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StartseiteUmwelt und VerbraucherOhne Knacksen und Rauschen29.08.2016

DigitalradioOhne Knacksen und Rauschen

Digitalradio kann man mittlerweile fast überall in Deutschland empfangen. Der rauschfreie Klang ist nur einer von vielen Vorteilen der DAB-Technologie. Kritiker sagen, der Radio-Empfang über Internet mache das Digitalradio entbehrlich. Experten widersprechen dem jedoch.

Von Manfred Kloiber

Ein Radio mit Digitalempfang steht am 09.05.2016 auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig (Sachsen). (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Ein DAB-Radio-Empfänger (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
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Auch wenn Radioempfang per UKW einfach und gut ist. Spätestens wenn man auf der Autobahn ob der Störungen kein Wort mehr versteht, dann fragt man sich, wo eigentlich die digitale Alternative bleibt.

"Die Autobahnen sind sehr gut versorgt, wir rechnen damit, dass es 98 Prozent der Autobahnen mit exzellentem DAB-Klang gibt," erklärt Carsten Zorger, der Leiter des Digitalradio Büros Deutschland in Berlin. Nicht nur entlang der Autobahnen ist ein Netz digitaler Radiosender entstanden. Ganz Deutschland wird mittlerweile mit DAB+-Radioprogrammen in digitaler Technik versorgt.

"Digitalradio ist zu 90 Prozent schon verfügbar, vor allen in den Metropolen, also in den Großstädten und den Ballungsräumen. In München zum Beispiel gibt es 49 regionale Programme. In Berlin und Köln gibt es zwischen zwölf und 30 Programme. Das kommt immer so ein bisschen darauf an, wo man wohnt."

Testen Sie hier, ob Digitalradio in Ihrer Region empfangbar ist.

Lokalradios sind noch rar

So sind die drei Programme des Deutschlandradios fast überall im Land digital über DAB+ zu empfangen. Und auch jede Landesrundfunkanstalt der ARD strahlt einen Großteil seiner Wellen über das Digitalradio ab. Auch bundes- oder landesweit sendende Privatradios sind mit dabei. Nur Lokalradios sind rar in DAB+. Hauptvorteil für den Hörer: die überragende Klangqualität und neue Möglichkeiten wie Surround-Ton, zum Beispiel bei Hörspielen. Die Vorteile bestätigt auch Ulrich Reimers, Professor für Nachrichtentechnik an der TU Braunschweig und Experte für Digitalen Rundfunk:

"Ich benutze zu Hause an drei verschiedenen Stellen im Haus bereits DAB+-Radios. Die Qualität von DAB+, die ich erlebe, ist sehr gut, die Bedienkonfiguration dessen, was ich in meinen Geräten zuhause erlebe, ist überzeugend. Und insofern habe ich mich entschieden, dies zu tun."

UKW europaweit ein Auslaufmodell

Rund 600 verschiedene digitale Radio-Geräte sind derzeit im Handel verfügbar. Die Kosten bewegen sich zwischen 30 Euro für ein einfaches Küchenradio bis hin zu 500 Euro Aufpreis für DAB+-Autoradio in der Luxuslimousine. Fast alle Geräte empfangen zusätzlich auch noch UKW. Das ist besonders im Auto wichtig, denn gute Digitalradios schalten automatisch auf UKW-Empfang des gewählten Programms um, wenn kein Digitalempfang möglich ist. Durchschnittlich kostet bei einem Neuwagen das Digitalradio etwa 200 Euro mehr als ein UKW-Radio. Autoradios zum nachträglichen Austausch liegen in der gleichen Preisklasse. Allerdings muss dann noch für den Digitalradio-Empfang eine zweite Antenne eingebaut werden. Das kostet je nach Werkstatt zwischen 50 und 150 Euro. Doch Carsten Zorger meint, diese Investition ins Autoradio werde sich lohnen. Denn europaweit sei UKW ein Auslaufmodell:

"Wenn wir jetzt nach zum Beispiel nach Großbritannien gucken, oder wir schauen in die Schweiz, oder auch nach Italien, da kann es sein, dass sehr bald das UKW-Signal verstummt und künftig nur noch Digitalradio ausgestrahlt wird. Zum Beispiel in Norwegen ab 2017. Die fangen also in wenigen Monaten an UKW abzuschalten. Kurzum: Es lohnt sich deswegen, damit sie auch in Zukunft noch super Radio hören können."

Internet-Radio nicht flächendeckend nutzbar

Für Deutschland allerdings gibt es noch kein definitives UKW-Ausstiegszenario. Weshalb viele Kritiker nicht an den Erfolg von DAB+ glauben. Und für die Fälle, in denen UKW nicht reicht, würden die Menschen lieber auf Smartphone-Empfang oder Internet-Streaming zurückgreifen. Doch gerade über das letzte Argument streiten die Experten ziemlich heftig. Denn wenn immer mehr Menschen Radio per Smartphone hören, dann müssen auch die Mobilfunknetze entsprechend ausgebaut werden. Professor Ulrich Reimers:

"Es bleibt das Problem, dass man nicht sicherstellen kann, dass die Mobilfunknetzbetreiber diese Netze wirklich flächendeckend erstellen. Denn auch die werden sich auf die Bereiche konzentrieren, wo sie räumlich am meisten Geld verdienen können. Und das ist ein Argument, wo man sagen würde, so: Radio über Internet ist möglich, aber wird es wirklich überall nutzbar sein? Und diese Frage ist wohl mit Nein zu beantworten."

Wer sich für ein Digitalradio entscheidet, der muss sich über diese Frage eigentlich gar keine Gedanken machen. Denn schließlich bieten die allermeisten digitalen Autoradios auch eine Anschlussmöglichkeit für das Smartphone. Und für Zuhause gibt es Digitalradios mit zusätzlichem Internet-Empfang.

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