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StartseiteComputer und KommunikationDigitales Logbuch: Autonom10.08.2013

Digitales Logbuch: Autonom

Aus dem Bayerischen ins Hochdeutsche transkribiert

Wir in Bayern, da hat jeder seinen eigenen Kopf. Der hängt uns auch manchmal zum Hals heraus.

Von Maximilian Schönherr

"Es kommt auch kein Fußgänger mehr von Ulm nach Neu-Ulm. Haben das vielleicht die Roboter verbrochen?" (Jan-Martin Altgeld)
"Es kommt auch kein Fußgänger mehr von Ulm nach Neu-Ulm. Haben das vielleicht die Roboter verbrochen?" (Jan-Martin Altgeld)

Der Herr Singh, unser Chefprogrammierer, sagt: Bei uns in Indien ist das anderes; da hat nicht jeder einen Dickschädel, und hat jetzt in die Roboter ein bisschen von so einem Dickschädel hinein gepflanzt, sodass sie Entscheidungen treffen können, ohne dass ihnen jemand hineinredet.

Auf diese Weise haben die Roboter schon eigenverantwortlich am Morgen Finanzämter geöffnet, damit die Kundschaft schön hereinströmt, und nach der Mittagspause wieder geschlossen, weil die Beamten in den Biergarten gingen.

Am Wochenende ist es bei uns immer sehr ruhig in der Fabrikhalle. Die Angie staubt die Roboter ab. Schön vorsichtig, die Metallschädel! Die sind jetzt alle, jeder für sich, schwer beschäftigt. Wer weiß, was sie wieder aushecken und öffnen oder schließen!

Nur der Roboter Robert scheint nichts Autonomes im Sinn zu haben. Er kichert und wackelt auf den Beinchen hin und her. Über den Roboter haben wir uns schon lange keine Gedanken mehr gemacht. Auf einmal klingelt das Telefon, und der Herr Singh ruft an:

"Habt ihr in den Nachrichten gehört, dass Bayern geschlossen ist?"

"Bayern ist geschlossen für Preußen, Herr Singh, schon immer!"

"Autobahnen nach Hessen, Thüringen und Österreich - Vollsperrung!",

sagt der Herr Singh.

"Es kommt auch kein Fußgänger mehr von Ulm nach Neu-Ulm. Haben das vielleicht die Roboter verbrochen? Ist einer in der Fabrik auffällig?"

"Na ja, der Robert halt, wie immer."

Ja, der Robert war’s. Das haben wir aber erst am Montag herausbekommen. Der hat, sagt der Herr Singh, einen Entscheidungskonflikt gehabt: Der Bundesnachrichtendienst hat ihm gesagt, keine Gefahr. Vom Verfassungsschutz hat der Robert gehört, Volksfeste in Oberfranken. Und der amerikanische NSA hat gesagt, die ganze Welt, ganz Europa und insbesondere auch Deutschland sind unter Terrorgefahr!

Und da hat der Robert sich gesagt: Da lassen wir nichts anbrennen und schließen Bayern mal ab.

Es ist heute noch abgeschlossen. Keiner kommt rein, niemand geht raus. Bayern war schon immer sehr schön. Jetzt ist es noch schöner.

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