Freitag, 23.02.2018
 
Seit 09:35 Uhr Tag für Tag
StartseiteComputer und KommunikationGroße Erwartungen an die Blockchain-Technologie20.01.2018

Digitale FinanzenGroße Erwartungen an die Blockchain-Technologie

Die Blockchain ist eine Art elektronisches Kassen- oder Kontobuch. Anwendung findet die Technologie bei der digitalen Währung Bitcoin. Sie könnte aber auch für andere Branchen interessant sein: beispielsweise im Energiesektor und für öffentliche Verwaltungen.

Von Peter Welchering

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Frau schreibt auf der Tastatur eines Computers. (AFP / Ed Jones)
Die Blockchain funktioniert wie eine Art doppelte Buchführung (AFP / Ed Jones)
Mehr zum Thema

Risiko, Rendite, Revolution Wie die Blockchain-Technologie die Welt verändert

Blockchain-Technologie Intelligenz fürs Auto

Bitcoin-Automaten Geld abheben für Fortgeschrittene

Digitale Währung Bitcoin Ende könnte schon 2022 kommen

Bezahlsystem Bitcoin Wie die digitale Währung funktioniert

"In der Entstehungsgeschichte der Blockchain ist das erste Mal, wo es wirklich hochgepopt ist, Bitcoin gewesen. Und die Fragen, die es dazu gibt, haben sozusagen die Diskussion erst mal dominiert.

Es geht heute darum, die Blockchain-Technologie, also verteilte Technologien für viele andere Anwendungsgebiete, nutzbringend einzusetzen."

Manfred Kloiber: So schätzt der Wirtschaftsinformatiker Professor Helmut Krcmar von der Technischen Universität München die aktuelle Diskussion über die Blockchain ein.

Die Blockchain, das muss man sich vorstellen wie so eine Art elektronisches Kassen- oder Kontobuch. Und bekannt geworden ist sie vor allem als organisatorische Grundlage von Kryptowährungen wie zum Beispiel Bitcoin.

Ein Münze mit der Aufschrift Bitcoin liegt auf einer Tastatur. In Erscheinung getreten ist die Blockchain-Technik erstmals mit der rein digitalen Währung Bitcoin, jetzt soll sie auch für andere Zwecke eingesetzt werden.  (imago stock&people)Ein Münze mit der Aufschrift Bitcoin liegt auf einer Tastatur. Damit wurde erstmals die Blockchain-Technik bekannt. (imago stock&people)

Aber die Blockchain entwickelt sich gerade zu einer Art universeller Beglaubigungstechnik. Wie sieht da die aktuelle Entwicklung aus, Peter Welchering?

Peter Welchering: In vielen Branchen und Bereichen wird über die Einführung einer Blockchain diskutiert. Im Energiesektor gibt es erste Pilotprojekte. Einige öffentliche Verwaltungen setzen sie in Europa schon in Grundbuchämtern ein.

Demnächst geht ein Messengerdienst an den Start, der Blockchain bei der Schlüsselverwaltung einsetzt. Insbesondere in Europa ist das Interesse an der Blockchain sehr ausgeprägt. Denn hier gab es immer Defizite bei der Zertifikate-Verwaltung. Und die Blockchain ist da eine sehr ausgereifte Technik der Beglaubigung so ein Blockchain-System ist transparent, sichert aber dennoch die Privatsphäre des Einzelnen gut ab. Das macht diese Technologie so attraktiv. Und deshalb wird es in den kommenden Monaten zu einer ziemlich breiten Anwendung von Blockchains kommen.

Kloiber: Ich hatte es ja anfangs schon erwähnt, so richtig populär ist die Blockchain-Technologie mit der Verbreitung der virtuellen Währung Bitcoin geworden. Und wie Blockchains funktionieren, lässt sich deshalb auch sehr gut am Anwendungsfall Bitcoin beschreiben.

Wie Blockchain funktioniert

Um Bitcoins von einer digitalen Geldbörse in eine andere fließen zu lassen, muss der Zahlungsvorgang registriert werden – und zwar in der Blockchain, einer Art digitales Kontobuch. Dafür wird jede Bitcoin-Überweisung in eine Datei geschrieben. Diese Datei wird an das digitale Kontobuch geschickt und dort an die anderen Dateien angehängt und dann anschließend auf viele tausend Rechner verteilt.

Man kann sich das so vorstellen, als würden zwei Euro als Kaufpreis für eine Tasse Kaffee auf ein Blatt Papier geschrieben, das Blatt eingeschweißt, damit niemand mehr den Wert von zwei Euro verändern kann. Und dieses eingeschweißte Blatt Papier wird an einen Stapel, Blockchain genannt, geheftet.

Jedes Mal wenn so etwas passiert, wird der gesamte Stapel mit allen eingeschweißten Überweisungspapieren an alle Beteiligten geschickt, damit jeder alle Zahlungen kontrollieren kann. Und das funktioniert eben nicht nur beim digitalen Bezahlen, sondern zum Beispiel auch im Stromhandel. Stefan Jessenberger arbeitet bei der Siemens AG an genau solchen Blockchains für die Energiebranche.

"Wir gehen von einem System aus, das letztendlich zum Beispiel auf regionaler Ebene so einen Energiehandelsmarktplatz etablieren wird, wo sich verschiedene heute bestehende Akteure auch zusammenschließen können, Stadtwerke, Netzbetreiber, die dann als Unabhängige so einen Energiemarktplatz organisieren und betreiben und in dem ich mich als Kunde mit meinem Haushalt anmelden und da teilnehmen kann, um da Energie auf regionaler Ebene, auch mit gewissen Präferenzen, was Herkunft anbelangt, ich mich bedienen kann."

Der Strom von der Solaranlage auf dem Dach des Einfamilienhäuschens wird in so einem System direkt an das Einfamilienhaus zwei Straßen weiter geliefert, weil dort gerade Strom für die Waschmaschine gebraucht wird.

Die komplizierten Verrechnungen für diesen Stromhandel laufen dann über das digitale Kontobuch namens Blockchain. Dazu muss natürlich über den intelligenten Stromzähler ermitteln werden, wer wie viel Strom an wen abgegeben hat und wer von wem Strom geliefert bekommen hat. Also eine Art doppelte Buchführung. Mit der Blockchain kein Problem, meint Stefan Jessenberger.

"Wir gehen von einem Szenario aus, wo letztendlich der Mechanismus, der notwendig ist, um an der Blockchain teilzunehmen,  im Smartmeter integriert sein wird oder in einem separaten Gateway, der letztendlich die Teilnahme ermöglicht. Aber wichtig ist ja, dass die Messdaten auch verifiziert werden und dass da im Prinzip kein Missbrauch getrieben werden kann.

Also muss der Blockchain-Mechanismus, auch der Verschlüsselungsmechanismus sehr nah am Messequipment sitzen, dass hier kein Missbrauch getrieben werden kann."

Öffentliche Verwaltungen können von Blockchain profitieren

Auch die öffentlichen Verwaltungen können von diesem digitalen Kontobuch namens Blockchain profitieren. In einigen skandinavischen und baltischen Staaten werden mit einer Blockchain bereits Grundstücke in den Grundbuchämtern verwaltet. Und dabei bleibt es nicht, wie Professor Helmut Krcmar berichtet.

"Dänemark, Estland, da geht es darum, dass aufgrund der Daten, die die Verwaltung an vielen Stellen schon hat, ganz bestimmte Vorgänge automatisch angestoßen werden. Ihr Pass läuft ab, selbst wenn Sie keinen Antrag gestellt haben, aber ich könnte Ihnen ja schon einmal einen neuen zustellen oder Sie einfach fragen, ob Sie einen neuen wollen."

Blockchain-Technologie in Deutschland kurz vor dem Durchbruch

Für Deutschland haben Expertinnen und Experten das Jahr 2018 zum Jahr der Blockchain ernannt. Sie meinen, dass die Beglaubigungstechnologie Blockchain hier kurz vor dem Durchbruch stehe. Helmut Krcmar sieht das ein wenig differenzierter.

"Der Normenkontrollrat hat für die Registertechnologie Deutschlands gefordert, Blockchain zu untersuchen. Ich glaube, das ist ein Thema, das erst langsam hineinläuft, weil man ja in Deutschland ja sehr oft das grundsätzlich komplett bis zum Ende diskutiert, statt erst mal zu schauen, was sind die Lösungen, die ich heute schon relativ schnell herstellen kann.

Ich weiß aus den letzten Diskussionen, auch aus dem IT-Planungsrat, dass man sich schon damit beschäftigt, wo könnten wir Blockchain eigentlich nutzen. Es muss aber bedacht werden: Es geht ja nicht nur um die Technologie.

Sondern es geht ja auch darum, welche Änderungen in den Organisationsstrukturen, in den Prozessen, im gesamten Ökosystem drum rum, erforderlich sind, um das gut nutzen zu können."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk