nordhalbkugel chaotischer wird. Dadurch werden wohl Dürren und Starkregenfälle zu Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung führen."

Die gerät auch von anderer Seite in Gefahr. Schließlich werden wohl die Insekten die Sieger des Klimawandels sein, vermutet der Paläontologe Hay:

"Während der Kreidezeit war die Welt wärmer. Die meisten Tiere, die heute leben, hätten Schwierigkeiten, darin zurechtzukommen. Vielleicht mit Ausnahme der Insekten. Sie können vom Klimawandel profitieren, weil dadurch vor allem die Nächte wärmer werden, denn das Kohlendioxid wirkt dann wie eine Decke. Deshalb bleiben die Insekten aktiver."

Insektenplagen werden es nicht nur erschweren, Lebensmittel für eine ständig wachsende Menschheit zu erzeugen, sondern auch Überraschungen bereithalten. Davon bekommen die Nordamerikaner schon heute einen Vorgeschmack:

"Besorgniserregend ist, wie sehr der Borkenkäfer den Wäldern im Westen Nordamerikas zusetzt. Früher brachten kalte Winter den Käfer unter Kontrolle, aber inzwischen überleben seine Larven in großer Zahl. In den vergangenen zehn Jahren haben sie in den Rocky Mountains von Colorado bis British-Columbia ein Drittel der Wälder absterben lassen - und das Absterben beschleunigt sich."

Das hat gravierende Folgen für den Wasserhaushalt, die die Versorgung von vielen Millionen Menschen von Kanada bis Südkalifornien bedrohen:

"Wir wissen, dass durch das Waldsterben die Wasserversorgung kritisch wird. Denn unter den immergrünen Bäumen sammelt sich der Schnee, weil er dort vor dem Sonnenlicht geschützt ist. Sein Tauwasser füllt im Frühling Grundwasserleiter und Bäche. Ohne Wald ist es vorbei damit."

Die USA seien nicht nur wichtige Verursacher des Klimawandels, sie werden auch besonders stark darunter leiden, erklärt William Hay. Im Südwesten der USA dehnen sich die Wüsten immer weiter nach Norden und Osten aus, bedrohen mehr und mehr landwirtschaftliche Flächen: beunruhigende Zukunftsaussichten.

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