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StartseiteComputer und KommunikationJungfräuliche Ordnung22.04.2017

Digitales LogbuchJungfräuliche Ordnung

Von Maximilian Schönherr

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In der Astrologie sind es die Jungfrauen, die aufräumen, die Steinböcke, die auf Ordnung pochen, die Zwillinge, die alles liegen lassen und die Wassermänner, die den Schimmel in der Tasse vom letzten Sommer gar nicht erst sehen, noch nie gesehen haben und ihn auch nie sehen werden – bis eine Jungfrau vorbeikommt und sagt: Das mit dir und mir klappt nur, wenn du deutlich ordentlicher wirst. Worauf der Wassermann sagt: Das mit dir und mir klappt nur, wenn du meine innere Ordnung endlich mal akzeptierst.

Was aber ist die innere Ordnung? Was die äußere? Es gibt Menschen, die mit perfekt gekämmtem Haar und gebügeltem Hemd das Haus verlassen, die aber nie ihr Bett machen und lüften.

Der Philosoph Immanuel Kant meinte, Ordnung sei die Verbindung des Vielen nach einer Regel. Er dachte an Grammatik und Karteikarten, kannte aber das Maschinenlernen noch nicht. Denn solche Programme schaffen Struktur, also Ordnung, ohne dahinter liegendes Regelwerk. AlphaGo etwa spielt das chinesische Brettspiel brilliant, ja kreativ – ohne eine einzige Regel zu kennen.

Mit der Erfindung des Desktops 1972 durch Xerox schien die Ordnung eine neue Dimension zu bekommen. Auf dem Bildschirm fanden sich statt abstrakter Textzeilen Symbole für Dokumente und Ordner. Mit den ersten Macs und später den Silicon-Graphics- und Windows-Computern wurden die Symbole schön und bunt. Und man konnte sie nach Lust und Laune auf dem Desktop herum schieben. Naheliegende Frage: Ist der PC-User, der seinen Desktop mit Icons vollstellt, unordentlich? Und was ist mit dem, der auf dem Desktop nur drei Ordnersymbole und den Papierkorb hat, aber im Download-Ordner 2835 Dateien und 577 ungelesene Emails?

Und so kommt es, dass die Jungfrau und der Wassermann sich für immer über die innere und die äußeres Ordnung streiten – und natürlich lieben.

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