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StartseiteCampus & Karriere"Die Schulen fit machen fürs 21. Jahrhundert"08.12.2016

"Digitalstrategie" der Kultusminister"Die Schulen fit machen fürs 21. Jahrhundert"

Die Kultusminister haben eine "Digitalstrategie" für Schulen beschlossen. Ziel sei, dass es in jedem Fach zu jeder Zeit möglich ist, digitale Medien einzusetzen, sagte Claudia Bogedan, Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, im DLF. Das schaffe eine neue Art der Vernetzung von Wissen.

Claudia Bogedan im Gespräch mit Markus Dichmann

Die Bremer Senatorin für Bildung und Kinder Claudia Bogedan (SPD) (dpa/picture alliance/Ingo Wagner)
Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Claudia Bogedan (SPD) begrüßt die Ankündigung von Frau Wanka, mehr Geld für die Digitalisierung in den Schulen in die Hand zu nehmen. (dpa/picture alliance/Ingo Wagner)
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Markus Dichmann: Eine Hand wäscht die andere, ich geb’s Geld, ihr macht die Arbeit. Das ist mal ganz verkürzt zusammengefasst, was im Zusammenhang mit dem sogenannten Digitalpakt gerade passiert ist. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka stellt fünf Milliarden Euro zur Verfügung, um die Schulen im Land digital auszubauen, also zum Beispiel reden wir da von freiem WLAN an allen Schulen, von neuen Technologien für Schüler und Lehrer und natürlich auch von neuen Konzepten für den Unterricht.

Im Gegenzug aber sollten die Länder eine konkrete Strategie entwickeln, wie dieser Ausbau stattfinden soll. Auf so eine Strategie haben sich die Länder heute bei der Kultusministerkonferenz geeinigt und die aktuelle Präsidentin der KMK, Claudia Bogedan, Bildungssenatorin in Bremen, ist jetzt am Telefon. Ich grüße Sie, Frau Bogedan!

Claudia Bogedan: Ja, einen schönen guten Tag!

Dichmann: Also, was stellen wir an mit den fünf Milliarden Euro?

Bogedan: Ja, ich fange mal andersherum an. Denn die Kultusministerkonferenz arbeitet nicht erst nach der Idee von Frau Wanka an einer Digitalstrategie, sondern seit zwölf Monaten findet hier ein intensiver Prozess statt, in dem sich 16 Länder jetzt auf ein Kompetenzmodell verständigt haben. Und ehrlich gesagt kommt uns da natürlich dann die Ankündigung von Frau Wanka, für fünf Milliarden die Schulen dabei zu unterstützen, natürlich sehr entgegen, denn sie greift einen wichtigen Punkt auf, dass nämlich eben auch Technik vorhanden ist, die funktioniert. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Fragezeichen, das will ich nicht verhehlen, denn bislang ist das Geld von Frau Wanka noch nicht da. Und deshalb haben wir mit der Bundesbildungsministerin verabredet, dass wir uns im Januar zusammensetzen, denn ein Ziel muss ja sein, dass diese Milliarden dann auch eben so eingesetzt werden in den Ländern und in den Schulen, dass auch ein nachhaltiger Erfolg eben dann möglich ist und wir tatsächlich die Schulen fit machen fürs 21. Jahrhundert.

Digitale Medien im Unterricht einsetzen

Dichmann: Wenn die fünf Milliarden Euro an die Länder gehen würden aus dem Bund, dann, Frau Bogedan, wie sähen dann die Klassenzimmer in Zukunft aus? Wie können wir uns die im Sinne der KMK und der Strategie, die heute vorgestellt wurde, in Zukunft vorstellen?

Bogedan: Ja, wir machen ein Versprechen. Wir sagen, bis 2021 soll möglichst in allen Schulen der Zugang zum Netz jederzeit eben möglich sein. Denn unser Ziel ist es, dass in jedem Unterricht, das heißt, in jedem Fach, zu jeder Zeit, es eben möglich ist, digitale Medien einzusetzen, um das Unterrichtsgeschehen zu unterstützen und die Didaktik eben auch an der Stelle zu verbessern. Das Zweite ist, dass wir gesagt haben, wir wollen, dass alle Schülerinnen und Schüler, die zukünftig eingeschult werden, über bestimmte Kompetenzen verfügen, wenn sie die Schule verlassen. Und diese Kompetenzen gehen eben weit darüber hinaus, dass sie nur kompetent diese digitalen Endgeräte letztlich nutzen können, sondern wir wollen, dass sie aktiv und gestaltend in das gesellschaftliche Leben eingreifen können, auch im Sinne von demokratischer Mitwirkung an der Gesellschaft und der Gestaltung an der rasanten Umwälzung, die wir gerade beobachten können.

Neue Arbeits- und Kooperationsprozesse zwischen den Schülerinnen

Dichmann: Diese Kompetenzen, von denen Sie sprechen, sind auch formuliert in Ihrem Papier. Gut 50 Seiten ist es stark, da stehen so Sachen wie Suche, Verarbeiten, Aufbewahren oder Kommunizieren und Kooperieren. Alles sehr blumig, vielleicht geht es aber noch etwas konkreter: Wie soll denn der Unterricht tatsächlich jetzt in nächster Zukunft aussehen?

Bogedan: Na, ich mache das mal ganz konkret an dem Beispiel Kommunizieren und Kooperieren. Eine Möglichkeit, die ja die Digitalisierung schafft, ist eine ganz neuartige Form der Vernetzung, der Vernetzung von Wissen einerseits, aber auch eben der Vernetzung in der Zusammenarbeit. Das heißt, das gemeinschaftliche Arbeiten an einem Produkt, sei es in der Industrie, in der eben die Produktionsprozesse sich ganz neu gliedern werden, als eben auch in der Wissenschaft oder in der Dienstleistung, diese Kompetenzen müssen Schülerinnen und Schüler haben. Und das heißt, in der Schule müssen sie lernen, was diese Arten von Kooperationen bedeuten, wie man auch klug kooperieren kann, wie man Arbeitsprozesse dann auch selbst mitsteuern und -gestalten kann. Und das geht natürlich über alle Schulfächer nur hinweg, sei es eben das gemeinsame Arbeiten an Texten oder das Arbeiten auf einer Plattform, wo man über unterschiedliche Zeit- und räumliche Bedingungen hinweg arbeitet, oder sei es sogar die Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern aus anderen Schulen oder gar aus anderen Ländern, wie wir das im Erasmus-Programm hier schon ermöglichen.

Dichmann: Das klingt natürlich aber schon nach tief greifenden Umwälzungen, Reformschritten im Unterricht. Sie sprachen auch von dem flächendeckenden Ausbau von Netzverfügbarkeit, von WLAN in den Schulen. Wann kann das denn alles aber wirklich losgehen, wann spüren wir davon was im täglichen Schulbetrieb?

Bogedan: Ich glaube, dass in den Schulen, in den Ländern das jetzt schon gespürt wird. Denn die meisten Länder haben sich ja schon auf den Weg gemacht, sicherlich natürlich in einem ungleichzeitigen Tempo. Also, sagen wir, es wird nicht so sein, dass wir jetzt einmal über Deutschland fliegen mit dem großen Helikopter und über allen Schulen Tablets abwerfen. Das ist immer so ein Bild, was in der Vergangenheit ja stark gebraucht worden ist. Sondern wir sagen ja genau, wir wollen beim Primat des Pädagogischen ansetzen und wollen deshalb unsere Schulen auch ertüchtigen, Möglichkeiten zu nutzen. Und da heißt es zum Beispiel vielleicht in einem ersten Schritt, dass die Schulen insofern in die Lage versetzt werden, in einer geschützten Lernumgebung, in einem geschützten Netzkontext eben dann auch Angebote zu machen, Software einzusetzen, die den Unterricht unterstützt, aber eben auch digitale Medien überhaupt in Schule verfügbar zu machen.

Zusätzliche Gelder, um Lehrerinnen fit fürs Digitale zu machen

Dichmann: Jetzt gehen wir mal einen Moment davon aus, dass dieses Konzept, Ihre KMK-Strategie gut ankommt in Berlin und die fünf Milliarden aus dem Digitalpakt werden fließen. Wird das dann reichen oder werden Sie und Ihre Landeskollegen noch zusätzlich in die Tasche greifen müssen?

Bogedan: Wir werden definitiv zusätzlich in die Taschen greifen müssen, denn ein wichtiger Bereich ist ja bislang noch gar nicht angesprochen worden, das betrifft die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung. Denn eine wichtige Gelingensbedingung ist eben, dass wir auch Lehrkräfte haben, die in dem Bereich sich sicher und fit fühlen. Wir haben in Deutschland die bestausgebildeten Lehrkräfte, deshalb ist mir da gar nicht bang, dass wir die auch fit machen können fürs 21. Jahrhundert, aber nichtsdestotrotz sind da weitere Veränderungen in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung notwendig, aber eben auch in der Fortbildung, damit die Lehrerinnen und Lehrer auch eben fit sind. Und das wird natürlich länderseitig vor allem erfolgen.

Dichmann: Sagt Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, hier in "Campus und Karriere", das Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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