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StartseiteVerbrauchertippBequem - aber verräterisch09.04.2018

Digitale SprachassistentenBequem - aber verräterisch

Sie spielen per Zuruf die Lieblingsmusik, lesen den Wetterbericht vor oder schalten das Licht an: Digitale Lautsprecher sind für viele ein hilfreiches Technikspielzeug. Allerdings sammeln die Geräte permanent Daten. Für Nutzer ist oft nicht klar, was genau damit geschieht. Worauf man beim Kauf von smarten Lautsprechern achten sollte.

Von Dieter Nürnberger

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Ein junger Mann demonstriert am 01.09.2017 auf der IFA in Berlin die Funktionen des Lautsprechers Google Assistant.  (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Die Auswertung der Tonsignale der digitalen Lautsprecher - hier der Google Assistant - läuft über das Internet. Deswegen werden regelmäßig Sprachdaten an den jeweiligen Anbieter gesendet. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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Natürlich klappt es auch mit dieser Aufforderung. Sekundenschnell ist der Lieblingssender im Radio zu hören. Für digitale Sprachassistenten eher eine leichte Übung. Es gibt sie in Form von Lautsprechern oder inzwischen auch längst vorinstalliert auf Computern, Notebooks, Tablets oder dem Smartphone.

Sind sie aktiviert, kann es losgehen - direkt und per Sprache, einfach zu bedienen, so Michael Wolf von der Stiftung Warentest: "Man braucht keine besondere Vorbildung. Man muss sich nicht groß irgendwo einlesen, man muss sich auch nicht mit Internet, Apps und Smartphones auseinandersetzen, um diese Geräte bedienen zu können. Und damit erreichen sie ganz neue Zielgruppen."

Sprachdaten werden regelmäßig an Anbieter gesendet

Doch den digitalen Sprachassistenten schlägt auch viel Skepsis entgegen. Denn ihre Mikrofone sind immer angeschaltet. Dadurch sind sie stets auf Horchposten und warten auf Sprachbefehle. Besonders heikel dabei: Die Auswertung der Tonsignale läuft nicht lokal auf Handy oder Lautsprecher, sondern über das Internet. Dafür werden regelmäßig Sprachdaten an den jeweiligen Anbieter gesendet. Heimlich oder immer mitlauschen würden die Assistenten trotzdem nicht. 

"Wir haben uns den Datenstrom angeschaut und haben überhaupt keine Hinweise gefunden, dass diese auch dann irgendwelche Sprachdaten senden, wenn sie nicht signalisieren, dass sie das tun. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass sie erst aufwachen, wenn ihr Stichwort gefallen ist - manchmal springen sie auch an, wenn jemand etwas anderes gesagt hat, was so ähnlich klingt wie "Alexa" oder "Ok Google". Aber es ist nicht so, dass die Dinger die ganze Zeit heimlich mitlauschen."

Allerdings müssten sich die Nutzer der Sprachassistenten darüber im Klaren sein, dass sie trotzdem eine Menge preisgeben, so Micheal Wolf: "Wenn man damit E-Mails diktiert, dann gibt man "Amazon" oder "Google" Einblick darüber, mit wem man sich zu welchen Themen in seinen Mails austauscht. Je mehr man das nutzt, umso mehr Daten produziert man."

Datenschutzerklärungen sehr schwammig

Die Stiftung Warentest wollte deshalb von den Anbietern wissen, welche Daten gespeichert, weitergegeben und wann sie gelöscht würden. "Apple", "Google" und "Sony" äußerten sich dazu gar nicht, "Microsoft" und "Amazon" nur unzureichend oder lückenhaft. Ein Sprachassistent würde es wohl so ausdrücken: 

"Darauf habe ich leider keine Antwort".

Die Datenschutzerklärungen der Anbieter seien aufgrund ihrer Schwammigkeit mit dem deutschen Datenschutzrecht kaum vereinbar, so die Stiftung Warentest.

Den besten Lautsprecher in der Untersuchung bietet "Amazon". Er klingt am besten, versteht die Nutzer auch, wenn sie etwas entfernter Anweisungen geben oder Dialekt sprechen. Zudem unterscheiden sich die digitalen Assistenten hinsichtlich der verwendeten Hardware: Insgesamt ist beim Funktionsumfang der "Google Assistant" besonders vielfältig.

Bequem - aber verräterisch?

Kann aber beispielsweise auf "Android"-Handys deutlich mehr als auf dem "Google-Home"-Lautsprecher. Das ist bei den "Amazon"-Geräten genau umgekehrt: Auf den "Amazon"-Lautsprechern kann "Alexa" mehr als auf den "Fire-Tablets von "Amazon".

Fazit der Stiftung Warentest: Es ist bequem, digitale Sprachassistenten zu bedienen, allerdings sollten die Nutzer wissen, dass auch hier gesendete Daten gesammelt werden. Das mag beim individuellen Musikgeschmack nicht so gravierend sein, beim Verknüpfen mit einem Mail-Konto oder dem digitalen Kalender aber schon. 

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