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StartseiteComputer und KommunikationStandards für den Datenaustausch bei Big Data12.11.2016

Digitaler BasarStandards für den Datenaustausch bei Big Data

Daten werden erst dann wertvoll, wenn sie ausgetauscht und miteinander verknüpft werden können. Aber gerade der Austausch von Daten ist nicht ohne: Wie soll das geschehen, ohne dass Dritte an die Daten herankommen? Und dass jeder Partner nur die für ihn gedachten Informationen zu sehen bekommt? Damit beschäftigt sich seit einem Jahr das Projekt Industrial Data Space.

Von Jan Rähm

Ein Mitarbeiter des Autozulieferers Boge Elastmetall arbeitet in einer Werkshalle der Firma in Damme (Niedersachsen) in der Hydrolager-Montage. (dpa / Carmen Jaspersen)
In einer Konkurrenzwirtschaft versucht jeder, einen Vorteil zum Nachteil anderer auszunutzen. Damit zum Beispiel Autozulieferer nicht auf Grundlage ihrer Daten von Autobauern übervorteilt werden können, wurde das Projekt Industrial Data Space gegründet (dpa / Carmen Jaspersen)
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Die Automobilwirtschaft ist heute ein hochkomplexes und mindestens genauso hoch vernetztes Gebilde. Da wird just in time gefertigt. Da bedeutet unter anderem: Einzelteile und Baugruppen kommen immer zum genau richtigen Zeitpunkt am Montageband an.

Dafür aber muss der Hersteller wissen, wie viel Stück eines bestimmten Teils die Zulieferer wann zur Verfügung stellen können. Und hier ist der Haken: Wenn nämlich der Autobauer so genau die Zahlen von Zulieferer A, B oder C kennt, dann wüsste er deren Geschäftsgeheimnisse. Er könnte den Preis abhängig von der Auslastung drücken. Eine Zwickmühle - aber eine, für die das Projekt Industrial Data Space, kurz IDS, einen Ausweg anbietet. Daten sollen nach einem ausgeklügelten Rechtesystem weitergegeben und genutzt werden, erklärt der Leiter des Forschungsprojekts der Initiative IDS Boris Otto. Der IDS liefert "die Beschreibung dieser Datenquellen und die Beschreibung der Nutzungsbedingungen und die Beschreibung der Regeln, unter denen die Daten eben ausgetauscht und genutzt werden dürfen."

Im Fall der Zulieferer hieße das: Der Autohersteller bekommt zwar die Stückzahlen, aber er kann diese nicht nach Zulieferer aufschlüsseln. So bleiben die Interessen aller Beteiligten gewahrt. Man könnte auch sagen, die Beteiligten bleiben souverän.

"Es ist eine wichtige Aufgabe dafür zu sorgen, dass Datensicherheit besteht"

Denn, so Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, es gehe nicht nur um den Umgang, sondern vor allem auch darum, die Daten insgesamt vor unberechtigtem Zugriff zu schützen:

"Es gibt ganz, ganz große Sorgen, berechtigte Sorgen, von 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland, dass ihre Daten abfließen. Und deswegen ist eine wichtige Aufgabe dafür zu sorgen, dass Datensicherheit besteht, dass eine einzelne Firma ihre Daten nicht auf irgendeinen Server laden muss, wo sie dann keinen Einfluss mehr hat, sondern dass sie die Kontrolle über die Daten behält und dass sie sicher weiß, mit wem sie diese Daten unter Umständen tauscht oder kommuniziert. Und das ist die Grundidee des Industrial Data Space. So etwas gibt es noch nicht auf der Welt."

Der Industrial Data Space soll eine zusätzliche Ebene im Internet werden. Ein sicheres Daten-Austausch-Netzwerk auf Basis etablierter Web-Techniken und Standard für Transport, Verschlüsselung und Authentifizierung. Kern der Entwicklung ist derzeit ein sogenannter Connector, also eine Software-Schnittstelle, die Unternehmen in ihre Anwendungen integrieren können.

Über die Schnittstelle sollen die Anwender dann Nutzungsbedingungen und Zugriffsberechtigungen festlegen und so den Datenaustausch steuern können. Am Ende soll eine Referenzarchitektur stehen. Eins aber will der IDS nicht sein, so Boris Otto:

"Diese Initiative hat eben gerade nicht die Idee, eine weitere Cloud zu entwickeln, sondern die Vielzahl an entstehenden Cloud-Plattformen sicher und digital souverän zu verbinden. Deshalb sind wir letzten Endes, sagen wir mal, der Kitt, zwischen all den ganzen Lösungen, die sich da vielerorts ergeben."

Initiative Industrial Data Space wurde branchenübergreifend konzipiert

Ganz zentraler Bestandteil bei der Entwicklung des IDS sind Metainformationen. Sie sollen die eigentlich Nutzdaten um die Nutzungsbedingungen computerverständlich ergänzen. Damit wollen die Entwickler sicherstellen, dass nur derjenige Zugriff auf die Daten bekommt, der wirklich berechtigt ist, selbst wenn die Datenpakete einmal in die falschen Hände geraten:

"Der Industrial Data Space ist, wenn man das vielleicht neudeutsch formulieren will, ein Network of trusted data."

Die Initiative Industrial Data Space wurde branchenübergreifend konzipiert und besteht derzeit aus dem Forschungsprojekt unter Federführung der Fraunhofer-Gesellschaft und einem Anwenderverein, in dem zahlreiche Unternehmen und Institute versammelt sind. Die Partner stammen nicht nur aus Deutschland. Die Initiative hofft auch auf internationalen Erfolg.

Nach jetzt gut einem Jahr gibt es erste Prototypen, die vor allem in der Logistik-Praxis getestet werden. Ein Projekt im Bereich der Materialwissenschaften, dem Material Data Space, steht kurz vor der praktischen Anwendung. Die nächsten Bereiche, in die der IDS einziehen soll, sind unter anderem Gesundheitsversorgung sowie medizinische Forschung. Dort wird aus dem Industrial Data Space dann der Medical Data Space.

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